Mysteriöse Drohnen jetzt auch über Kernkraftwerk gesichtet
NATO-Partner schicken Verstärkung nach Belgien. Deutscher Verteidigungsminister Pistorius sieht einen russischen Einschüchterungsversuch.
Brüssel – Die Flughäfen von Brüssel und Lüttich; eine von der NATO genützte Basis, auf der auch Atomwaffen lagern sollen; der Hafen von Antwerpen – und jetzt auch das AKW Doel: Mysteriöse Drohnen über kritischer Infrastruktur halten Belgiens Sicherheitsbehörden auf Trab.
Die jüngste Sichtung wurde am Sonntagabend gemeldet. Fünf Drohnen hielten sich etwa eine Stunde im Luftraum über dem AKW Doel auf, teilte der Betreiber Engie mit. Das Kraftwerk liegt in der Nähe von Antwerpen. Die Drohnen-Sichtung habe keine Auswirkungen auf den Betrieb der Anlage, versicherte eine Engie-Sprecherin.
Laut dem Energieexperten Luc Pauwels bestand kein Sicherheitsrisiko: „Die Reaktoren sind so konstruiert, dass sie dem Aufprall von Flugzeugen standhalten, von kleinen Flugzeugen bis hin zu großen Passagierjets, sodass Drohnen keine strukturelle Gefahr darstellen.“ Allerdings wurde klar gegen das Flugverbot im Bereich des AKW verstoßen.
Die belgischen Behörden befinden sich schon länger im Krisenmodus. Drohnen-Sichtungen hatten in den Tagen zuvor zu Störungen im Flugverkehr geführt. Außerdem ist in Belgien der Sitz der NATO und der EU, was der Angelegenheit automatisch eine internationale Dimension verleiht.
„Plausibler Verdächtiger“
Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben bereits Ausrüstung und Spezialisten für die Drohnenabwehr nach Belgien geschickt.
Wer die Drohnen steuert, war bis Montag unklar. Die belgische Regierung hielt sich jedenfalls mit Schuldzuweisungen zurück. Aus Sicherheitskreisen hieß es aber, Russland sei ein plausibler Verdächtiger, wie Politico berichtete.
So sieht es auch der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius. Er wertet die Drohnen als russischen Einschüchterungsversuch im Streit über eingefrorenes russisches Staatsvermögen, berichtete die Zeit. Der Großteil des eingefrorenen Vermögens in Belgien lagert beim Finanzdienstleister Euroclear. Pistorius meint, dass die Drohnen für Verunsicherung sorgen sollen, damit sich Belgien weiterhin dagegen sperrt, das russische Vermögen für die Ukraine-Hilfe freizugeben.
Immer weiter nach Westen
Belgien ist aber nicht das einzige betroffene Land. Zuvor hatte es in mindestens neun anderen NATO-Ländern solche Drohnen-Sichtungen gegeben, örtlich kam es auch zu Störungen im Flugverkehr.
Dabei zeigt sich laut SRF eine Verschiebung nach Westen. Es begann in Ländern, die von Russland oder Weißrussland aus erreichbar sind. Dann gab es Drohnen-Sichtungen in Skandinavien, in Mitteleuropa und zuletzt auch in Westeuropa. Experten gehen davon aus, dass die Drohnen von Schiffen gestartet wurden. (TT, APA, dpa)
Kommentare