Europäischer Mediengipfel erstmals in Seefeld: Von Fake News bis Künstliche Intelligenz
Seefeld ist von 4. bis 6. Dezember erstmals Schauplatz des Europäischen Mediengipfels. Die Forderung zentraler Akteure bei einer Programmvorschau: Trotz komplexer Probleme ins Tun kommen.
Seefeld – Unter dem Motto „Mehr Freiheit wagen – Europa zwischen Aufbruch und Rückschritt“ findet der 17. Europäische Mediengipfel von 4. bis 6. Dezember heuer erstmals in Seefeld in Tirol statt. Die Veranstaltung soll u.a. dazu dienen, von der schlichten Analyse aktueller Herausforderungen – über Fake News bis zu den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz und geopolitischen Spannungen – auch ins Tun zu kommen, hieß es bei einer Programmvorschau im Wiener Hotel Sacher am Samstag.
„Wir erleben alle gerade diese Phase der tiefen Ungewissheit – wie lange werden unsere liberalen Demokratien standhalten? Werden wir zwischen den großen Mächten China und Russland zerrieben? Und zunehmend: Sind die USA noch unsere Verbündeten?“, fasste Susanne Glass, Ressortleiterin Ausland und politischer Hintergrund des Bayerischen Rundfunks und Mitinitiatorin des Mediengipfels, die großen Themen zusammen, die man konstruktiv und im Hinblick auf konkrete Lösungen diskutieren möchte.
Social Media: Zwischen Regulierung und Innovation
Medienbranche und Gesellschaft befinden sich im Umbruch, analysierte APA-CEO Clemens Pig. Die Künstliche Intelligenz (KI) sei drauf und dran, menschliche Vernunft im Sinne einer „dunklen Aufklärung“ abzulösen. Neben der Gewaltenteilung stünden in Demokratien mit Wissenschaft und Medien zwei zentrale Systeme im Dienste der Vernunft. Die Medienbranche sei in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, während gleichzeitig die Produktion von Fake News durch KI mit maximaler Effizienz hochgetrieben werden kann.
In diesem Kontext nannte Pig drei konkrete politische Handlungsvorschläge: So brauche es einen Jugendschutz auf Social-Media-Plattformen, der den strafrechtlichen Bedingungen in der „analogen Welt“ entspricht. Außerdem sollten sie bei den verbreiteten Inhalten denselben Haftungsrichtlinien wie klassische Medien unterliegen. „Denn die Plattformen sind nicht nur technische Datenautobahnen“, erklärte Pig. Zuletzt müssten sie „fair und ganz normal“ besteuert werden.
„Es kann aber auch nicht die Antwort sein, nur zu regulieren. Als Medienbranche müssen wir aus uns heraus Lösungen finden. Dazu zählt es etwa, einen europäischen Wissensraum als redaktionelles soziales Medium in der neuen KI-Informationsgesellschaft zu etablieren“, so Pig.
Internationale Perspektiven – und einem Blick ins All
„Als Region im Herzen Europas wollen wir einen Beitrag als Brückenbauer leisten und qualitativ hochwertigen Austausch über Grenzen hinweg fördern“, freute sich Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) über den Zuzug des Mediengipfels.
Auf dem Programm stehen rund 20 Paneldiskussionen mit 70 Persönlichkeiten aus Medien, Politik, Wissenschaft und Kultur. Zu diesen zählen u. a. der US-Medienexperte Jeff Jarvis, ORF-Anchor Armin Wolf, Guardian-Journalist Luke Harding und die belarussische Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja.
Zum Abschluss des Forums wird der gebürtige Tiroler und Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Josef Aschbacher, den Wettlauf im Weltall thematisieren. „Wie in der Geopolitik tut sich auch im Weltraum sehr viel. Die USA könnten mit einem stark reduzierten NASA-Budget als vertrauter Partner fragwürdig werden“, so Aschbacher. Europa müsse sich deswegen auf eigene Stärken wie das Erdbeobachtungsprogramm Kopernikus besinnen und im Bereich der Sicherheit Kapazitäten aufbauen.
Die 17. Ausgabe des Europäischen Mediengipfels wird von der Agentur ProMedia Kommunikation gemeinsam mit der Auslandspresse in Wien organisiert und steht unter der Schirmherrschaft des österreichischen Außenministeriums. Die Tiroler Tageszeitung ist Partnerin. Zum ersten Mal wird die Veranstaltung heuer im Rahmen eines Ticketverkaufs auch öffentlich zugänglich sein. (APA)