Ukraine will vor dem dritten Kriegswinter besser ausgerüstet sein
Großbritannien ist derzeit stärkster Fürsprecher von stärkerer militärischer Unterstützung für die Ukraine. Die Koalition der Willigen konnte sich in London aber zuletzt nicht einigen. Die Angriffe Russlands ebben unterdessen nicht ab.
Kurz nach den von den USA erlassenen Sanktionen gegen Russland sieht ein Moskauer Top-Diplomat plötzlich Chancen auf ein schnelles Ende des Kriegs. „Ich glaube, Russland und die USA und die Ukraine sind tatsächlich ziemlich nah an einer diplomatischen Lösung“, sagte der Moskauer Sondergesandte für die Gespräche mit der Trump-Administration, Kirill Dmitrijew, in einem Interview mit dem US-Sender CNN.
Russischer Diplomat lobt Trump
Dmitrijew führte nicht näher aus, worin sich sein Optimismus begründet. Er lobte aber überraschend den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für dessen Aussage, die derzeitige Frontlinie als Basis für eine Friedenslösung zu akzeptieren. Bisher habe Kiew stets den Rückzug der russischen Truppen hinter die Grenzen gefordert, daher sei dies ein großer Fortschritt, meinte Dmitrijew. Zu welchem Entgegenkommen Moskau bereit ist, verriet er nicht.
Im Gespräch wurde Dmitrijews Bemühen deutlich, Trump zu schmeicheln. Er lobte ihn für die Waffenruhe im Gazastreifen und hob Trumps Politik von der seines Vorgängers Joe Biden ab.
Von Entspannung kann im russischen Angriffskrieg freilich noch keine Rede sein. Das russische Militär hat erneut Ziele in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit ballistischen Raketen angegriffen. Dabei wurden laut ukrainischen Angeben zwei Menschen getötet und 13 weitere verletzt. Zudem seien mehrere Brände ausgebrochen. „Diese Angriffe haben sich erneut gegen unsere zivile und energiebezogene Infrastruktur gerichtet“, sagt Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko auf X. Russland wolle mit dem Einsetzen des Winters eine humanitäre Katastrophe herbeiführen.
Ballistische Raketen im Einsatz
Bei russischen Angriffen in der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk wurden Behördenangaben zufolge mindestens zwei Menschen getötet. Sieben weitere Menschen seien bei den Drohnen- und Raketenangriffen verletzt worden, teilte der Chef der regionalen Militärverwaltung, Wladyslaw Gaiwanenko, mit. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat Russland bei der nächtlichen Attacke neben Dutzenden Drohnen auch neun ballistische Raketen eingesetzt.
Seit Jahresbeginn habe der Aggressor bereits fast 770 ballistische Raketen und mehr als 50 Marschflugkörper gegen sein Land geschossen. Während ballistische Raketen nur in der Startphase beschleunigt werden und dann in einem Bogenflug ins Ziel steuern, haben Marschflugkörper eingebaute Triebwerke, die ihnen erlauben, lange Zeit in geringer Höhe zu fliegen.
Zu wenig Unterstützung der EU
Über die militärische Unterstützung des Westens für die Ukraine ist erst am Freitag in London verhandelt worden, wo sich die Koalition der Willigen um Fortschritte bemühte. Mehr Waffen mit großer Reichweite und die Nutzung russischer Vermögenswerte zur Verteidigung der Ukraine: Der britische Premierminister Keir Starmer will das von Russland angegriffene Land vor dem Winter in eine möglichst starke Position bringen. Zuvor war der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit halbleeren Händen vom EU-Gipfel aus Brüssel nach London gereist. (APA, dpa)
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