Rote Dominanz

Das rote Burgenland und der Neusiedlersee

Weingärten am Eisenberg.
© Peter Weirather

Das östlichste Bundesland ist das einzige, in dem die roten Rebsorten die Mehrheit haben. Blaufränkisch und Zweigelt beanspruchen mehr als 40 Prozent der Rebfläche. Doch trotz dieser Dominanz hat das Burgenland noch mehr zu bieten.

Zur Jahrtausendwende war das Verhältnis noch viel ausgewogener zwischen Weiß und Rot, doch seither haben die roten Sorten zugelegt. Vor allem kamen Merlot und Cabernet in Mode. Allerdings ging einiges an Rebfläche verloren, rund zwanzig Prozent. Derzeit sind es etwas mehr als 11.500 Hektar.

Charaktersorte

Doch zurück zum Blaufränkisch, der heute die Paradesorte des Landes ist. Auch das haben früher nicht alle so gesehen. Da gab es einige, die lieber auf Zweigelt setzten, weil er mehr Ertrag brachte und mit seiner samtig-würzigen Art ein Schmeichler ist. Doch vor allem die guten Bewertungen von Blaufränkisch im Ausland waren überzeugende Argumente, die für ein Umdenken sorgten. Einzig im Nordosten des Neusiedlersees ist der Zweigelt fest verankert und die einzig zugelassene rote Rebsorte für Neu­siedler­see DAC.

Da das Burgenland sich rund 120 km von Norden nach Süden erstreckt, gibt es klarerweise auch deutliche Unterschiede bei den Weinen. Zwischen Hornstein und Jois liegt das Leithagebirge. An den Südhängen liegen unzählige Weingärten mit teilweise sehr großem Potenzial. Obwohl Blaufränkisch hier eine wichtige Rolle spielt, ist doch Vielfalt angesagt. Denn neben Leithaberg DAC rot (reinsortig Blaufränkisch) gibt es auch Leithaberg DAC weiß, und dafür sind gleich mehrere Rebsorten zugelassen.

Überwiegend handelt es sich am Leithaberg um Kalkböden. Muschelkalk, als Überrest eines früheren Meeres. Ganz oben am Leithaberg ist überall Wald. Vor allem in der Nacht sorgt das für Abkühlung. Und der nahe Neusiedlersee sorgt auch für einen Temperaturausgleich.

Burgundersorten

Kalk ist bekanntermaßen ein guter Boden für Burgundersorten. Deshalb findet man hier einige großartige Chardonnays und auch Weißburgunder. Dazwischen gibt es interessanterweise einige Urgesteinsinseln, unter anderem in Donnerskirchen. Dort auf den höchsten Lagen wächst Grüner Veltliner und liefert die besten Versionen des ­Burgenlands.

Als Rarität findet man am Leitha­berg auch Neuburger. Hoch über Eisenstadt entlockt Erwin Tinhof dieser seltenen Sorte außergewöhnliche Weine. Es ist deshalb kein Wunder, dass all diese weißen Sorten für Leithaberg DAC zugelassen sind, reinsortig oder auch als Cuvée.

Die Blaufränkisch-Weine vom Leithaberg sind in ihrer besten Form sehr elegante Weine, deren Aromatik häufig von Kirschnoten bestimmt ist.

Das Mittelburgenland ist eigentlich eine Blaufränkisch-Hochburg, nirgendwo in Österreich ist diese Sorte stärker vertreten als hier. Nicht umsonst heißt das Mittelburgenland auch Blaufränkischland. Allerdings stehen im Gebiet zwischen Oberpullendorf und Deutschkreutz auch rote Cuvées hoch im Kurs, früher noch mehr als heute.

Vorbild Bordeaux

Insbesondere als einige namhafte Winzer nach einer Bordeaux-Reise zurückkamen, erlebten Cabernet Sauvignon und Merlot einen Aufschwung. Zwar wurde Blaufränkisch schon lange gepflegt, aber die Topweine waren lange Zeit Cuvées und etwa kein reinsortiger Blaufränkisch. Das hat sich etwas geändert, aber nicht überall. Blaufränkisch aus dem Mittelburgenland ist in der Regel die kräftigste und dichteste Variante von allen Gebieten.

Rund um den Eisenberg im Südburgenland entstehen die würzigsten und mineralischsten Vertreter von Blaufränkisch im Burgenland. Das Herkunftsgebiet Eisenberg DAC ist zwar sehr klein, aber die Qualität hat dem Gebiet zu einem Aufschwung verholfen. Trotzdem findet man hier noch besonders preiswerte Weine.

Das Besondere sind die eisenhaltigen Böden. Direkt am Eisenberg, in den Lagen Szapary und Saybritz dominiert Schiefer, weiter unten sind es meist lehmige Böden. In Burgenlands südlichstem Herkunftsgebiet machen sich neben dem pannonischen Klima auch mediterrane Einflüsse bemerkbar.

Seit wenigen Jahren ist auch Welschriesling für Eisenberg DAC zugelassen, allerdings erst ab der Stufe Ortswein. Welschriesling hat vor allem im Raum Rechnitz eine lange Tradition. Im Gegensatz zur Steiermark wurde hier aber nicht die frische Variante gepflegt, sondern die reifere, gehaltvolle. Es gibt einige Vertreter, die keinen Vergleich mit den besten Steirern scheuen müssen.

Rosalia ist das jüngste Herkunftsgebiet im Burgenland und liegt zwischen Leithaberg und dem Mittelburgenland im Bezirk Mattersburg. Das Gebiet hat als einziges einen DAC-Rosé (ja, der Schilcher ist auch ein Rosé). Für den Rosé sind zwar mehrere rote Sorten zugelassen, aber Aufmerksamkeit erregt das Gebiet inzwischen mit einem ausschließlich aus Blaufränkisch gemachten Rosé. Acht Weingüter haben sich zusammengetan und füllen unter dem Namen „The Origin of Rosé“ einen reinsortigen Blaufränkisch ab. Kapsel und Etikett sind bei allen gleich, nur der Inhalt unterscheidet sich. Aber sie haben eines gemeinsam, sie sind frisch, fruchtig und würzig. Außerdem sind es anspruchsvolle Weine, die sich auch sehr gut als Speisenbegleiter eignen.

Allein rund ein Viertel der Rebfläche beansprucht der Zweigelt.
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Rote und süße Variante

Das größte Herkunftsgebiet erstreckt sich von der Ortschaft Neusiedl am See bis hinunter zur ungarischen Grenze. Das Gebiet ist geprägt von sandig-lehmigen Böden mit unterschiedlich starkem Schotteranteil. Es ist für seine Rotweine, aber auch Süßweine bekannt. Neusiedler DAC gibt es entweder als reinsortigen Zweigelt, bei der Reserve sind andere Sorten bis zu maximal 15 Prozent zugelassen, oder als süße Variante für fruchtsüße Weine und auch Prädikatsweine, wie Beeren- und Trockenbeerenauslese.

Allein rund ein Viertel der Rebfläche beansprucht der Zweigelt für sich, das zeigt seine Bedeutung. Wegen der Süßweine sind hier auch viele weiße Sorten vertreten.