Höhere Berufliche Bildung

Doppelimpuls für Fachkräfte startet durch

Als erste wurde jetzt die Höhere Berufsqualifikation „Technische Beratung für Energieeffizienz“ verordnet.
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David Narr, Fachkräftekoordinator der WK Tirol, über die neue Ausbildungsschiene HBB.

Mit der Höheren Beruflichen Bildung (HBB) gibt es seit 1. September 2025 eine gesetzliche Basis, die staatliche Abschlüsse in einem durchgängigen berufspraktischen Bildungssystem ermöglicht. Diese sind gleichwertig zu jenen Abschlüssen, die in einer berufsbildenden höheren Schule, einer Fachhochschule oder einer Universität angeboten werden. Soll heißen: Für höhere Bildungsabschlüsse muss nicht mehr in das schulisch-akademische Bildungssystem umgestiegen werden. Das ist besonders für Lehrabsolventen attraktiv.

Keine Abstriche mehr

„Mit der HBB ist uns ein positiver Ansatz in Richtung Gleichwertigkeit gelungen. Ein durchgängiges berufspraktisches Ausbildungssystem mit gleichen Chancen ohne Verlierer und Fokus auf die Bedürfnisse der Betriebe, Wirtschaft und anderer Bereiche der Gesellschaft“, betont David Narr, Fachkräfte, Fachkräftekoordinator der WK Tirol. Diese Qualifikationen und Abschlüsse der HBB werden sukzessive je nach Bedarf von den jeweiligen Branchen definiert und ins Leben gerufen. Als erste wurde jetzt die Höhere Berufsqualifikation „Technische Beratung für Energieeffizienz“ verordnet.

Daneben wird auch an der Entwicklung weiterer HBB-Qualifikationen gearbeitet, so u. a. in den Bereichen Heizungstechnik, E-Mobilität, Bauen und Sanieren, Tourismus oder Metalltechnik. „Durch die Durchgängigkeit der HBB gibt es keine Abstriche mehr. Man muss für einen höheren Bildungsabschluss nicht mehr ins schulisch-akademische System wechseln, sondern kann durchgängig auch höhere Qualifizierungen abschließen und ist damit praxisnah und perfekt auf anspruchsvollste Führungsaufgaben in den jeweiligen Branchen vorbereitet“, so Narr.

Durchgängiger Karriereweg

Die HBB bietet drei aufeinander aufbauende Abschlussstufen, die an den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) gekoppelt sind: die Höhere Berufsqualifikation (HBQ) auf NQR-Niveau 5, das Fachdiplom (FD) auf NQR-Niveau 6 und das Höhere Fachdiplom (HFD) auf NQR-Niveau 7. Die Zielsetzungen sind die Förderung von Fach- und Führungskarrieren für beruflich Qualifizierte und die Schaffung durchgängiger Karrierewege nach der Lehrabschlussprüfung. Sie soll zur gesellschaftlichen Aufwertung der Lehre beitragen, indem berufspraktische Abschlüsse wie Meister oder Ingenieur als gleichwertig zu akademischen Qualifikationen wahrgenommen werden.

„Themen wie ein zeitgemäßes Wording, freier Zugang zu wirtschaftsnahen Studiengängen sowie weitere Anpassungen bei der Meisterprüfung – hier haben wir ja schon einen Meilenstein erreicht – sind längst überfällig“, betont Fachkräftekoordinator Narr abschließend.

WK-Fachkräftekoordinator David Narr
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Interview: „Die neue Höhere Berufliche Bildung wird nachhaltige Wirkung entfalten“

Ist die Höhere Berufliche Bildung aus Ihrer Sicht eher eine Revolution oder mehr eine Evolution?

David Narr: Die Höhere Berufliche Bildung ist eindeutig eine Evolution, die sehr nachhaltige Wirkungen entfalten wird. Es ist nicht so, dass jetzt ein Schalter umgelegt wird, sondern vielmehr so, dass ab jetzt neue Qualifikationen und Berufsbilder geschaffen werden, die den Entwicklungen des Marktes entsprechen. Die HBB hat keine unmittelbare Sichtbarkeit wie etwa der Bau einer neuen Schule, aber sie wird über die Jahre unseren gesamten Standort prägen.

Wird diese Leuchtkraft auch auf den Schulsektor ausstrahlen?

Narr: Auf jeden Fall. Zu einem guten Teil sind die hohen Abbruchquoten in berufsbildenden Schulen und auch auf den Universitäten dadurch begründet, dass Jugendliche den schulisch–akademischen Weg wählen, obwohl sie für eine berufspraktische Bildung besser geeignet wären. Derartige Fehlentscheidungen sind für den Einzelnen unnötig frustrierend und lösen einen beträchtlichen volkswirtschaftlichen Schaden aus. Die deutliche Aufwertung des berufspraktischen Systems führt dazu, dass in Zukunft vermehrt, individuell „richtige“ Entscheidungen getroffen werden und so die Abbruchquoten sinken.

Worin liegt die wichtigste Funktion der HBB?

Narr: Sie ist ein hervorragendes Mittel zur Fachkräftesicherung. Es werden neue Qualifikationen und Berufsbilder entstehen, die den Anforderungen des Marktes entsprechen und zudem rasch angepasst werden können. Das sorgt dafür, dass sich die Kompetenzen unserer Mitarbeiter:innen stetig weiterentwickeln und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts steigt. Wir leben in einer Wissensgesellschaft und die HBB ist das geeignete Instrument, um unsere Fachkräfte punktgenau mit den benötigten Qualifikationen auszustatten.