Ein neuer Anlauf gegen die Klimakrise
30 Jahre nach dem ersten Klimagipfel in Rio und 10 Jahre nach jenem von Paris versucht die Welt einmal mehr, ein ambitioniertes Ziel für einen wirksamen Klimaschutz zu finden.
Von Montag an wird die Weltgemeinschaft zwölf Tage lang nach einem gemeinsamen Ziel zur Anpassung an den Klimawandel suchen, „Global Goal on Adaptation, GGA“ genannt. Und dabei wird, wie schon im Vorjahr bei der COP29, die Finanzierung der wesentliche Punkt sein.
Denn Katastrophen wie Wirbelstürme und Dürren nehmen infolge der Erderwärmung weiter zu – und dennoch stellen die reichen Industriestaaten ärmeren Ländern weiterhin nicht genügend Geld für die Anpassung an den Klimawandel bereit. Die Finanzierung halte mit dem Tempo der Klimakrise „nicht Schritt“, erklärte UNO-Generalsekretär António Guterres vor einer Woche bei der Veröffentlichung eines Berichts des UNO-Umweltprogramms (UNEP). Demzufolge hinken die Industriestaaten bei der Klimaanpassung weiter ihren eigenen Hilfszusagen hinterher.
Rekord-Emission 2024
Eine Herausforderung für den UNO-Klimagipfel in Brasilien besteht genau darin, bereits gemachte Versprechen in die Tat umzusetzen. Doch das Gegenteil passiert: Die USA – der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen – sind unter Präsident Donald Trump erneut aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen. Trotz der auf der UNO-Klimakonferenz 2023 vereinbarten Abkehr von fossilen Brennstoffen planen die USA und andere Länder, noch mehr Kohle, Öl und Gas zu fördern. Global erreichten die jährlichen Treibhausgasemissionen 2024 statt eines Rückgangs einen neuen Höchststand.
Die EU hatte zudem eine wichtige UNO-Frist verpasst. Die EU-Staaten einigten sich erst vergangenen Mittwoch auf ein Zwischenziel für 2035, das eine Emissionsminderung in einer Spanne von 66,25 bis 72,5 Prozent vorsieht. Die Zusagen des weltgrößten Klimaverschmutzers China enthalten zwar Verbesserungen, bleiben aber bewusst äußerst vage.
Trotz solcher Rückschritte hält die ehemalige UNO-Klimachefin Patricia Espinosa die COP-Gipfel nach wie vor für „absolut notwendig“, um die Länder zusammenzubringen und sie für ihr Handeln – oder ihre Untätigkeit – zur Rechenschaft zu ziehen. „Ich glaube nicht, dass es einen anderen Weg gibt, einer so großen Bedrohung für die Menschheit zu begegnen“, sagte sie kürzlich bei Klimagesprächen in Deutschland.
Auch der Wald wird bei der COP30 im Zentrum stehen, schon allein deswegen, weil Gastgeber Brasilien bereits im Vorfeld des Klimagipfels das Projekt „Tropical Forest Forever Facility (TFFF)“ als Finanzierungsmodell für den Tropenwaldschutz angeteasert hat. Greenpeace Österreich sah es ebenfalls als zentral an, dass es in Belém zu einem „starken Bekenntnis der Staatengemeinschaft zum Schutz der Wälder“ kommen solle.
Erfolg bei Erneuerbaren
Die wohl bedeutendste Entwicklung im Kampf gegen den Klimawandel ist der Ausbau erneuerbarer Energien – der schon lange vor Paris begann. Laut einer neuen Studie der britischen Nichtregierungsorganisation Energy & Climate Intelligence Unit ist der Anteil erneuerbarer Energien in den vergangenen zehn Jahren deutlich schneller gewachsen, als von zahlreichen Beobachtern prognostiziert: um 41 Prozent bis Ende 2024.
Aufbauend auf den Innovationen aus Europa und den USA übernahm China in den 2000er-Jahren die Führung im Bereich der erneuerbaren Energien. Diese enormen Investitionen machen sich nun bezahlt – mit einem massiven Ausbau in der Volksrepublik, der 2024 ganze 60 Prozent der weltweit neu installierten Solarkapazität ausmachte.
Auch Europa bemüht sich, aufgeschreckt durch die Energiekrise nach Russlands Überfall auf die Ukraine, seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden. Einige Entwicklungsländer treiben die Energiewende mit der günstiger gewordenen chinesischen Technologie in rasantem Tempo voran. (TT, APA)
Klimakonferenzen nur noch Symbolpolitik?
Die vergangenen beiden UNO-Klimakonferenzen haben sowohl mit ihren Gastgebern Dubai und Aserbaidschan, den zahlreich auftretenden Lobbyisten wie auch einem jeweils eher schwachen Output am Ende für Kritik und Enttäuschung gesorgt. Rufe nach einer grundsätzlichen Reform der Klimagipfel gab es aber immer wieder, ob dies nun die Finanzierungsfrage betrifft oder gleich das ganze Setting der COP, die laut Kritikern längst in der „Sackgasse der Symbolpolitik“ steckt.
Eine „politische Ritualisierung“ der jährlichen COPs kritisierten die beiden Politikwissenschafter Fariborz Zelli und Steffen Bauer. Diese Ritualisierung führe am Ende der Konferenzen zu „oberflächlichen, schwachen Kompromissen“. Sie sähen in „kleineren, häufigeren und lösungsorientierten Verhandlungsrunden“ einen Weg aus der „Sackgasse der Symbolpolitik“, wie das bereits bei der UNO-Biodiversitätskonferenz 2024 geschehen sei. Die Erfahrung zeige, dass „fokussiertere Formate oft mehr bewegen als hochinszenierte Gipfel“, folgern die beiden Autoren.
Trotz aller Schwierigkeiten, zu einer internationalen Einigung zu kommen, seien die COP-Formate enorm erfolgreich, lautet hingegen die Meinung von WWF-Klimasprecher Reinhard Uhrig. Ohne das Pariser Abkommen und die dadurch ausgelösten nationalen Strategien und Maßnahmen wäre die Erde noch viel weiter vom Klimaschutz-Kurs entfernt.
Die Politologin Alina Brad von der Uni Wien verweist allerdings auch auf die enorme Kluft zwischen politischen Zusagen und realer Emissionsminderung. Dies auch, „weil hinter den Kulissen viele fossile Unternehmen und Staaten sowie deren Verbündete und Lobbys die Komplexität der Verhandlungen ausnutzten, um Fortschritte zu verzögern“. Aber Orte des Verhandelns aufzugeben, sei auch keine Alternative. (TT, APA)