„Es darf geschlürft werden“
Ob Seelenwärmer oder Erfrischer - Tee erfreut sich seit Jahrtausenden großer Beliebtheit. Einst wurde er sogar als Zahlungsmittel verwendet.
Regen klatscht an die Scheibe, kalter Wind peitscht orange Blätter durch die Luft – doch die Stimmung im Wohnzimmer könnte kaum besser sein. Dem dampfenden, natürlichen Stimmungsaufheller in der Tasse sei Dank. Darin treibt nicht nur ein Beutel Kräuter, sondern ein Stück Weltgeschichte. Wurde Tee doch bereits vor tausenden Jahren in China genossen.
Dessen Effekt ist unverändert. Die Namen wurden kreativer. Neben konservativer Kamille entfaltet etwa „Almgaudi“ ihre Aromen von Hibiskus, Apfel und Hagebutte. In den Räumen des Unternehmens Teekanne wird daran emsig geschlürft.
Ja, richtig gelesen – wahre Kenner nippen nicht adrett an ihren Tassen, sondern schlürfen. „Durch das Einsaugen gelangt Luft in den Mund und Aromen können sich optimal entfalten, ähnlich wie bei Wein“, schildert Thomas Göbel, Teekanne-Geschäftsführer von Österreich und Osteuropa. Dessen ausgebildete Teeverkoster achten bei der Qualitätssicherung nicht nur auf Aromen: „Hochwertigen Tee erkennt man auch am natürlichen Duft, der Klarheit, der gleichmäßigen Blattstruktur und am Geschmack.“
Tee richtig zubereiten
Frisches Wasser enthält mehr Sauerstoff, was sich positiv auf das Aroma auswirkt. Der entflieht wiederum bei jedem Aufkochen, darum sollte die Wassertemperatur nicht zu hoch sein.
Zieht Tee zwei bis drei Minuten, löst sich vor allem Koffein, was anregend wirkt. Zieht er länger, sinkt dessen Anteil und Tee wird beruhigender.
Teekanne-Geschäftsführer Thomas Göbel, der Zutaten aus Anbaugebieten wie Kenia und Indien bezieht, rät, weniger auf die Stoppuhr zu achten und den Moment zu genießen: „In Indien etwa wird die Teezubereitung wie ein kleines Ritual mit Hingabe, Achtsamkeit und Freude zelebriert. Genau das können wir uns auch hierzulande abschauen. Wenn man sich bei der Teezubereitung ganz bewusst ein paar Minuten Zeit nimmt, das heiße Wasser einschenkt, den Duft wahrnimmt und den ersten Schluck wirklich genießt, wird aus einem Alltagsmoment ein kleines Stück Entschleunigung. Denn auch kleine, bewusst genossene Teepausen tun Körper, Geist und Seele gut – Schluck für Schluck.“
Eine Milliarde Teebeutel pro Jahr
Die würzigen Zutaten für die Milliarde Teebeutel, die Teekanne jährlich produziert, werden aus 50 Ländern bezogen. „Insgesamt verarbeiten wir rund 300 verschiedene Rohstoffe von mehr als 150 Lieferanten. Hochwertige Rohwaren sind die Grundlage für hervorragenden Tee. Dafür braucht es viel Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Hingabe im Anbau. Mit vielen unserer Partnerbetriebe verbindet uns eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit“, erklärt der gebürtige Zillertaler.
Einst diente Tee sogar als Zahlungsmittel. Für zwölf daraus gepresste Ziegel bekam man in Teilen Asiens ein Schaf. Eine Währung, die man auch genießen kann? Eigentlich keine schlechte Idee.