Erfolgreiche Drogenarbeit

30 Jahre Komfüdro: „Das Schönste ist, wenn wir jemand nicht mehr sehen“

Bischof Hermann Glettler sprach beim Festakt zu Ehren des „Komfüdro“.
© Axel Springer

Seit drei Jahrzehnten bietet das „Komfüdro“ in Innsbruck einen sicheren Ort für Menschen mit Suchterkrankungen. Die niederschwellige Einrichtung feierte nun ihr Jubiläum mit einem Rückblick auf ihre Pionierarbeit.

Innsbruck – Als 1995 in Innsbruck das „Kommunikationszentrum für DrogenkonsumentInnen“ eröffnet wurde, um Menschen mit Suchtproblemen helfen zu können, gab es auch Gegenwind. Manche saßen dem Fehlglauben auf, dass dort gedealt und konsumiert werde. Das damals revolutionäre Konzept sah hingegen schlicht vor, zu akzeptieren, dass eine Abstinenz nicht immer möglich ist. Nun hat das „Komfüdro“, das inzwischen als unverzichtbare Institution im niederschwelligen Bereich gilt, mit einem Festakt seinen 30. Geburtstag gefeiert.

Von der Caritas, die das Zentrum betreibt, gratulierten vor Ort Direktorin Elisabeth Rathgeb, auch Bischof Hermann Glettler und Vizebürgermeister Georg Willi kamen zum Festakt zu Ehren des „Komfüdro“.

Das Komfüdro ist ein Bindeglied zwischen der Mehrheitsgesellschaft und jenen, die oft übersehen werden.
Dominik Ziegler, „Komfüdro“

„Das ,Komfüdro‘ ist ein Bindeglied zwischen der Mehrheitsgesellschaft und jenen, die oft übersehen werden“, erklärt Dominik Ziegler vom Leitungsteam der Mentlvilla. Gemeinsam mit Matthias Waldhart führt er das multiprofessionelle Team, das täglich mit Menschen arbeitet, die nicht nur mit Sucht kämpfen, sondern auch mit Armut, Wohnungslosigkeit, Ausgrenzung und Traumata.

Ein zentrales Angebot ist der Spritzentausch. Die drogenkonsumierenden Menschen können in der Mentlvilla ihre gebrauchten Spritzen gegen neue tauschen, der Konsum ist in den Räumen der Mentlvilla allerdings nicht gestattet. „Jede Spritze, die nicht auf der Straße landet, stellt keine Gefahr dar. Durch die Ausgabe von sterilem Spritzbesteck können die Verbreitung von Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis eingedämmt und gesundheitliche Risiken minimiert werden“, sagt Waldhart. Auch medizinische Kontakte werden vermittelt, etwa zur Drogenambulanz oder zu Entzugs- und Therapieeinrichtungen. „Das Schönste ist manchmal sogar, wenn wir jemanden nicht mehr sehen – weil er es geschafft hat.“ (TT.com)

Infos zur Mentlvilla

Das Komfüdro befindet sich in der Mentlgasse 20 – in der Mentlvilla, die auch eine Notschlafstelle für wohnungslose Erwachsene mit Suchterkrankungen beherbergt. Hier

Der Alltag im ,Komfüdro‘ dreht sich um grundlegende Bedürfnisse: Duschen, Wäsche waschen, warme Mahlzeiten. Montags bis freitags (außer mittwochs) können Besucher zwischen 11 und 14 Uhr diese Angebote nutzen. Dazu kommen psychosoziale Beratung und der wichtige Spritzentausch.

Donnerstags von 14 bis 15 Uhr ist das Komfüdro ausschließlich für Frauen geöffnet – ein geschützter Raum, um zur Ruhe zu kommen und Unterstützung zu erhalten.

Die Mentlvilla bietet Zimmer für bis zu sechs Monate – durchschnittlich bleiben die BewohnerInnen vier Monate. Die Auslastung liegt bei 96 Prozent.

Bilder vom Festakt

Caritas-Direktorin Elisbeth Rathgeb

© Axel Springer

Bischof Hermann Glettler

© Axel Springer

© Axel Springer

Die Mentlvilla

© Axel Springer

Der Spritzentausch ist ein zentrales Angebot.

© Christian Palfrader