Bauernbund fordert faire Preise und bessere Rahmenbedingungen
Bei der Herbstkonferenz des Tiroler Bauernbundes in Schlitters standen die Zukunft der Berglandwirtschaft, faire Erzeugerpreise und die Bedeutung regionaler Lebensmittelproduktion im Mittelpunkt.
Die Veranstaltung im vollbesetzten Saal in Schlitters bot dieses Jahr eine Neuerung: Im Rahmen des Bauernbund-Strategieprozesses konnten die Teilnehmer erstmals anonym Fragen über ein Online-Tool einreichen. Diese Möglichkeit wurde rege genutzt und bereicherte die Diskussionen, die bis in die späten Abendstunden andauerten.
Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler betonte in seinem Vortrag den wirtschaftlichen Mehrwert der heimischen Landwirtschaft: "Unsere Bauernfamilien sind keine Bittsteller, sondern Leistungsträger. Sie sichern Lebensmittel, Arbeitsplätze und Regionen." Jeder in die Landwirtschaft investierte Euro komme mehrfach in die Regionen zurück und stärke Entwicklung, Tourismus und Klimaschutz.
Zur aktuellen Diskussion um die Novelle des Jagdgesetzes erklärte Geisler: "Der schnelle Verordnungsweg wird verbessert, doch wir müssen gemeinsam mit der Jägerschaft die Jagd auf den Wolf optimieren." Trotz gültiger Verordnungen in mehreren Regionen sei heuer kein Wolf erlegt worden.
Nur vier Prozent des Lebensmittelpreises für Erzeuger
Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger sprach die prekäre Preissituation für landwirtschaftliche Produkte an. "Die aktuelle Preisdebatte demotiviert unsere Erzeuger und drückt die Erzeugerpreise", kritisierte er. Für eine gesicherte Versorgung seien faire Preise und verlässliche Rahmenbedingungen unerlässlich.
Mit einer ernüchternden Zahl verdeutlichte Hechenberger die Situation: "Von 100 Euro für Lebensmittel kommen nur 4 Euro bei den Erzeugern an." Seine Warnung fiel deutlich aus: "Wer unsere Selbstversorgung gefährdet, gefährdet ein Stück Unabhängigkeit."
Berglandwirtschaft braucht Unterstützung
Bezirksbauernobmann Hannes Partl richtete den Fokus auf die besonderen Herausforderungen der Berglandwirtschaft im Bezirk Schwaz. "Die neue GAP muss sicherstellen, dass unsere produzierenden bäuerlichen Betriebe im Berggebiet ausreichend und verlässlich abgesichert bleiben", forderte er mit Blick auf die kommende Förderperiode der gemeinsamen Agrarpolitik.
Ohne entsprechende Unterstützung könnten weder die bäuerlichen Familien bestehen, noch die Kulturlandschaft erhalten werden. "Wer die Zukunft der Tiroler Landwirtschaft sichern will, muss die Bedingungen in den Bergregionen in den Mittelpunkt stellen", betonte Partl.
In einem Punkt waren sich alle Redner einig: Nur mit fairen Chancen können die bäuerlichen Familien ihre zentrale Rolle für Tirols Wirtschaft, Landschaft und Versorgungssicherheit auch in Zukunft erfüllen.