Nepal, Marokko, Madagaskar

Rebellierende Gen Z will Korruption nicht mehr akzeptieren

Ein junger Madagasse wirft in der Hauptstadt Antananarivo mit Steinen auf Sicherheitskräfte.
© APF/Tato

Zuerst Nepal, dann Marokko und Madagaskar: In allen drei Ländern setzt die rebellierende Jugend die Regierenden derzeit massiv unter Druck.

In der Hoffnung, den gewaltsamen Jugendprotesten auf Madagaskar ein Ende setzen zu können, hat Präsident Andry Rajoelina einen neuen Ministerpräsidenten ernannt. General Ruhphin Fortunat Zafisambo solle ein neues Kabinett aufstellen und damit das Vertrauen in die Regierung wiederherstellen, sagte der Präsident in einer TV-Ansprache. Die Ernennung ist allerdings kein Zeichen für einen politischen Neustart. Der General fungierte bisher als militärischer Kabinettschef und war damit Teil des engsten Kreises des vergangene Woche entlassenen Premiers.

Seit knapp zwei Wochen protestieren Zehntausende junge Menschen der Generation „Gen Z“ in dem südostafrikanischen Inselstaat gegen Strom- und Wasserausfälle, Mängel im Bildungssystem, hohe Arbeitslosigkeit und weitverbreitete Armut. Sie fordern nicht nur eine neue Regierung, sondern auch den Rücktritt des Präsidenten selbst.

Nepal als Vorbild

Zur Gen Z werden all jene gezählt, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden, also jetzt zwischen 15 und 30 Jahre alt sind. Als Vorbild dient den Demonstranten unter anderem Nepal, wo Anfang September nach Protesten gegen Korruption der Regierungschef zurückgetreten war. 72 Menschen waren in den Unruhen ums Leben gekommen.

Auch in Madagaskar kommt es seit Tagen zu Unruhen. Sicherheitskräfte setzten immer wieder Tränengas, Blendgranaten, Gummigeschosse und Platzpatronen ein, um die Massen auseinanderzutreiben. Dabei kam es auch zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei sowie zu Plünderungen. Nach UNO-Angaben wurden mindestens 22 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die Regierung wies die Zahlen zurück.

Armut nimmt zu

Madagaskar mit rund 32 Millionen Einwohnern liegt vor der Ostküste Afrikas im Indischen Ozean. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Seit Amtsantritt von Präsident Rajoelina 2019 ist die Armut gestiegen. Die Versorgung mit Strom und Trinkwasser hat sich verschlechtert. Trotz eines Oppositionsboykotts und niedergeschlagener Proteste war Rajoelina 2023 wiedergewählt worden.

Auch in Marokko ist die Jugend zuletzt gewaltsam mit der Polizei zusammengestoßen. Mindestens drei Menschen wurden von Sicherheitsleuten erschossen. Die Demonstranten hatten in mehreren Städten des nordafrikanischen Landes Steine geworfen und Feuer gelegt. Die Proteste der „Gen Z 212“, – wie sich die Demonstranten selbst nennen, richten sich gegen die ausufernde Korruption im Land und große Infrastrukturprojekte für die Fußball-WM im Jahr 2030. Viele junge Menschen, unter denen die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist, fühlen sich chancenlos. Sie fordern Reformen. 212 ist die Ländervorwahl von Marokko.