Ein Beamter in Paris soll mehr als 200 Frauen Drogen verabreicht haben
Ein mutmaßlicher weiterer Fall von chemischer Unterwerfung in Frankreich erinnert an den Fall Pelicot. Zugleich wächst die Empörung darüber, wie lange die Justiz braucht, um die Sache zu untersuchen.
Paris – In Frankreich ermittelt die Justiz gegen einen früheren ranghohen Beamten des Kulturministeriums. Er steht im Verdacht, mehr als 200 Frauen heimlich Diuretika verabreicht zu haben, damit sie vor ihm urinieren müssen.
Das mutmaßliche Tatmuster: Der Mann vereinbarte mit seinen Opfern Termine für Bewerbungsgespräche. Dort bot er ihnen Getränke an, die mit entwässernden Medikamenten versetzt waren, und schlug vor, das Gespräch bei einem Spaziergang fortzusetzen.
„Ich hatte Albträume“
Die Betroffenen berichten, dass sie Qualen ausgestanden hätten und teils nicht anders konnten, als in Gegenwart des Beamten zu urinieren. Zurück blieben oft Traumata.
Sie dachte, sie hätte die Bewerbung vermasselt, zitierte der Guardian eine Betroffene. „Ich hatte Albträume, Wutausbrüche. Ich suchte keine Arbeit, ich hielt mich für nutzlos.“
In dem Fall gehe es „um Macht und Dominanz über den Körper von Frauen (…) durch Demütigung und Kontrolle“, sagte die Anwältin Louise Beriot, die mehrere der Frauen vertritt. Unter dem Titel „chemische Unterwerfung“ weckt das in Frankreich Erinnerungen an den Fall von Gisèle Pelicot, die von ihrem Mann betäubt und zur Vergewaltigung angeboten worden war.
Taten in Excel-Datei?
Für Empörung sorgt aber nicht allein der Fall an sich, sondern auch das Schneckentempo der Justiz. Der Beamte war schon 2018 aufgeflogen, als er versuchte, heimlich die Beine einer Vizepräfektin zu fotografieren. Im Zuge einer Untersuchung wurde bei ihm eine Excel-Datei entdeckt, in der er die mutmaßlichen Straftaten dokumentiert hatte.
Trotzdem ist die gerichtliche Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Die Opfer würden die Hoffnung verlieren, dass der Beamte je vor Gericht gestellt wird, warnte die Stiftung Fondation des Femmes im heurigen Juli. (floo)