Eskalation in Nahost: Hunderttausende aus Gaza geflüchtet, Empörung in Katar
Hochrangiges Treffen arabischer und islamischer Staaten in Katar, Israels Premier Netanjahu schließt weitere gezielte Tötungen nicht aus.
Gaza, Doha, Jerusalem – Zehntausende Palästinenser sind Berichten zufolge seit der Nacht auf Montag aus Gaza geflüchtet. Die Times of Israel meldete unter Berufung auf Armeeschätzungen, rund 20.000 Menschen hätten die Stadt in Richtung Süden verlassen. Zugleich weigern sich demnach etliche Menschen, aus der Stadt wegzugehen.
Israel hatte im August angekündigt, die Armee werde die gesamte Stadt einnehmen, um die dort vermuteten Einheiten der militanten Hamas-Organisation zu zerschlagen. Das israelische Militär rief deshalb kürzlich alle Bewohner der Stadt Gaza auf, in sogenannte humanitäre Zonen weiter südlich zu flüchten. Inzwischen sollen bereits mehr als 300.000 Palästinenser die Stadt verlassen haben.
Augenzeugen berichteten von besonders heftigen Angriffen Israels in der Stadt Gaza in der Nacht auf Montag. Mindestens 30 Wohnhäuser sollen zerstört und 16 Menschen getötet worden sein. Israels Armee hat bereits Dutzende Hochhäuser in der Stadt Gaza zerstört. Laut der konservativen Zeitung Israel Hajom soll es innerhalb der Armeespitze großen Widerstand gegen den geplanten Militäreinsatz in der Stadt Gaza geben. Israel gefährde damit seine nationale Sicherheit „auf nie da gewesene Art“. Es gibt große Zweifel, ob mit der Offensive das Ziel, die Hamas zu zerschlagen, erreicht werden könne.
Katar spricht von „zweierlei Maß“
Im Vorfeld des Gipfeltreffens arabischer und muslimischer Staaten am Montag in Katars Hauptstadt Doha rief der Regierungschef von Katar die internationale Gemeinschaft zu einem schärferen Vorgehen gegen Israel auf. „Es ist an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft aufhört, mit zweierlei Maß zu messen, und Israel für alle begangenen Verbrechen bestraft“, sagte Regierungschef Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani am Sonntag bei einer vorbereitenden Sitzung.
Der „Vernichtungskrieg“, den Israel im Gazastreifen führt, werde keinen Erfolg haben. „Was Israel dazu ermutigt, weiterzumachen, ist das Schweigen, die Unfähigkeit der internationalen Gemeinschaft, es zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte er zudem. Die israelische Armee hatte am vergangenen Dienstag Luftangriffe auf Ziele in Katars Hauptstadt Doha geflogen, die sich nach Armeeangaben gegen die Führungsebene der militant-islamistischen Palästinenserorganisation Hamas richteten. Israels Vorgehen sorgte international für scharfe Kritik. Nach Informationen der Washington Post hatte sich Israels Auslandsgeheimdienst Mossad geweigert, einen in den vergangenen Wochen ausgearbeiteten Plan umzusetzen, bei dem Agenten vor Ort eingesetzt werden sollten, um die Hamas-Führer zu töten.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu schloss am Montag weitere Angriffe auf Führungsvertreter der radikal-islamischen Hamas nicht aus, „wo auch immer sie sind“. Dies sagte er bei einem gemeinsamen Auftritt mit US-Außenminister Marco Rubio in Jerusalem. (TT, dpa, APA, Reuters)
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