Was „Beziehungsweise Lernen“ so besonders macht
Statt Unterricht im Klassenzimmer bietet der Innsbrucker Verein „Beziehungsweise Lernen“ Deutschtraining auch im Park, beim Kochen oder einem Stadtspaziergang. Es soll ein Gemeinschaftsgefühl geschaffen werden.
Innsbruck – „Ich lerne selbst Innsbruck immer wieder neu kennen, wenn wir mit unseren Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern die Stadt entdecken“, sagt Lena Mittermaier. Sie arbeitet als Deutschtrainerin im Verein Beziehungsweise Lernen. „Wir sitzen mit unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht nur im Klassenzimmer. Wir zeigen ihnen, wo sie einkaufen können, wir besuchen die Stadtbibliothek, unternehmen gemeinsam Stadtspaziergänge oder lernen bei Theaterworkshops.“ Sie selbst ist vor acht Jahren nach Innsbruck gekommen. „Seit ich beim Verein arbeite, fühle ich mich hier selbst mehr beheimatet. Und ich merke, dass mein eigenes Netzwerk immer größer wird.“
Das Sprachtrainingsprogramm „Deutsch als FreundInsprache“ ist kein klassischer Deutschunterricht. „Wir wollen den Menschen ein Gefühl von Gemeinschaft geben, einen Raum für Begegnungen schaffen.“ Acht Wochen dauert der Kurs, an dem in der Regel zehn bis zwölf Personen teilnehmen. „Wir haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt, aus Italien, Syrien ebenso wie aus Somalia und den USA“, erklärt Lena Mittermaier.
Das Sprachniveau ist ebenso breit gefächert, der Zugang bewusst niederschwellig. Zu Beginn des Programms werden die Ziele, die die einzelnen erreichen wollen, definiert. Viele nutzen es als zusätzliche Vorbereitung auf eine anstehende Sprachprüfung. Dreimal pro Woche treffen sich die TeilnehmerInnen vormittags zum Unterricht. Unterstützt werden sie dabei auch von Freiwilligen des Vereins. „Der Austausch steht im Mittelpunkt. Wir sehen uns auch als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für die Deutschlernenden.“
Einmal pro Woche wird außerdem gemeinsam gekocht. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereiten mit uns Gerichte aus ihren Heimatländern zu und lernen dabei natürlich auch Deutsch“, sagt Lena Mittermaier. Zu Mittag wird das Vereinslokal am Innrain quasi zum Restaurant. Der „Interkulturelle Mittagstisch“ ist offen für Gäste, das Menü wird immer am Dienstag vorher auf Facebook und Instagram verraten.
Beziehungsweise Lernen
„Deutsch als FreundInsprache“ ist ein achtwöchiges Sprachtrainingsprogramm, das auf die Interessen, Bedürfnisse und Wünsche der TeilnehmerInnen zugeschnitten ist.
Ehrenamtliche sind beim „Interkulturellen Mittagstisch“ und bei der Kinderlernhilfe willkommen.
Internet: www.beziehungsweise-lernen.info
Wenn die acht Wochen vorbei sind, heißt das aber nicht, dass sich die TeilnehmerInnen auch von ihren neuen FreundInnen bei „Beziehungsweise Lernen“ verabschieden müssen. Zum Angebot des Vereins gehören auch das Erzähl- und Sprachlerncafé, die Kinderlernhilfe und spezielle Kurse zur Prüfungsvorbereitung. „Das Schöne ist, aus den Begegnungen entstehen oft Freundschaften. Und manche Teilnehmende werden selbst Ehrenamtliche, die unsere Deutschlernenden dann begleiten.“
In den zwei Jahren, in denen Lena Mittermaier nun bei „Beziehungsweise Lernen“ arbeitet, war kein Tag wie der andere, sagt sie. „Ich weiß, dass ich Menschen dabei unterstütze, ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden. Ich sehe, wie die Sprache Brücken baut – und ich Teil dieses Brückenbaus sein darf.“
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