Einen Schatz muss man hüten

Wo Zeitmesser wohnen

Eine gute Uhrenbox am richtigen Standort schützt gerade nicht getragene Uhren vor Beschädigungen.
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Eine Uhr für den Sport, eine edle für den Abend und ein Erbstück – oder eine ganze Sammlung. Auch Uhren, die man gerade nicht trägt, sollte man gut behandeln.

Uhren sind dazu gemacht, getragen zu werden. Aber eben nicht alle zugleich. Eine gute Uhrenbox schützt nicht getragene Zeitmesser zuverlässig vor Staub, Feuchtigkeit und Kratzern. Wichtig ist vor allem ein konstanter, trockener Aufbewahrungsort ohne direkte Sonneneinstrahlung und ohne große Temperaturschwankungen, betont Sebastian Stürzl, Uhrmachermeister bei Juwelier Dallinger in Innsbruck.

Die Box sollte weich ausgekleidet sein, damit die Uhren sicher liegen und sich nicht gegenseitig berühren. In sehr feuchten Umgebungen empfiehlt sich ein kleiner Silikagelbeutel, der überschüssige Feuchtigkeit aufnimmt. Von Vorteil ist eine leichte Luftzirkulation – besonders bei Lederbändern, die nach dem Tragen kurz „auslüften“ sollten, bevor sie in die Box kommen.

Vorsicht vor Magnetfeldern

Am besten steht die Box also schattig, trocken und ruhig, fern von Fenster und Heizung. Wichtig ist aber auch, sie abseits von Magnetfeldern und elektronischen Geräten aufzustellen. Das ist laut Stürzl ein Thema, das oft unterschätzt wird: Magnetfelder sind allgegenwärtig – in Handyhüllen, Lautsprechern, Laptops, Induktionskochfeldern oder Taschenverschlüssen. Schon moderate Magnetfelder können den Gang einer mechanischen Uhr verändern, starke Felder sie sogar zum Stillstand bringen.

„Einige moderne Werke sind dank spezieller Materialien oder METAS-Zertifizierung bis zu 15.000 Gauss resistent gegen Magnetfelder – ein klarer Vorteil im Alltag“, weiß Stürzl. „Dennoch sollte man Uhren möglichst nicht direkt auf elektronische Geräte legen oder in der Nähe starker Magnetquellen aufbewahren.“ Eine abschließbare Box – oder auch ein kleiner Tresor bei größeren Uhrensammlungen – können zusätzlichen Schutz bieten.

Das Uhrwerk in Schuss halten

Ein Uhrenbeweger ist vor allem bei Automatikuhren praktisch, die nicht täglich getragen werden. Er hält das Werk in Bewegung, damit Öle gleichmäßig verteilt bleiben und die Uhr jederzeit einsatzbereit ist. Wichtig ist, dass der Beweger genau einstellbar ist – sowohl in der Drehrichtung als auch in der Anzahl der Umdrehungen pro Tag. So wird das Uhrwerk weder überbeansprucht noch zu wenig bewegt.

Ein gutes Gerät muss keine 1.000 Euro kosten. Entscheidend sind eine präzise Einstellung und ein gleichmäßiger Lauf. „Für die meisten Anwendungen reicht ein qualitativ solider Beweger im mittleren Preisbereich völlig aus“, findet Uhrmachermeister Sebastian Stürzl.

Vor dem Einlagern darf die Uhr ruhig etwas gepflegt werden. Leichte Verschmutzungen lassen sich mit lauwarmem Wasser und einer weichen Zahnbürste entfernen. Wenn das nicht reicht, kann etwas milde Flüssigseife helfen. Metall- oder Kautschukbänder dürfen ebenfalls so gereinigt werden – Lederbänder hingegen nicht, da Feuchtigkeit sie beschädigen kann.

Wichtig ist, dass Krone und Drücker während der Reinigung fest verschraubt sind und nicht betätigt werden, sonst kann Wasser ins Werk gelangen. Anschließend wird die Uhr mit einem weichen Tuch gut abgetrocknet. Man sollte sie vollständig trocknen lassen, bevor sie in die Box kommt. Wer unsicher ist, lässt die Reinigung lieber vom Fachmann durchführen – einmal zu viel kontrolliert ist besser als ein Wasserschaden. Wartungen und Öffnungen sollten grundsätzlich nur von zertifizierten Servicecentern vorgenommen werden.

Uhren achtsam tragen: Ein besonderes Schmuckstück kommt nur bei besonderen Anlässen ans Handgelenk.
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Aufpassen beim Tragen

„Ein verantwortungsvoller Umgang ersetzt teure Reparaturen und sorgt dafür, dass die Uhr noch viele Jahre Freude bereitet“, sagt Stürzl. Das gilt natürlich auch für die Uhr, die gerade in Verwendung ist. Um Gehäuse und Glas möglichst frei von Kratzern zu halten, gibt es mittlerweile passgenaue Schutzfolien für viele Modelle – besonders bei teuren Uhren ist das verlockend. Stürzl findet es jedoch „schade, eine schöne Uhr komplett einzupacken“. Wer sie achtsam trägt und beim Sport, bei der Gartenarbeit oder handwerklichen Tätigkeiten ablegt, sei in der Regel gut geschützt.

Sollte dennoch einmal etwas passieren, wird die Uhr bei der ohnehin alle sieben bis zehn Jahre empfohlenen kompletten Revision meist auch äußerlich aufgearbeitet: Politur und Schliff werden erneuert, kleine Schäden beseitigt. Sonneneinstrahlung und Hitze werden dann problematisch, wenn die Uhr über längere Zeit in der prallen Sonne liegt – zum Beispiel auf dem Handtuch am Pool oder auf dem Armaturenbrett im Auto. Dort können sich Temperaturen weit über 50 °C entwickeln, was Dichtungen und Schmierstoffen stark zusetzt. Auch starke UV-Strahlung kann auf Dauer Zifferblatt und Zeiger verfärben.

Für den Verlustfall rüsten

Auch bei größter Vorsicht kann eine Uhr einmal verloren gehen oder gestohlen werden. Daher lohnt es sich, vorbeugend einige Fotos der Uhr zu machen – am besten von Zifferblatt, Gehäuseboden und Seriennummer. Diese Aufnahmen helfen im Verlustfall nicht nur der Polizei, sondern auch bei der Versicherungsmeldung oder Wiedererkennung, falls die Uhr später auftaucht.

Ebenso sinnvoll ist es, Kaufbelege, Garantiekarten und Serviceunterlagen geordnet aufzubewahren. Bei sehr wertvollen Stücken kann eine Wertbestätigung vom Gutachter hilfreich sein – besonders für Versicherungszwecke. Ein paar Minuten Dokumentation können im Ernstfall viel Ärger ersparen.

Stichwort Kälte bzw. Temperaturschwankungen: Kritisch sind vor allem schnelle Temperaturwechsel – etwa, wenn man aus der Kälte ins Warme kommt. Das ständige Ausdehnen und Zusammenziehen der Materialien belastet die Dichtungen, was langfristig die Wasserdichtigkeit beeinträchtigen kann. Besonders bei regelmäßigem Kontakt mit Wasser oder Feuchtigkeit (Duschen, Schwimmen, Sauna) ist Vorsicht geboten. Von Saunagängen mit der Uhr rät Stürzl grundsätzlich ab.

Nach etwa zwei Jahren sollte die Uhr auf ihre Dichtungen überprüft werden. Wer sie häufig Temperaturunterschieden aussetzt, sollte kürzere Serviceintervalle einplanen. Im Fall lieber einmal öfter, denn eine Wasserdichtigkeitsprüfung ist immer nur eine Momentaufnahme. „Selbst eine kürzlich geprüfte Uhr kann nach einem Stoß auf Krone oder Drücker undicht werden“, gibt Stürzl zu bedenken. „Schon kleinste Undichtigkeiten können dazu führen, dass Feuchtigkeit ins Werk gelangt – und das bedeutet oft einen teuren Schaden.“