Jetzt wartet Portugal

U17 schreibt die rot-weiß-rote Fußball-Historie um: Österreichs Juwele glänzen im WM-Finale

Nicolas Jozepovic und Co. schlugen sensationell Italien und stehen im WM-Finale
© imago/Naushad

Dank eines Doppelpacks von Johannes Moser gewann Österreich das Halbfinale der U17-Weltmeisterschaft mit 2:0 gegen Italien. Das Finale steigt am Donnerstag.

Doha - Der Traum vom erstmaligen WM-Titel lebt für Österreichs U17-Fußball-Nationalteam weiter. Die Truppe von Teamchef Hermann Stadler bezwang am Montag in der Aspire Academy in Doha Italien im Halbfinale mit 2:0. Matchwinner war wieder der 17-jährige Kärntner Johannes Moser, der mit seinen Turniertoren sieben (57.) und acht (93.) die alleinige Führung in der WM-Schützenliste übernahm. Finalgegner ist am Donnerstag (17.00) im Khalifa International Stadium Portugal, das Brasilien im zweiten Halbfinale mit 6:5 im Elfmeterschießen bezwang.

Historischer Erfolg

Für Österreich ist es ein historischer Erfolg, war doch zuvor in allen Altersklassen noch nie ein WM-Finaleinzug gelungen. Die Österreicher sind das einzige Team, das alle Partien im Laufe des Turniers gewinnen konnte. In der K.o.-Phase gab es auch im vierten Antreten nach einem 2:0 gegen Tunesien, 4:0 gegen England und 1:0 gegen Japan wieder keinen Gegentreffer. Auch zuvor in der Gruppenphase hatten Moser und Co. in den Partien gegen Saudi-Arabien (1:0), Mali (3:0) und Neuseeland (4:1) nur einen einzigen hinnehmen müssen.

Infantino und Wenger sahen ÖFB-Erfolg

Die Italiener starteten vor den Augen von FIFA-Präsident Gianni Infantino und Arsene Wenger mit viel Schwung und drängten in der Anfangsviertelstunde vehement auf den Führungstreffer. Die durch den Ausfall des gelb-gesperrten Ifeanyi Ndukwe geschwächte ÖFB-Defensive präsentierte sich da nicht so sattelfest wie im bisherigen Turnierverlauf, es war wohl auch der Nervosität geschuldet. Schon nach etwas mehr als einer Minute war Samuele Inacio im Abschluss zu unentschlossen. Thomas Campaniello zielte knapp vorbei (3.) und ein Volley von Dauda Iddrisa nach Inacio-Flanke ging hauchdünn drüber (12.).

Mit Fortdauer der ersten Hälfte fand die ÖFB-Truppe aber besser rein, konnte vor allem über Hasan Deshishku immer wieder Akzente setzen, blieb aber ohne ganz guter Einschussmöglichkeit. Nach dem Seitenwechsel bot sich den Zuschauern ein ausgeglichenes Geschehen, ehe einmal mehr die große Stunde von Moser schlug. Nach tollem Lochpass von Jakob Werner zog der 17-jährige Offensivspieler des FC Liefering mit links ab und traf via Innenstange ins lange Eck. Es war sein dritter Turniertreffer aus dem Spiel heraus, daneben konnte er vier Elfmeter verwandeln.

Stummen zum WM-Finaleinzug

Teamchef Hermann Stadler: „Das ist einfach pure Emotion. Diese Mannschaft ist grandios, wirklich fantastisch. Jede einzelne Person arbeitet ununterbrochen für das Team, lädt sich immer wieder auf. Jeder bringt sich ein, jeder glaubt an die gemeinsame Idee und daran, was wir im Spiel leisten können. Die Mentalität, vor allem heute in der zweiten Halbzeit, war wieder überragend.“

ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll: „Was für ein großartiger Tag für den österreichischen Fußball! Unser U17-Team hat sich mit großem Teamgeist, unglaublicher Reife und beeindruckender Leidenschaft bis ins WM-Finale gespielt. Ein historischer Erfolg! Das Team begeistert ganz Österreich! Es ist ganz sicher eine der ganz großen Sternstunden des österreichischen Fußballs!“

Doppeltorschütze Johannes Moser: „Das ist natürlich ein unglaubliches Gefühl. Bei einer WM im Finale zu stehen, das ist etwas ganz Besonderes. Wir haben sehr hart gearbeitet und in jedem Spiel gezeigt, wer wir sind, wenn wir unseren Fußball spielen. Heute war es am Anfang nicht leicht, wir mussten uns richtig reinkämpfen. Aber wir haben unsere Chancen genutzt – und deswegen stehen wir jetzt verdient im Finale.“

Kapitän Jakob Pokorny: „Es sind einfach so viele Emotionen. Ich fühle so viel Freude, so viel Stolz auf die Mannschaft. Italien war richtig gut. Es war ein extrem schweres Spiel, aber wir haben einmal mehr Mentalität bewiesen. Wir wollen unsere Geschichte jetzt im Finale weiterschreiben.“

Die Italiener mussten in der Folge mehr Risiko nehmen, gaben auch den Ton an, ganz nahe an den Ausgleich kamen sie aber nicht heran. Die ÖFB-Elf rund um Kapitän Jakob Pokorny besann sich nicht nur aufs Verteidigen und wurde dafür belohnt. Italiens Benit Borasio wurde nach einem Torraubfoul an Daniel Frauscher ausgeschlossen und Moser versenkte den Freistoß aus mehr als 20 Metern genau im Eck. Für Österreich ist es die erste Endspielteilnahme bei einem Großturnier seit jener der U16 bei der EM 1997. Auf WM-Ebene war das Halbfinale der U20 im Jahr 2007 bisher der größte Erfolg. (APA, TT.com)