Zuerst Freispruch nach Sex mit 12-Jähriger, jetzt wegen Raubverdachts in U-Haft
Zwei junge Männer sollen im Juni in einer Garage in Wien einen Überfall begangen haben. Im Prozess um sexuelle Kontakte waren sie gemeinsam mit acht weiteren Burschen rechtskräftig freigesprochen worden.
Erst vor einer Woche war bekannt geworden, dass die Freisprüche für zehn Burschen bzw. junge Männer nach sexuellen Kontakten mit einer Zwölfjährigen rechtskräftig sind. Die Staatsanwaltschaft Wien hatte auf Einsprüche verzichtet. Zwei Burschen im Alter von 21 und 17 Jahren droht aber bereits der nächste Prozess: Sie sollen Anfang Juni in einer Garage in Wien einen Raubüberfall begangen haben. Seit Samstag sitzen sie in Untersuchungshaft, bestätigte der Anwalt des Jüngeren.
Offenbar betrug die Beute bei dem Überfall 3000 bis 4000 Euro. Die Auswertung der DNA-Spuren am Tatort löste Treffer in der Datenbank der Polizei aus und führte zu den zwei Verdächtigen.
Diese wurden daraufhin festgenommen. Am Samstag verhängte das Landesgericht Wien Untersuchungshaft wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr, bestätigte Gerichtssprecherin Christina Salzborn.
Umstrittene Freisprüche
Ein Zusammenhang mit dem aufsehenerregenden Fall um das Mädchen besteht offenbar nicht. Der Missbrauchsprozess gegen insgesamt zehn Personen fand im September statt – also nach dem mutmaßlichen Raubüberfall, der dem Duo jetzt vorgeworfen wird. Zwei Angeklagten war geschlechtliche Nötigung vorgeworfen worden, allen zehn die Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung.
Die Freisprüche hatten für heftige Reaktionen und politische Debatten gesorgt. Der vorsitzende Richter wurde im Internet mit Empörung und Unmut konfrontiert. Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) nahm die Urteile zum Anlass, eine Verschärfung des Sexualstrafrechts zu prüfen. (TT, APA)