Nach Blackout in Spanien: Österreichs Stromsystem wird krisenfest
„Lawinenartige Überspannung“ legte im April das Stromnetz in Spanien lahm. In Österreich sei man dagegen bestmöglich gerüstet, sagt der Netzbetreiber APG. Trotzdem soll an einigen Schrauben gedreht werden, um das Stromsystem krisenfest zu machen.
Wien – Die Überspannung im Stromnetz, die zu dem massiven Stromausfall auf der Iberischen Halbinsel Ende April führte, ist nach Meinung eines Expertengremiums die „erste ihrer Art“ gewesen. „Das ist neues Territorium“, sagte der Präsident des Verbands Europäischer Übertragungsnetzbetreiber, Damian Cortinas, bei der Vorstellung eines vorläufigen Untersuchungsberichts des Expertengremiums am Freitag. Auslöser für den Blackout seien „lawinenartige Überspannungen“ gewesen.
Größter Blackout seit 20 Jahren
Der Stromausfall war laut Cortinas der schwerwiegendste in Europa in den vergangenen zwanzig Jahren. Überspannung heißt, dass die elektrische Spannung in einem Netz zu hoch ist; Schutzsysteme schalten dann Teile des Netzes ab, was zu großflächigen Stromausfällen führen kann. Auslöser können eine Überversorgung mit Strom, Blitzeinschläge oder ausfallende oder ungenügende Schutzsysteme sein.
Regierung schärft nach
Österreichs Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer von der ÖVP betonte am Freitag die Bedeutung der Versorgungssicherheit als „A und O unserer Energiepolitik“. Eine kritische Systemanalyse der APG (Austrian Power Grid) zeige, dass das Land gut aufgestellt sei. Aber sie zeige auch am Beispiel Spanien was passiere, wenn man Modernisierung verschleppe.
Österreich mache mit der geplanten Energiemarkt-Reform das Netz krisenfest und zukunftssicher, so der Minister. Zugleich nutze man den Bericht dazu, in drei Bereichen nachzuschärfen: So soll es eine bessere energiewirtschaftliche Gesamtsystemplanung in Österreich und der EU geben, außerdem „kluge Planung und Ausbau der Netze mit Fokus auf Netzkapazitäten“ sowie einen „Fokus auf netzdienliches Verhalten“.
Österreich sei aufgrund seiner modernen Netzanschlussbedingungen bzw. auch durch die umgesetzte automatische Spannungsregelung der im Übertragungsnetz angeschlossenen Donaukraftwerke bestmöglich aufgestellt, betonte APG-Chef Gerhard Christiner. (TT, APA)
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