Neue EU-Regeln bringen 2026 mehr Offenheit bei den Gehältern
Mehr als die Hälfte der Österreicher:innen spricht im Job nicht übers Gehalt. Eine „Allianz für Lohntransparenz“ will nun mehr Offenheit beim Thema. Die neue EU-Lohntransparenzrichtlinie soll ab kommendem Sommer jedenfalls für mehr Klarheit sorgen. Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern klafft noch immer weit offen.
Wer wie viel in einer Firma verdient, das wird nächstes Jahr transparenter werden – jedenfalls bei großen Betrieben. Die neue EU-Lohntransparenzrichtlinie muss bis Juni 2026 umgesetzt werden. Sie soll in den Betrieben eine offene Gesprächskultur über Geld, die volle Transparenz über alle Entgeltbestandteile und leicht zugängliche Infos zu Einkommen schaffen, forderte am Donnerstag eine „Allianz für Lohntransparenz Neu“ in Wien.
Mit an Bord sind AK, Städtebund, ÖGB und das Netzwerk Frauen- und Mädchenberatungsstellen. Zudem brauche es bereits im Bewerbungsprozess Transparenz über Gehälter. Verlangt wurde eine effektive Umsetzung der Richtlinie.
Da die Mehrheit der Arbeitnehmer:innen in Österreich in Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten arbeitet, soll es auch dort Zugang zu Einkommensberichten geben, hieß es. Berichtspflichten gibt es laut der EU-Richtlinie nur für Organisationen ab 100 Beschäftigten. Die vorgesehene Monitoringstelle für Arbeitgeber und Betriebsräte soll genug Ressourcen haben, um eine Servicestelle sein zu können.
Viel Schweigen über Gehälter
Aktuell würden 59 Prozent der Beschäftigten in ihrem Betrieb nicht über das Thema Gehalt sprechen, ergab eine von der Allianz in Auftrag gegebene Studie. Ein Drittel weiß nicht, was Kolleg:innen verdienen. Wird über das Einkommen gesprochen, so zu rund 81 Prozent mit Kolleg:innen, 34 Prozent reden darüber auch mit Vorgesetzten. Viele könnten nur vermuten, ob sie von Lohndiskriminierung betroffen sind, sagte die Leiterin der Frauen- und Gleichstellungspolitik in der AK, Eva-Maria Burger. Nur wenn Ungleichheiten aufgedeckt werden, könnten sie auch angesprochen und bekämpft werden, betonte ÖGB-Vizepräsidentin Christa Hörmann.
91 Prozent gaben in der Umfrage an, sich Informationen darüber zu wünschen, welche Überzahlungen es im Unternehmen gibt. 90 Prozent wollen, dass sich Führung und Management für gleiche Bezahlung von Männern und Frauen einsetzen, 79 Prozent ein Recht auf Informationen über das durchschnittliche Einkommen von Kolleginnen und Kollegen mit vergleichbarer Arbeit.
Frauen verdienen 18,3 Prozent weniger
Präsentiert wurde die Allianz im Vorfeld des bundesweiten Equal Pay Days am 2. November, der auf die geschlechterspezifische Lohnlücke aufmerksam macht. Bei ganzjährig Vollzeitbeschäftigten liegt sie bei 16,3 Prozent; zieht man hingegen die Bruttostunde und damit auch Teilzeitbeschäftigung heran, liegt sie bei 18,3 Prozent.
Lohntransparenz könne auch zur Gewaltprävention beitragen, sagte die Geschäftsführerin der Frauen- und Mädchenberatungsstellen, Sophie Hansal. Schließlich mache finanzielle Abhängigkeit Frauen verwundbar. Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger pochte auf weitere Maßnahmen wie eine gerechte Lohnentwicklung und beklagte die niedrigere Entlohnung in Gesundheit und Pflege, wo vor allem Frauen beschäftigt sind. (TT, APA)
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