Nationale Krise

Stauseen ausgetrocknet: Im Iran muss das Wasser rationiert werden

Ein öffentlicher Brunnen in Teherans Mellat-Park. Über Nacht fließt im Großteil der iranischen Hauptstadt kein Wasser mehr durch die Leitungen.
© AFP/Kenare

Der Iran gehörte bereits zu den trockensten Ländern der Welt. Doch inzwischen fällt immer noch weniger Regen.

Teheran – Der Wassermangel im Iran hat mittlerweile dramatische Ausmaße angenommen. Schon im Sommer hatte die Regierung überlegt, Schulen, Universitäten und Behörden in der Hauptstadt Teheran eine Woche lang zu schließen, um den Wasser- und Stromverbrauch zu reduzieren. Drei Stauseen, die als Trinkwasserreservoirs dienen, waren bereits im September ausgetrocknet. Seither hat sich die Situation weiter verschärft.

In Teheran sowie in den zentralen Provinzen ist das Wasserniveau vieler Stauseen demnach bereits auf das so genannte „tote Volumen“ gesunken – jenes Wasserreservoir, das nicht mehr nutzbar ist. Auch die unterirdischen Grundwasserspeicher des Landes seien infolge übermäßiger Entnahme von völliger Austrocknung bedroht. Demnach drohe dem Land schon bald der völlige Zusammenbruch der Reserven und eine „verheerende Dürre“.

Wasser nachts abgestellt

In mehreren Teilen des Landes, darunter auch die Millionenmetropole Teheran, wird abends das Wasser abgestellt und erst am nächsten Morgen wieder aufgedreht. In größeren Wohnkomplexen haben Behörden die Bewohner bereits dazu aufgefordert, Wasser in Badewannen und Behältern zu speichern. Die abendliche Wasserabstellung bis zum nächsten Morgen hat in mehreren Stadtteilen Teherans bereits begonnen. Das Speichern von Wasser gehört inzwischen zum Alltag, besonders für die Toilettenspülung.

Evakuierung Teherans?

Irans Präsident Massud Peseschkian warnte diese Woche vor einer drastischen Rationierung der Wasserversorgung, sollte es bis Dezember keinen Regen geben. Im Falle einer anhaltenden Trockenperiode erwäge er sogar eine Evakuierung der Hauptstadt Teheran mit rund 15 Millionen Einwohnern.

Die Verlegung der Hauptstadt würde Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, da alle zentralen Behörden sowie die Arbeitsplätze der Mehrheit der Bevölkerung in Teheran liegen.

Kritiker werfen dem islamischen System des Landes vor, in den vergangenen Jahren nationale Einnahmen in regionale Konflikte gesteckt zu haben, anstatt sie in die grundlegenden Bedürfnisse der Bevölkerung – etwa in alternative Wasserversorgungssysteme – zu investieren. Angesichts der anhaltenden Wasserkrise wird zunehmend spekuliert, dass es im Land zu landesweiten Protesten und sozialen Unruhen kommen könnte. (TT, dpa)