Durchgehende Markierung

Sicherer gegen die Einbahn radeln: Anrainer-Initiative in Amras „total happy“ mit neuer Lösung

Sehr zufrieden: Vertreter der Anrainerinitiative „Gerhart-Hauptmann KANN“ rund um Elisabeth Jürschik (4. v. l.) luden mit der zuständigen Stadträtin Mariella Lutz (4. v. r.) zu einer kleinen „Eröffnungsfeier“ für den neuen Radstreifen.
© Michael Domanig

Bisher war das Radfahren gegen die Einbahn in der Innsbrucker Gerhart-Hauptmann-Straße denkbar riskant. Nun konnten Sichtbarkeit und Sicherheit verbessert werden – ein Erfolg für engagierte Anrainer. Den umstrittenen lila Farbton, der auch bei diesem Radstreifen zum Einsatz kommt, verteidigt die zuständige Stadträtin.

Innsbruck – Radfahren gegen die Einbahn ist in der Gerhart-Hauptmann-Straße in Amras, so wie in vielen anderen Innsbrucker Straßenzügen, seit Jahren erlaubt – und wird auf dieser wichtigen Radachse südlich des Südrings auch rege genützt.

Bislang waren die Rahmenbedingungen dafür aber alles andere als optimal, die Gesamtsituation schlecht gelöst – eine enge Straße mit entsprechend knappen Abständen bei Begegnungen, teils schlechte Sicht durch parkende Autos auf beiden Seiten, zugleich keine durchgehenden Markierungen, sodass viele AutofahrerInnen wohl überhaupt nicht mit Fahrrad-Gegenverkehr rechneten. Hinzu kommt, dass bei weitem nicht alle Autofahrer Tempo 30 in der Straße einhalten. Insgesamt also eine durchaus brisante Mischung, brenzlige Situationen gab es immer wieder.

Bele (r.) und Till testeten, beaufsichtigt von Papa Bastian Oechsle, den neuen Radstreifen.
© Michael Domanig

Die Anrainerinitiative „Gerhart-Hauptmann KANN“ startete daher bereits im Jahr 2021 eine Petition, in der sie sich – neben Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und Temporeduktion in der vom Durchzugs- und Ausweichverkehr geplagten Straße – eben auch dafür einsetzte, das Radfahren gegen die Einbahn sicherer zu machen.

Parken im Norden, Radstreifen im Süden

Das hartnäckige Engagement hat sich gelohnt: Erste Schritte setzte die Stadt Innsbruck bereits in der Vorperiode: Bei der Einfahrt im Osten wurde der Kreuzungsbereich umgebaut, mit einer Mittelinsel und einem zumindest in diesem Bereich bereits markierten Radstreifen. Auch an der westlichen Einfahrt wurden einige Meter rot eingefärbt.

„Das Problem war, dass der Radstreifen abrupt endete bzw. wegen der mal links, mal rechts angeordneten Parkplätze unterbrochen war“, erklärt Mariella Lutz, die sich als neue Tiefbau-Stadträtin zügig mit der Anrainerinitiative in Verbindung setzte und, wie sie betont, den Dialog „auf Augenhöhe“ suchte.

Nach längerer Vorbereitung hat die Stadt nun eine neue Lösung umgesetzt: Die Parkplätze wurden zum größten Teil auf die Nordseite der Gerhart-Hauptmann-Straße verlegt (wobei „fast alle“ erhalten wurden, wie Lutz betont). Dadurch wurde ein durchgehender – und durchgehend markierter – Radstreifen auf der Südseite möglich. (Rechtlich handelt es sich um einen Mehrzweckstreifen, d. h. Autofahrer können diesen auch kurz befahren, wenn die Straßenbreite sonst zu gering ist und keine Radfahrer entgegenkommen).

Knappe Abstände: Defensives Fahrverhalten und gedrosseltes Tempo ist bei Begegnungen in der Gerhart-Hauptmann-Straße auch weiterhin angezeigt – für Auto- wie Radfahrer.
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„Bin stolz, dass wir fünf Jahre durchgehalten haben“

Anrainerin Elisabeth Jürschik, eine der Initiatorinnen der Petition, zeigt sich „total happy“: „Ich bin stolz, dass wir es geschafft haben, fünf Jahre durchzuhalten und eine Lösung zu erreichen, die für alle vorteilhaft ist – für die Radfahrer genauso wie für die Autofahrer, da das Radfahren gegen die Einbahn nun viel klarer ersichtlich ist.“ Jürschik lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den städtischen Ämtern und der Tiefbaustadträtin.

Auch wenn der Anrainerinitiative klar ist, dass man nie alle glücklich machen kann: „Es gibt bereits sehr viele positive Rückmeldungen.“

„Smiley“ bleibt nur temporär

Ein weiterer Wunsch der Anrainer – nämlich Tempokontrollen durch einen Radarkasten oder permanente Tempoanzeigen mit „Smiley“ – kann derzeit nicht vollumfänglich erfüllt werden. Radarüberwachung liege in der Zuständigkeit der Polizei, sagt Lutz. Und die „Smiley“-Anzeigen in Stadtbesitz würden rotierend an verschiedenen Standorten eingesetzt. „Sie bringen sehr viel, aber vor allem dann, wenn sie nicht dauerhaft an einem Ort stehen“ – Stichwort Gewöhnungseffekt. Temporär wurde ein solcher „Smiley“ nun in der Gerhart-Hauptmann-Straße angebracht – vor allem für die Anfangsphase des neuen Radstreifens –, dauerhaft bleibt er aber nicht.

An den lila Farbton müssen sich viele Verkehrsteilnehmer wohl erst gewöhnen.
© Michael Domanig

Lila Radwege: Stadträtin weist Radlobby-Kritik zurück

Der neue Radstreifen in der Gerhart-Hauptmann-Straße wurde nun im selben lila Farbton markiert wie die Radwege und Radfahrstreifen auf der Ost-West-Achse in der Innenstadt (Amraser Straße, Museumstraße, Marktgraben). Die Radlobby hat zuletzt, wie berichtet, Kritik an dieser Farbwahl geübt: Lila weise zu wenig Kontrast zum dunklen Asphalt auf, international üblich seien rote, blaue oder grüne Markierungen. Und auf einem Teststreifen am Marktgraben habe sich die Beschichtung rasch aufgelöst.

Lutz weist diese Kritik zurück: Der Teststreifen am Marktgraben sei deshalb rasch verblasst, weil es beim Auftragen im November 2024 bereits zu kalt gewesen sei und die Farbe daher nicht gehalten habe – weswegen man die Markierung damals auch abrupt beendet habe. „Nun wird auch dieser Abschnitt nochmals richtig gemacht“, sagt Lutz, die zugleich klarstellt: „Eine Haltbarkeit von zehn Jahren hat die Farbe natürlich nicht.“

Rot markiert werden sogenannte „Konfliktzonen“, etwa diese Kreuzung zwischen Straße und Radweg beim Sillpark.
© Michael Domanig

Rot ist für Konfliktzonen reserviert

Was die Farbwahl angeht, sei in Innsbruck schon vor Jahren eine klare Zuteilung vorgenommen worden, zum Beispiel Blau für Kurzparkzonen, Grün für Parkstraßen oder zuletzt Pink für die neuen E-Scooter-Abstellzonen. Die Fahrradstreifen durchgehend rot einzufärben, „wäre komplett gegen dieses Konzept“, sagt Lutz.

Denn mit Rot werden schon sogenannte Konfliktzonen markiert, also heikle Übergangs- und Kreuzungsbereiche bzw. andere Bereiche, in denen sich mehrere Verkehrsteilnehmer (Fußgänger und Radfahrer oder Autofahrer und Radfahrer) den Platz teilen, „Würde alles rot eingefärbt, würden diese Konfliktzonen abgewertet“, meint Lutz – weil sie sich farblich eben nicht mehr abheben würden.

Radwege und -streifen durchgehend rot einzufärben, würde die Signalwirkung an brisanten Stellen schmälern, meint die Tiefbau-Stadträtin.
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