Arzttermin binnen 14 Tagen

Gesundheit im Fokus: ÖGB fordert höhere Ausgaben und mehr Kassenstellen

Regionalvorsitzender Herbert Frank, Sonja Föger-Kalchschmied (gf. Landesvorsitzende des ÖGB Tirol) und Landesgeschäftsführer Benjamit Praxmarer (v.l.) präsentierten ihre Forderungen in Reutte.
© Simone Tschol

Um die Gesundheitsförderung und Prävention zu stärken, fordert der ÖGB Tirol eine Erhöhung der Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung. Besonders im dezentralen Raum sollen mehr Kassenstellen geschaffen werden, um die Versorgung zu verbessern.

Reutte – Der Regionaltag des ÖGB-Tirol führte Sonja Föger-Kalchschmied, gebürtige Reuttenerin, erstmals in ihrer neuen Funktion als geschäftsführende Landesvorsitzende des ÖGB Tirol wieder ins Außerfern. Gemeinsam mit Landesgeschäftsführer Benjamin Praxmarer und dem Regionalvorsitzenden des Tiroler Oberlandes, Herbert Frank, wurde das Gesundheitssystem unter die Lupe genommen.

„Die Kassenärzte werden weniger, die Wahlärzte werden mehr. Das muss man sich leisten können. Was dabei viele vergessen, ist, dass die langen Wartezeiten auf eine Operation oder Therapie nicht nur für die Betroffenen schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können. Monatelange Krankenstände bedeuten auch einen volkswirtschaftlichen Schaden“, so Föger-Kalchschmied.

Der ÖGB-Tirol fordert deshalb „ein Recht auf einen Arzttermin binnen 14 Tagen, bei Akutfällen sofort“.

Benjamin Praxmarer hat sich die Situation im Detail angeschaut und ortet ein verheerendes Mismatch im Bezirk Reutte. „Derzeit gibt es in Tirol 821 Kassenstellen. Davon gerade einmal 20 im Bezirk Reutte. Zwei weitere sind laut Ärztekammer seit 2024 ausgeschrieben. Warum es hier ein solch eklatantes Missverhältnis gibt, weiß ich nicht. Offenbar ist der Anreiz für Kassenplätze nicht gegeben. Da besteht dringender Handlungsbedarf.“

Niedergelassene Ärzt:innen im Bezirk Reutte

Gesamt: 168 (inkl. Kassen- und WahlärztInnen, alle Fachrichtungen)

Davon ÖGK-VertragsärztInnen: 20 (14 AllgemeinmedizinerInnen, 6 FachärztInnen)

Davon VertragsärztInnen der BVAEB (Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau): 8 (6 AllgemeinmedizinerInnen, 2 ZahnärztInnen)

Für Regionalvorsitzenden Herbert Frank braucht es beides: WahlärztInnen und KassenärztInnen. „Wir brauchen die WahlärztInnen. Die darf man nicht verteufeln. Gäbe es sie nicht, wären deren Patienten auch noch auf die wenigen Kassenärzte angewiesen und würden das System noch mehr belasten. Aber die Schere darf nicht noch weiter auseinandergehen.“

Seiner Ansicht nach brauche es gerade in exponierten Bezirken wie Reutte oder Lienz mehr FachärztInnen mit Kassenvertrag – und mehr Ärztezentren wie jenes in Pflach. „Alle anderen Bezirke im Land sind mehr vernetzt. Da ist das Angebot näher.“

Forderungen des ÖGB auf einen Blick

  1. Leistungsstarke und gut ausgebaute Spitäler und Spitalsambulanzen nach dem Bedarf der Versorgung mit ausreichend qualifiziertem Personal
  2. Flächendeckender Ausbau der Primärversorgung als erste Anlaufstelle in gesundheitsbezogenen Anliegen
  3. Anhebung der Ausgaben für Gesundheitsförderung und Prävention in der gesetzlichen Krankenversicherung
  4. Mehr Kassenstellen, vor allem im dezentralen Raum
  5. Schaffung einer gesetzlichen Grundlage für eine verpflichtende Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) in allen Betrieben
  6. Die Harmonisierung und den Ausbau der Leistungen über alle Versicherungsgruppen
  7. Etablierung eines Wartezeitenmonitorings und einer Terminservicestelle
  8. Die verbesserte Koordination und verbindlichere Zusammenarbeit zwischen den großen Bereichen der Gesundheitsversorgung: niedergelassener und Spitalsbereich bzw. zwischen den zuständigen Institutionen (Bund, Länder, Sozialversicherung)
  9. Psychotherapie soll einfacher und auf Kasse verfügbar sein

Die nötigen Finanzmittel für den Ausbau der Gesundheitsversorgung sollen über eine Vermögenssteuer hereingeholt werden, „ohne eine Neiddebatte zu schüren“. Föger-Kalchschmied: „Jeder soll dazu beitragen. Auch die Vermögenden.“

Auch dem Ärztemangel könnte aktiv gegengesteuert werden. Föger-Kalchschmied: „Etwa dadurch, dass Personen, die bei uns Medizin studieren, sich dazu verpflichten müssen, auch eine gewisse Zeit da zu arbeiten, wo ihre Ausbildung finanziert wird. Derzeit haben wir das Problem, dass rund die Hälfte der ausgebildeten ÄrztInnen ins Ausland abwandert.“ Zudem müsste die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich erhöht und die Hürden zum Studium niedriger werden.

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