„Keine Entwarnung“

Experten sehen Ende der Rezession in Österreich, aber höhere Teuerung

Österreichs Industrie kam zuletzt stark unter Druck.
© APA/Barbara Gindl

Der längste Wirtschaftsabschwung der Zweiten Republik soll bald Geschichte sein. Experten von Wifo und IHS rechnen heuer mit einem minimalen Wirtschaftswachstum. Die Inflation bleibt heuer mit 3,5 Prozent hoch.

Die Wirtschaftsforscher von Wifo und IHS heben ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr an. Im Juni ging man noch für Österreichs Wirtschaft von einem Nullwachstum (Wifo) bzw. "Mini"-Plus (IHS) von 0,1 Prozent aus, nun wird ein Plus von 0,3 bzw. 0,4 Prozent erwartet. Der längste Wirtschaftsabschwung der Zweiten Republik wäre damit Geschichte.

„Verlorenes Jahrzehnt“ droht

Ein echter Aufschwung sei aber „nicht in Sicht“, betonte Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr. Die 2020er-Jahre drohen „zu einem verlorenen Jahrzehnt zu werden“, warnte Felbermayr. Es sei „Zeit für eine breite Reformpartnerschaft“ von Unternehmen, Gewerkschaft und Politik.

Auch IHS-Chef Holger Bonin sieht „keinen Anlass für Entwarnung“ für Österreichs Wirtschaft. Das Wachstumstempo sei langsamer als in vielen anderen EU-Ländern. „Der Reformdruck bleibt hoch“, sagte Bonin bei dem Pressetermin mit dem Wifo. Man müsse vor allem „das Inflationsproblem in den Griff bekommen. “Dafür müssen diverse Akteure über ihren Schatten springen.„

Lebensmittelpreise haben „kräftig zugelegt“

Die Inflationsprognose für heuer heben die Ökonomen deutlich an. Nach den Rekord-Inflationsjahren 2022 und 2023 sank die Teuerung 2024 zwar auf 2,9 Prozent. Die von Wifo und IHS danach erwartete Seitwärtsbewegung bei der Inflation sei heuer aber nicht eingetreten. Beide Institute rechnen nun für das laufende Jahr mit einer Teuerungsrate von 3,5 Prozent.

In den letzten Monaten hätten die Lebensmittelpreise "kräftig zugelegt". Und entgegen den Erwartungen habe der Preisauftrieb bei den lohnkostenintensiven Dienstleistungen nicht nachgelassen, so das IHS. Im kommenden Jahr prognostizieren Wifo und IHS einen Rückgang der Teuerung auf 2,4 Prozent.

Arbeitslosigkeit soll nächstes Jahr sinken

Die Wirtschaft erhole sich, der Schwung dahinter dürfte aber deutlich hinter früheren Erholungsphasen zurückbleiben, erwartet das IHS und verwies auf die verhaltene internationale Konjunktur und heimische Strukturprobleme. Für 2026 rechnen die Ökonomen mit 1,1 bzw. 0,9 Prozent Wachstum.

Die Erholung der Wirtschaft kommt zeitverzögert am Arbeitsmarkt an: Für heuer erwarten die Ökonomen noch einen Anstieg der Arbeitslosenrate auf 7,5 (Wifo) bzw. 7,4 Prozent (IHS). Im kommenden Jahr soll die Arbeitslosenrate dann auf 7,3 Prozent sinken.

Österreichs Wirtschaft wächst mittelfristig langsamer als Eurozone

Das Wifo veröffentlichte mit der Kurzfrist-Konjunkturprognose erstmals zeitgleich auch die Mittelfristprognose. Das reale BIP-Wachstum im Zeitraum 2026 bis 2030 soll im Durchschnitt 1,1 Prozent pro Jahr betragen. Die österreichische Wirtschaft dürfte laut Wifo mittelfristig um 0,2 Prozentpunkte schwächer wachsen als der Durchschnitt des Euroraums. (APA)