Arbeiten im eigenen Takt
Pflege lässt sich auch anders organisieren. Selbstgewählte Arbeitszeiten, gezielte Einsätze und eine starke Teamkultur zeigen, wie neue Modelle den Berufsalltag verändern können.
Von Natalie Hagleitner
Als der Flexipool im Oktober 2023 an der Klinik Innsbruck ins Leben gerufen wurde, stand eine klare Idee im Mittelpunkt: Pflegekräfte sollten selbstbestimmt arbeiten können – und gleichzeitig sollte dort unterstützt werden, wo es am dringendsten nötig ist. Zwei Jahre später zieht Tina Reisner, die das Projekt seit Beginn leitet, Bilanz: „Wir konnten neue Mitarbeitende gewinnen, langjährige Kräfte im Unternehmen halten und die Dienstplansicherheit auf vielen Stationen erhöhen.“
Vereinbarkeit trifft Pflege
Der Flexipool richtet sich an Menschen, deren Lebensrealität nicht zu klassischen Schichtmodellen passt – darunter Studierende, Wiedereinsteiger:innen, Pflegende mit Familienpflichten oder Zweitjobs. Was sie verbindet, ist der Wunsch nach Flexibilität und ein hohes Maß an Eigenverantwortung. „Unsere Mitarbeitenden erstellen ihren Dienstplan monatlich selbst und geben ihre Verfügbarkeiten über die App Cliniserve ein“, erklärt Reisner. Die Einsatzorte werden über die App kommuniziert und zwischen Flexipool-Leitung sowie den Stationsleitungen vor Ort abgestimmt. „Je nach Berufserfahrung werden unsere Mitarbeitenden in mehreren Stationen mit individuellem fachlichen Fokus eingeschult“, sagt Reisner. Die Einarbeitungszeit wird dabei regelmäßig evaluiert. So entsteht ein System, das sich an persönliche Bedürfnisse anpasst, ohne dabei die Qualität der Pflege zu vernachlässigen.
Tina Reisner, MSc Leitung Flexipool LKI
Seit Oktober 2023 ist Tina Reisner für die Leitung des Flexipools am Landeskrankenhaus Innsbruck verantwortlich. Mitarbeitende des Flexipools erstellen selbstständig ihren Dienstplan und werden dort eingesetzt, wo kurzfristige Ausfälle auftreten oder erhöhter Pflegebedarf besteht. Durch Fortbildungen und enge Zusammenarbeit mit den Stationen stärkt der Flexipool die Dienstplansicherheit und eröffnet neue Perspektiven für Mitarbeitende.
Flexibilität mit Struktur
Derzeit ist der Flexipool auf 39 Stationen, vier Ambulanzen und drei Intensivbereichen aktiv. „Einer Etablierung in weiteren Bereichen steht grundsätzlich nichts im Weg“, so Reisner. Trotz der örtlichen Streuung sind die Flexipool-Mitarbeitenden ein eigenständiges Team mit klaren Strukturen. „Uns ist wichtig, dass sich alle zugehörig fühlen, obwohl sie auf unterschiedlichen Stationen arbeiten.“ Regelmäßige Teamsitzungen, interne Fortbildungen, Fallbesprechungen und auch gemeinsame Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern oder Teamtage sorgen für Zusammenhalt. Wer an einer Schulung teilnimmt, gibt das Wissen im Team weiter. „So halten wir unsere Pflegequalität hoch und wachsen auch fachlich gemeinsam“, betont Reisner.
Ein Modell mit Wirkung
Die Flexibilität im Einsatz bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern basiert auf hoher Professionalität und Anpassungsfähigkeit. „Unsere Mitarbeitenden sind fachlich breit aufgestellt und unterstützen gezielt dort, wo kurzfristige Ausfälle oder erhöhter Pflegebedarf auftreten.“ Auch für das Stammpersonal habe sich das Modell positiv ausgewirkt: „Das Einspringen wurde reduziert, Stunden konnten abgebaut werden – nicht überall gleich stark, aber deutlich spürbar.“ Ein oft übersehener Vorteil: Der Flexipool wirkt dem Verlust erfahrener Pflegekräfte entgegen. „Langjährige Kolleg:innen, die etwa keine Nachtdienste mehr machen können oder sich im Team zurückziehen würden, erhalten über den Flexipool eine neue Perspektive. Sie bleiben im Unternehmen und bringen wertvolle Erfahrung ein.“
Herausforderungen und der Blick voraus
Wie jedes neue System brauchte auch der Flexipool Anlaufzeit. Die Akzeptanz in den Stationen, die Einarbeitung neuer Kolleg:innen, die technische Einführung der App und die Definition klarer Abläufe waren laut Reisner herausfordernd, wurden aber erfolgreich gemeistert. „Mittlerweile läuft vieles automatisiert. Die Mitarbeitenden sehen in der App, wo sie gebraucht werden, und die Stationen wissen, wen sie anfordern können.“ Die Zusammenarbeit zwischen Stationen und Pool-Leitung sei zentral: „Unser Ziel bleibt es, die Stationen bestmöglich zu unterstützen – nicht nur organisatorisch, sondern auch menschlich.“ Für Tina Reisner, die seit Oktober 2023 die Leitung des Flexipools innehat, ist klar: „Flexibilität im Pflegeberuf ist kein nettes Extra, sondern ein Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit. Wir reagieren damit auf gesellschaftliche Realitäten und machen den Pflegeberuf attraktiver.“ Das Modell habe sich bereits in kurzer Zeit bewährt. Wer mehr über den Arbeitsalltag erfahren will, findet auf Instagram unter @flexipool.lki Einblicke hinter die Kulissen.