Stau- und Mautflucht: Gemeinden im Tannheimer Tal und Lechtal alarmiert
Die Bürgerinitiative „Lebensraum Gurgltal Außerfern Miemiger Plateau“ hat 98 Briefe verschickt, um Gemeindevertreter im Tannheimer Tal und Lechtal für ihre Forderung nach Dosierampeln an der Grenze zu gewinnen. Der Planungsverband Reutte fordert dazu eine enge Abstimmung mit den Gemeinden im Allgäu.
Weißenbach – Post flatterte allen BürgermeisterInnen und GemeinderätInnen des Tannheimer Tales, des Unteren Lechtals sowie der Gemeinde Pfafflar unlängst ins Haus. Der Absender: die Bürgerinitiative „Lebensraum Gurgltal Außerfern Miemiger Plateau“.
„Wir wollen damit bewirken, dass sich die Gemeinden intensiv mit der Thematik des Ausweichverkehrs befassen. Und wir bitten um Unterstützung, die Dosierampeln direkt an der Grenze aufzustellen“, sagt der Initiator der Aktion, Hans Dreier, ehemaliger Bürgermeister von Weißenbach.
Dreier und die übrigen Außerferner Mitstreiter der Bürgerinitiative sind davon überzeugt, dass die geplante Maut am Fernpass den Verkehr nicht eindämmen wird. „Wer von der Maut profitiert, hat kein Interesse daran, dass weniger Verkehr über den Fernpass fährt. Denn mehr Verkehr bedeutet mehr Mauteinnahmen“, findet die Bürgerinitiative in dem Schreiben klare Worte.
Kein Umweg
Da der Verkehr nicht weniger werde, sei anzunehmen, dass der Urlaubertransit die einzige noch stau- und mautfreie Strecke über das Tannheimer Tal, das Lechtal und das Hahntennjoch nehmen werde. Die im Allgäu geplanten Abfahrverbote von der A7 würden das Außerfern nicht entlasten. „Das wird nämlich bei Weitem nicht so massiv kontrolliert wie bei uns. Daher erwarte ich mir davon auch keine Wirkung.“
Die einzige Lösung sei, den Verkehr an den Grenzen mit Kl-gesteuerten Dosierampeln so zu regeln, dass Einheimische noch auf die Straßen kommen und Rettungs- und Einsatzfahrzeuge ungehindert ihre Einsätze erledigen können. „Der Verkehr hat dort zu stauen, wo er herkommt, nämlich auf der A7. Da ist Platz zur Genüge und es kann für Einsatzfahrzeuge problemlos eine Rettungsgasse gebildet werden. Und wo die Urlauber im Stau stehen, ist schließlich egal.“
Hoffen auf Gemeinden
Gerade Orte ohne Umfahrung, wie etwa Stanzach und vor allem Pfafflar, müssten sich mit der Thematik des Ausweichverkehrs befassen, meint Dreier. Er hofft, dass zahlreiche Gemeinden dem Beispiel Weißenbachs folgen. Dort hat der Gemeinderat am 25. September mit einer Petition zur Versetzung der Dosierampeln an die Grenzen der Forderung des Transitforums und der Grünen Nachdruck verliehen.
Planungsverband gespalten
Der Weißenbacher Bürgermeister Harald Schwarzenbrunner hat einen entsprechenden Antrag auch im Planungsverband eingebracht. Dort taten sich die Bürgermeister des Talkessels Reutte aber schwer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. „Seit April diskutieren wir jetzt darüber. Mir geht das Thema langsam so auf den Wecker. Bei mir beschwert sich niemand wegen des Verkehrs“, machte der Pinswanger Bürgermeister Richard Wörle seinen Standpunkt klar.
Anders sieht das Reuttes Stadtchef Günter Salchner: „Es ist ein Thema, das den ganzen Bezirk betrifft. Wir haben eine Stimme und wir sollten sie auch erheben. Wir sollten da schon Kante zeigen.“ Schließlich habe das Außerfern schon zweimal Geschichte geschrieben – mit dem ersten Kreisverkehr und dem Fahrverbot für Motorräder über 95 Dezibel Standgeräusch. Salchner: „Dann schreiben wir eben ein drittes Mal Geschichte.“ Allerdings sei dies nur in enger Abstimmung mit den direkt betroffenen Gemeinden im Allgäu möglich.
Einstimmiger Beschluss
Schließlich konnten sich die zehn anwesenden BürgermeisterInnen (Vils fehlte) doch noch einstimmig zu folgendem Beschluss durchringen: „Der Planungsverband 2 Reuttener Talkessel fordert das Land Tirol sowie alle mit der Verkehrsplanung und Verkehrslenkung betrauten Stellen auf, den aus Deutschland kommenden Ausweichverkehr im Außerfern zu reduzieren (beispielsweise durch Dosierung des Einreiseverkehrs), um die Gesundheit, Sicherheit und Mobilität der Bevölkerung zu verbessern. Zu diesem Zweck ist ein grenzüberschreitender Konsens mit den Entscheidungsträgern der angrenzenden Regionen herzustellen. Weiters wird eine bezirksweite Lösung zur Regulierung des Stauausweich- und Mautausweichverkehrs gefordert, insbesondere unter Berücksichtigung der Ausweichrouten durch das Tannheimer Tal und Lechtal (Hahntennjoch-Strecke). Der Verkehrsfluss im gesamten Bezirk Reutte muss gewährleistet sein.“