COP30 in Brasilien

Kompromisse und verpasste Chancen: Nach Klimagipfel überwiegt die Enttäuschung

Ernüchterte Abreise nach dem Klimagipfel in Belém im brasilianischen Amazonasgebiet: Ölstaaten wie Saudi-Arabien haben einen Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verhindert.
© imago/Igor Mota

Die COP30 in Brasilien brachte nur einen Minimalkompromiss. Ein Plan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen fehlt.

Belem – Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) brachte die Ergebnisse der COP30-Klimakonferenz in Belém in Brasilien auf den Punkt: „In Sachen Klimaschutz bleibt dieses Paket weit hinter dem zurück, was die EU für notwendig erachtet, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das kann man nicht schönreden“, sagte Totschnig am Wochenende in einer Aussendung. Er war zum Abschluss der Konferenz nicht mehr in Belém, sondern war bereits abgereist – aus Termingründen, wie es heißt.

Enttäuscht fiel auch die Reaktion von Bundespräsident Alexander Van der Bellen aus, der sich immer wieder für den Klimaschutz engagiert. Das Ergebnis der COP30 bleibe „weit hinter dem zurück, was notwendig wäre, um die Klimakrise wirksam zu bremsen“, schrieb er auf „X“: Die Welt entferne sich vom 1,5-Grad-Ziel und die fehlenden Beschlüsse seien „ernüchternd – eine verpasste Chance“.

Nur ein freiwilliger Plan

Die aus Sicht der Europäischen Union wohl größte Niederlage ist der fehlende Fahrplan zum Ausstieg aus den fossilen Energien, nachdem sie den zukünftigen Umgang mit Öl, Gas und Kohle zusammen mit rund 80 Staaten zu ihrem zentralen Thema gemacht hatte.

Vereinbart wurde statt des tagelang heiß diskutierten Wegs zum Ausstiegsplan lediglich eine freiwillige Initiative, um die Klimaschutz-Anstrengungen der Staaten zu beschleunigen. Schon bei der Klimakonferenz vor zwei Jahren in Dubai hatten die rund 200 Staaten eine Abkehr von diesen fossilen Brennstoffen beschlossen – eine Präzisierung dieses Zieles fehlt aber.

Mehr Geld für arme Länder

Auf der Habenseite der Konferenz stehen höhere Zahlungen reicher Staaten an ärmere Länder zur Anpassung an die Folgen der Erderhitzung. Die Rede ist von einer Verdreifachung bis 2035. Doch werden kein Basisjahr dafür und kein konkreter Betrag genannt. Die Summe dürfte deutlich unter den jährlich 120 Milliarden US-Dollar liegen, die Entwicklungsländer gefordert hatten.

Gestartet wurde von Brasilien ein neuer Fonds zum Schutz des Regenwalds. Länder, die ihre Wälder erhalten, sollen nach diesem neuen Modell belohnt werden. Umgekehrt sollen sie für jeden zerstörten Hektar Wald Strafe zahlen. Einen konkreten „Waldaktionsplan“, um die Zerstörung von Wald einzudämmen, beschloss die Konferenz hingegen nicht.

UN-Generalsekretär António Guterres räumte ein, dass viele enttäuscht seien. Dennoch appellierte er: „Gebt nicht auf! Die Geschichte ist auf eurer Seite!“

COP31 in Antalya

Die Fortsetzung der Klimakonferenz folgt nächstes Jahr im türkischen Badeort Antalya. Dabei kommt es zu einer Premiere mit zwei Staaten, die die Verhandlungen leiten: Neben der Türkei soll das auch Australien sein. (dpa, APA, TT)