Diebstahl im Louvre

Der Juwelen-Coup in Paris war der dritte Museumseinbruch binnen sieben Wochen

Hunderte standen am Montag an, um den Louvre zu besuchen. Vergeblich – das Museum blieb für Ermittlungen geschlossen.
© AFP/De Rosa

Sind nationale Kunstschätze ausreichend gesichert? Diese Frage stellen sich die Franzosen nicht erst seit dem Einbruch in den Louvre am Sonntag.

Ein Juwelendiebstahl dieser Größenordnung inmitten der französischen Hauptstadt, und das am helllichten Tag. Selbst Experten sind über die Dreistigkeit der Pariser Museumseinbrecher verblüfft, aber noch mehr darüber, dass der Coup so einfach zu bewerkstelligen war.

Das hat eine Debatte darüber ausgelöst, ob Frankreichs Kunstschätze auch ausreichend gesichert sind. Kulturministerin Rachida Dati kündigte am Montag eine Verwaltungsuntersuchung an. „Hat sich jemand Gedanken über die Sicherheitsvorkehrungen dieser kulturellen Einrichtungen gemacht? Ich glaube nicht.“ Man habe sich viel um die Sicherheit der Öffentlichkeit gekümmert, aber weniger um die Sicherheit der Werke, kritisierte sie.

Täter in die Flucht geschlagen

Die Pressestelle ihres Ministeriums hingegen versuchte zu beruhigen. Die Alarmanlagen hätten funktioniert und fünf Mitarbeiter sofort reagiert. „Dank der Professionalität und der schnellen Reaktion der Mitarbeiter konnten die Täter in die Flucht geschlagen werden.“ Von den vier Tätern fehlte Montagnachmittag aber noch immer jede Spur.

Zwei von ihnen waren am Sonntag mithilfe einer Hebebühne auf einen Balkon im ersten Stock und von dort durch ein Fenster ins Museum gelangt. Im Apollon-Saal erbeuteten sie acht kostbare Schmuckstücke früherer Königinnen und Kaiserinnen – darunter mit Edelsteinen übersäte Diademe, Halsketten, Ohrringe und Broschen. Die Hoffnung, sie wiederzuerhalten, ist nicht allzu groß. Möglicherweise habe jemand die Schmuckstücke für seinen Besitz auf Bestellung stehlen lassen, oder sie sollen wegen ihres Rohstoffwerts in Einzelteile zerlegt werden, vermutet Remigiusz Plath vom deutschen Museumsbund.

11 Kilo Gold entwendet

Der Einbruch in den Louvre war der dritte in einem französischen Museum binnen sieben Wochen. Unbekannte erbeuteten vor fünf Wochen bei einem Einbruch ins Pariser Naturkundemuseum Gold im Wert von aktuell 600.000 Euro. „Vier Goldnuggets mit einem Gesamtgewicht von etwa 6 Kilo wurden gestohlen, darunter ein 5 Kilo schweres Nugget von der Größe eines Fußballs, das in Australien gefunden wurde“, erklärte Emmanuel Skoulios vom Nationalmuseum für Naturgeschichte der Zeitung Le Parisien. In der Nacht auf den 4. September stahlen Diebe binnen weniger Minuten zwei Teller und eine Porzellanvase im Wert von mindestens 6,5 Millionen Euro aus dem Museum Adrien Dubouché in der zentralfranzösischen Stadt Limoges.

Schitzeljagd nach dem Salzfass

Die Saliera von Benvenuto Cellini aus dem 16. Jahrhundert war nur Kunstfreunden bekannt. Das ändert sich schlagartig am 11. Mai 2003, als das 26 Zentimeter große Salzfass aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien verschwindet. Manches erinnert an den Coup im Louvre: Der Täter ist an einem Sonntag in den frühen Morgenstunden über ein Baugerüst eingedrungen.

Sicherheitslücke. Die Alarmanlage des KHM schlägt an. Weil es oft Fehlalarme gibt, drehen die Sicherheitsleute sie aber einfach ab.

Falsche Fährte. Lange fehlt jede Spur. KHM-Chef Wilfried Seipel lässt sich von einem Hochstapler, der sich als Dieb ausgab, sogar nach Italien locken.

Lösegeld. Im Herbst 2005 gibt es einen ersten Kontakt zum Täter. Er lässt der Polizei den abnehmbaren Dreizack des Neptun zukommen und verlangt zehn Millionen Euro. Nach einer Schnitzeljagd quer durch Wien scheitert ein Übergabeversuch.

Vergraben im Wald. Im Jänner 2006 ist die Fahndung erfolgreich. Robert M., Fachmann für Alarmanlagen, wird gefasst und führt die Polizei zum Versteck der Saliera in einem Wald. M. spricht von einer „besoffenen G’schicht“. Von fünf Jahren Haft sitzt er knapp drei Jahre ab.

Das Salzfass aus dem Naturhistorischen Museum war fast drei Jahre lang verschwunden.
© Naturhistorisches Museum

100 Kilogramm schwere Goldmünze nie mehr aufgetaucht

Mit einer Steighilfe in ein Museum zu kommen, hat nicht erst beim Louvre funktioniert. In der Nacht auf den 27. März 2017 verwenden die Diebe der „Big Maple Leaf“ – einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze – eine Leiter, um an das einzig ungesicherte Fenster des Bode-Museums in Berlin und durch dieses ins Innere zu kommen. Dort zertrümmern sie die Panzerglas-Vitrine im Münzkabinett und transportieren ihre Beute mit einer Schubkarre und einem Rollbrett zum Fluchtauto.

Leihgabe. Die kanadische Münze mit dem Bild von Queen Elizabeth II., von der weltweit nur sechs Stück existier(t)en, war eine Leihgabe eines Privatmanns ans Museum. Sie wurden 2007 geprägt und waren dazumal die weltweit größte Goldmünze. Beim derzeit enorm hohen Goldpreis hätte die 2,8 Zentimeter dicke Münze mit einem Durchmesser von 50 Zentimeter einen Marktwert von mehr als 10,3 Millionen Euro. Sie dürfte allerdings schon kurz nach dem Diebstahl zerteilt und verkauft bzw. eingeschmolzen worden sein.

Täter verurteilt. Drei Jahre später werden im Februar 2020 drei Männer für den Diebstahl zu Haftstrafen verurteilt. Zwei von ihnen gehören einem amtsbekannten arabischstämmigen Clan aus Berlin an und einer davon wird später wieder festgenommen – wegen des Diebstahls von Schmuck (siehe links) aus dem Grünen Gewölbe in Dresden.

Eine von ursprünglich sechs Big Maple Leafs. Das gestohlene blieb verschwunden.
© imago/eastnews

Das Grüne Gewölbe hat den Schatz zurück

Der Kunstdiebstahl aus Sachsens berühmtem Schatzkammermuseum vom 25. November 2019 gilt als einer der spektakulärsten in Deutschland. Die Täter erbeuten 21 historische Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von 116,8 Millionen Euro und verursachen über eine Million Euro Schaden. Zwei von ihnen brauchen nicht einmal fünf Minuten, um durch ein Nächte zuvor präpariertes und mit Hydraulik-Spezialwerkzeug aufgestemmtes Fenster in das Museum einzusteigen, mit Axthieben Löcher in die Vitrine mit den kostbarsten Pretiosen zu schlagen und herauszureißen, was sie fassen können.

Fünf Jahre später sind die meisten Schmuckstücke wieder an ihrem Platz im Grünen Gewölbe. Fünf Täter sind rechtskräftig verurteilt und vier davon in Haft. Die durch ihr brachiales Vorgehen verursachten Schäden sind beseitigt.

Etliche Schmuckstücke sind mittlerweile wieder im Grünen Gewölbe in Dresden ausgestellt.
© imago/Dittrich

Diebe hinterließen nur eine Münze

Keltischer Goldschatz. Im bayerischen Manching erbeuten Diebe am 22. November 2022 einen Goldschatz aus der Keltenzeit. Zunächst sorgen die Täter dafür, dass jeglicher Kommunikationsweg im Umfeld des Kelten-Römer-Museums unterbrochen wird, indem sie Glasfaserkabel durchtrennen. Dann hebeln sie zwei Türen und zwei Vitrinen aus Sicherheitsglas auf und entwenden die Goldmünzen, die rund um das Jahr 100 v. Chr. entstanden waren. Der reine Materialwert liegt zum Zeitpunkt des Diebstahls bei etwa 250.000 Euro, der Handelswert bei etwa 1,7 Millionen Euro. Eine einzige Goldmünze bleibt zurück. Sie war den Tätern entglitten.

Diesen Juli werden drei Männer wegen schweren Bandendiebstahls zu Gefängnisstrafen verurteilt. Von dem größten Teil der Beute fehlt bis heute jede Spur. Die Münzen dürften eingeschmolzen worden sein.

Die Münzen waren wie winzige Schälchen geformt.
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