Influencerin Chiara Ferragni wegen Betrugs vor Gericht
Im Mittelpunkt des Prozesses um die einflussreiche Mode-Bloggerin stehen als wohltätige Initiativen getarnte Produktvermarktungen.
Mailand – In Italien hat am Dienstag die Vorverhandlung im Verfahren rund um eine der einflussreichsten Mode-Bloggerinnen der Welt stattgefunden. Die Influencerin Chiara Ferragni wird des schweren Betrugs beschuldigt. 2021 und 2022 soll sie KonsumentInnen mit Werbung getarnt als Spendenaktion in die Irre geführt haben. Zwei ihrer Mitarbeiter stehen ebenfalls vor Gericht.
Musste bereits Millionen zahlen
Vergangenes Jahr nahm die Mailänder Staatsanwaltschaft Ermittlungen rund um die Vermarktung des von ihr für den Süßwarenhersteller Balocco „entworfenen“ Pandoro, eine traditionelle italienische Weihnachtsmehlspeise, auf. Die Produkte wurden zu einem deutlich über dem üblichen Marktpreis liegenden Preis verkauft, versehen mit Ferragnis Marke und persönlicher Werbung.
Die Vermarktung habe bei KundInnen den Eindruck erweckt, dass damit Spenden für krebskranke Kinder gesammelt würden, so der Vorwurf. Balocco versprach, einen Teil der Einkünfte an ein Kinderkrankenhaus in Turin zu spenden, überwies dem Spital jedoch lange vor der Aktion 50.000 Euro, unabhängig von den tatsächlichen Verkaufszahlen.
Die Firmen, mit denen Ferragni sich und ihre Marken managt, hätten mit dem Deal mehr als eine Million Euro verdient, „ohne etwas an das Krankenhaus zu zahlen“, beanstandete die Wettbewerbsbehörde. Ferragni versprach infolge der Kritik, dem Regina-Margherita-Krankenhaus eine Million Euro zu spenden.
Nicht nur einmal
Kurz darauf geschah ähnliches in einem zweiten Fall: Bei der Vermarktung von Ostereiern von Dolci Prezioso soll Ferragni ebenfalls vorgetäuscht haben, dass KäuferInnen mit dem Erwerb zu einer Spende für eine Kinderkrebsstation beitragen würden. Dies war nicht der Fall. Die Kartellbehörde einigte sich daraufhin mit Ferragni auf eine Zahlung von 1,2 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren an eine entsprechende Wohltätigkeitsorganisation.
Die Staatsanwaltschaft verklagte sie dennoch wegen schweren Betrugs. Ihr droht bei einer Verurteilung eine fünfjährige Haftstrafe. Ferragni beteuert ihre Unschuld.
Fall eines weltweiten Idols
Die 38-jährige Italienerin vereinte in den vergangenen Jahren eine Followerschaft von knapp 30 Millionen und galt damit als eine der einflussreichsten Mode-Bloggerinnen der Welt.
Seit dem Betrugsskandal verlor sie allerdings mehr als zwei Millionen Follower, viele Unternehmen lösten die Verträge mit der Influencerin auf, ein Mailänder Geschäft, in der ihre Kleidung verkauft wird, musste schließen. Privat folgte die Trennung von Rapper Fedez im April 2024. Im Sommer 2025 wurde die Scheidung rechtskräftig.
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