Psychische Belastung am Arbeitsplatz nimmt dramatisch zu
Bereits 60 Prozent der Erwerbstätigen fühlen sich psychischen Risiken ausgesetzt. Der ÖGB Schwaz bietet kostenlose und anonyme Hilfe bei Mobbing und Burnout an.
Schwaz - Zeitdruck, Personalmangel und hohe emotionale Belastungen prägen zunehmend den Arbeitsalltag vieler TirolerInnen. Die Folgen sind alarmierend: Die Krankenstandstage aufgrund psychischer Erkrankungen haben sich seit Mitte der 1990er-Jahre mehr als verfünffacht. Besonders Mobbing bleibt oft im Verborgenen.
"Psychische Erkrankungen sind eine unterschätzte Gefahr, weil sie oft im Verborgenen stattfinden. Auch der Arbeitsplatz kann einen möglichen Auslöser darstellen", warnt Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied. Der Gewerkschaftsbund macht nun verstärkt auf die Problematik aufmerksam.
38,3 Prozent leiden unter Zeitdruck oder Überbelastung
Eine Befragung der Statistik Austria aus dem Jahr 2022 belegt den Ernst der Lage: 38,3 Prozent der Befragten berichten, unter Zeitdruck zu leiden oder bei der Arbeit überlastet zu sein. "Bei Mobbing sind Betroffene oft in einem Teufelskreis gefangen. Nicht selten wird das Geschehen in den Betrieben verharmlost oder weggeschaut", erklärt Föger-Kalchschmied.
Arbeitgeber in der Pflicht
Die ÖGB-Landesvorsitzende erinnert an die gesetzliche Fürsorgepflicht der Arbeitgeber: "Sie sind verpflichtet, die psychischen Belastungen ihrer MitarbeiterInnen zu erheben und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Erfahren Arbeitgeber von Mobbinghandlungen, müssen sie einschreiten und die betroffene Person schützen."
Risikofaktoren für Mobbing sind unter anderem schlechte Arbeitsbedingungen, unklare Hierarchien, mangelhafte Arbeitsorganisation oder schwache Führung. Gegensteuern lässt sich mit einem offenen Betriebsklima und gut strukturierten Arbeitsabläufen.
Kostenlose Hilfe im Bezirk Schwaz
Der ÖGB bietet in all ihren Tiroler Bezirksstellen professionelle Erstberatung an – kostenlos und anonym. Leider gibt es oft genug Hemmschwellen, sich bei Bedarf helfen zu lassen", sagt Bernhard Reiter, Ansprechpartner beim ÖGB in Schwaz. Er vermittelt Betroffenen sofort Beratung bei ausgebildeten TherapeutInnen. Zusätzlich ist eine arbeitsrechtliche Erstberatung möglich.