SOS-Kinderdorf will Vorfälle aufklären: Whistleblower-Plattform eingerichtet
Eine Whistleblower-Plattform soll bei der Aufklärung der Geschehnisse in den SOS-Kinderdörfern in Tirol und Kärnten helfen, zudem wurde die Ombudsstelle für Betroffene erweitert. Die Reformkommission nimmt ihre Arbeit am 8. Oktober auf.
Misshandlungen, sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch: Nach Bekanntwerden grober Missstände an den Standorten in Imst und Kärnten hat das SOS-Kinderdorf jetzt weitere Schritte angekündigt, um die Vorfälle aufzuklären. Eine Whistleblower-Plattform wurde eingerichtet, zudem wurde die Ombudsstelle für ehemalige Betreute erweitert.
Anonyme Meldungen möglich
Seit Jänner 2023 gilt in der Organisation eine neue, verbindliche Kinderschutzrichtlinie für alle Mitarbeitenden und Freiwilligen. „Um Risiken frühzeitig zu erkennen und Vertuschung zu verhindern“, wurde nun eine Whistleblower-Plattform eingerichtet, heißt es in einer Aussendung am Donnerstag. „Ehemals Betreute können sich zudem an unabhängige Ombudsstellen wenden, um das Erlebte aufzuarbeiten.“ Für SOS-Kinderdorf sei das Opferschutz-Verfahren ein zentraler Schritt zur Anerkennung und Wiedergutmachung.
Die Meldestellen für Kinder- und Opferschutz umfassen:
- Ombudsstellen für ehemalige Betreute
- Interne Meldestelle für Kinderschutz, betreut von Expert:innen der Organisation
- Eine anonyme Whistleblowing-Plattform nach internationalen Standards
Betroffene, Mitarbeitende sowie externe Personen können diese Kanäle nutzen, um Missstände oder Verdachtsfälle zu melden, auf Wunsch auch anonym. Die Ombudsstellen wurden zuletzt um drei weitere Standorte erweitert und sind nun in Innsbruck, Wörgl, Wien, Graz und Salzburg vertreten. Die Ombudspersonen sind laut SOS-Kinderdorf unabhängige Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen oder gerichtlich zertifizierte Sachverständige.
Reformkommission startet am 8. Oktober
Die neu eingerichtete Reformkommission – die TT berichtete – soll indes am 8. Oktober erstmals vollständig zusammentreten. „Bis dahin werden interne Recherchen abgeschlossen und Unterlagen vorbereitet, damit die Kommission ihre Arbeit sofort aufnehmen kann“, heißt es seitens der Organisation. Zunächst sollen externe Expertinnen unter dem Vorsitz von Irmgard Griss die Untersuchungen durchführen und ggf. weitere Fachleute beauftragen. Im Anschluss sollen die Aufsichtsratsmitglieder die Verantwortung für die Umsetzung der Empfehlungen übernehmen. Sie haben kein Eingriffsrecht in die Untersuchung.
„Die Arbeit der Kommission wird von einer externen Moderation begleitet, um Transparenz und Klarheit im Prozess zu gewährleisten“, heißt es. Erste Ergebnisse sollen noch bis Jahresende vorliegen.
„Seit 2021 wurde viel unternommen, aber wir müssen noch mehr tun“, wird Annemarie Schlack, seit 2024 Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf, in der Aussendung zitiert. „Wir werden aufklären, umsetzen und alles transparent kommunizieren. Es ist mein höchstes Anliegen, dass so etwas in unserer Organisation nie wieder passiert.“
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Ermittlungen gegen Kärntner Landesbedienstete
Weil Missbrauchsanzeigen in der Causa SOS-Kinderdorf Moosburg nicht weitergeleitet worden sein sollen, hat die Staatsanwaltschaft Klagenfurt gegen Verantwortliche des Landes Kärnten ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Missbrauchs der Amtsgewalt eingeleitet.
Es gebe einen „Anfangsverdacht aufgrund der Berichterstattung, dass nicht alle Verdachtsmomente an die Staatsanwaltschaft herangetragen wurden“, erklärte Sprecher Markus Kitz. Ob das Land seiner Anzeigenverpflichtung nachgekommen ist oder etwas vertuscht wurde, soll nun ermittelt werden.
Zum jetzigen Zeitpunkt wisse man noch nicht, ob es neue Beweismittel gibt, die ein Aufrollen des alten Verfahrens ermöglichen. Im Jahr 2020 hatte es Ermittlungen gegen einen ehemaligen Leiter des SOS-Kinderdorfes Moosburg und eine weitere Person gegeben. Vorgeworfen wurden mutmaßliche Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger sowie mutmaßlicher Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden aber eingestellt.