Vier Hauben und viel Handwerk
Josef Mühlmann ist Haubenkoch. In allen Aspekten seines Lebens, und vor allem seiner Arbeit, steckt ein gutes Stück Handwerk.
Der Gannerhof in seiner heutigen Form, mit drei fast originalgetreuen, für Villgraten typischen Bauernhöfen auf dem Areal, entstand 1981. Die Geschichte des Hofs reicht 300 Jahre zurück. Heute ist der Gannerhof Gaststätte, mit zwei Hotels und insgesamt 80 Betten, und Haubenrestaurant. In den Zimmern und Stuben steckt vor allem eines: lokales, authentisches Handwerk. „Von den Zimmern bis zum Weinkeller ist fast alles von Handwerkern aus dem Tal gefertigt“, erklärt Josef Mühlmann. „Gut essen, trinken, schlafen.“ So lautet die Philosophie am Gannerhof. Seit 2003 kocht Mühlmann am elterlichen Hof, 2017 übernahm er den gesamten Betrieb. Feuerwehrmann, Rockstar oder doch Astronaut? Weil er sich als 15-Jähriger zwischen diesen Optionen nicht entscheiden konnte, legte ihm seine Mutter Monika, die lange selbst am Gannerhof in der Küche stand, eine Kochlehre ans Herz. Seine Küche ist heute mit vier Hauben dekoriert.
Einfach war die Lehrzeit nicht. Die Schulbank zu drücken, das war nie seines. Seine Freunde hatten am Wochenende frei, während er in der Küche stand. Aber: Die Arbeit an den Kochtöpfen, die machte ihm Spaß – und er war gut: „Ich war kreativ, sensibel und ein ‚Warum-Frager‘. Die Ausbildung hat meine Talente gefördert.“ Nach der Lehre absolvierte Josef Mühlmann den Zivildienst. Anschließend folgten Stationen im Ausland: In St. Anton am Arlberg, in St. Kassian in der Hubertusstube, mit dem Formel-1-Zirkus in Bahrain und bei Feinkost Käfer in München.
Zuhause in Villgraten
Durch die Erfahrungen im Ausland konnte er sein Handwerk auf ein neues Niveau heben. Diese Zeit zeigte ihm aber auch: Sein Zuhause und sein Arbeitsmittelpunkt, das sollten Villgraten und der Gannerhof sein. „Wir arbeiten mit dem, was wir haben. Wir haben keinen Wellnessbunker, die wunderschöne Natur vor der Türe, das ist Wellness! Wir haben auch keinen Pool, bei uns ist es acht Monate im Jahr kalt, also haben wir eine Sauna.“
Josef Mühlmann ist auf den umliegenden Wiesen und Wäldern unterwegs, sammelt dort Inspiration und Produkte für seine ausgezeichnete Küche. Das Getreide wird in der Hof-eigenen Mühle gemahlen. Sein Vater Alois stellt selbst Speck her. Eng wird mit lokalen Bauern zusammengearbeitet.
Aus dem Stand heraus
„Handwerk ist Leben“, ist Josef Mühlmann überzeugt. Selbstverständlich, betont er, werden in seinem Betrieb Lehrlinge ausgebildet. Als Geschäftsführer steht er mittlerweile seltener in der Küche. Das Kochen fehle ihm schon, gibt er zu: „Aber ich versuche, in Übung zu bleiben. Chef sein heißt auch, aus dem Stand heraus einen Teller auf höchstem Niveau rauszuhauen. Solange ich das noch kann, ist alles gut.“