Wieder in aller Munde

Zurück am Podest: Ist er der meist unterschätzte Formel-1-Pilot?

Es war einmal: Bei Toro Rosso fuhren Carlos Sainz (l./mit Papa Sainz) und Max Verstappen (r./mit Papa Jos) im selben Team.
© via www.imago-images.de

Er streikte sich von Red Bull weg, ließ McLarens Lando Norris blass aussehen und machte Charles Leclerc bei Ferrari Druck. Und trotzdem traute man Carlos Sainz jr. (Williams) nie den großen Wurf zu.

Innsbruck – Beim Tiroler Franz Tost ist Carlos Sainz jr. nicht gut angeschrieben. Das hat aber nichts mit seinen Qualitäten als Formel-1-Pilot zu tun. Vielmehr mit seinem Auftreten vor zehn Jahren, als er noch ein Red-Bull-Rohdiamant war. Seine Karriere kann sich trotzdem sehen lassen. Bei Williams zeigte der 31-Jährige am Baku-Wochenende, dass er sehr wohl in die obere Kategorie gehört.

„Beiß nicht die Hand, die dich füttert“, meinte der damalige Toro-Rosso-Teamchef Tost, als die Familie Sainz im Fahrerlager Red Bull öffentlich kritisierte. Besonders Rallye-Legende Vater Carlos Sainz polterte gegen das rot-weiß-rote Lager. Man sei gegen seinen Sohn. Der Hintergrund? Max Verstappen. Dass Red Bull frühzeitig alles auf den Niederländer ausrichtete und Sainz keine Chance auf ein Red-Bull-Cockpit sah, sorgte für Unruhe. Und man wollte Sainz’ Karriere woanders zum Laufen bringen.

Renault, McLaren, Ferrari

Mit Erfolg. Ende 2017 ließ man den heutigen Williams-Fahrer zu Renault wechseln. Und 2019 ging es weiter zu McLaren. Dort hatte er nicht nur Lando Norris (GBR) fest im Griff, sondern fuhr sich mit zwei Podestplätzen in die Notizblöcke von Ferrari. Das Meeting in Maranello beeindruckte den heute 31-Jährigen: „Sie haben mir Daten vorgelegt und genau gewusst, wo meine Stärken liegen.“ Bei der Scuderia blühte Sainz auf. Und überflügelte „Mister Ferrari“ Charles Leclerc gleich im ersten Jahr (2021).

So stark er sich aber auch präsentierte, 2024 entschied man sich wieder einmal gegen ihn und für Rekordchampion Lewis Hamilton (GBR). Was – aus heutiger Sicht – nicht unbedingt die richtige Entscheidung war.

Bei Ferrari fühlte sich Sainz pudelwohl.
© IMAGO/Bob Kupbens

Sainz hoffte, bei Mercedes zu landen. Doch da zeigte man sich ebenso skeptisch und setzte auf die Jugend-Karte (Andrea Kimi Antonelli). Und so klopfte Williams an seine Tür. Da war Sainz zunächst skeptisch. Eine Ausstiegsklausel für ein Top-Team soll ihn dann am Ende doch überzeugt haben.

Seit dem Baku-Wochenende dürfte er restlich überzeugt sein. Nach durchwachsenen Auftritten schlug in Aserbaidschan mit Platz drei die große Stunde. Der brachte die Dauer-Kritiker wieder zum Schweigen: „Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich bin, wie gut sich das anfühlt. Wir hatten das ganze Jahr über hart zu kämpfen und jetzt haben wir Autos geschlagen, von denen ich nicht gedacht hätte, dass wir sie schlagen können.“

Läuft es für Williams gut, läuft es auch für Sainz gut. Denn entweder kann der britische Rennstall irgendwann dem Mittelfeld enteilen oder ein Top-Team nützt die Ausstiegsklausel. Sofern es die gibt.

Mehr zu diesem Thema

undefined

Norris und Hamilton mit Bestzeit

Die Formel-1-Fans sind gespalten: Droht die große Langeweile?

undefined

Seit Juli nicht mehr Teamchef

Endgültige Trennung von Red Bull: Horners Abschied wird mit Mega-Abfindung versüßt