Ruf nach Dialog

Papst Leo auf erster Auslandsreise in der Türkei und im Libanon

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan empfing das Oberhaupt der katholischen Kirche im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Ankara. Noch gestern reiste der Papst nach Istanbul weiter.
© AFP/Turkish Presidential Press Service

Papst rief nach seiner Ankunft in Ankara zu Frieden und Dialog auf und will die unter Druck stehenden Christen in der Region stärken.

Nach mehr als einem halben Jahr im Amt hat Papst Leo XIV. am Donnerstag seine erste Auslandsreise begonnen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche landete am Vormittag in Ankara, der türkischen Hauptstadt. Bei einer Ansprache würdigte Leo die historische Rolle der Türkei als Brücke zwischen Ost und West sowie Kulturen und Religionen. „Möge die Türkei eine Quelle der Stabilität und der Annäherung zwischen den Völkern sein, im Dienste eines gerechten und dauerhaften Friedens“, sagte Leo in der türkischen Nationalbibliothek. „Heute brauchen wir mehr denn je Menschen, die den Dialog fördern und ihn mit festem Willen und geduldiger Entschlossenheit praktizieren.“

In dem mehrheitlich muslimischen Land will Leo seine Nähe zu den Christen in der Region ausdrücken und zur Einheit der christlichen Kirchen aufrufen. In Ankara wurde Leo von Präsident Recep Tayyip Erdogan mit militärischen Ehren begrüßt.

Dialog und Frieden

Mit gut 180.000 Gläubigen – darunter etwa 33.000 Katholiken – ist die christliche Gemeinschaft in dem Land bei einer Bevölkerung von inzwischen etwa 85 Millionen eine kleine Minderheit.

Im Laufe der Reise sind mehrere Treffen mit dem Oberhaupt der orthodoxen Christen geplant. Auf dem Programm steht etwa die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung als Zeichen der christlichen Einheit und Annäherung. Die Kirche von Bartholomaios I. und ihre Gläubigen leiden seit geraumer Zeit unter Beschränkungen des türkischen Staats. Religionsfreiheit ist in dem Land in der Verfassung verankert, aber in der Praxis eingeschränkt. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und seine islamisch-konservative AKP-Regierung fördern außerdem eine stärkere Präsenz des Islams im öffentlichen Leben.

Am Sonntag geht es für Leo weiter in den Libanon, ein Land, das nicht nur wirtschaftlich am Abgrund steht. Nach dem Krieg zwischen der einst mächtigen Hisbollah-Miliz und Israel hatte sich die Lage anfangs etwas beruhigt: Seit einem Jahr gilt eine Waffenruhe. Zuletzt haben sich die Spannungen aber wieder verschärft. Israel greift nahezu täglich Ziele im Südlibanon an, kürzlich auch wieder in den südlichen Vororten von Beirut. Die Macht in dem kleinen Land am Mittelmeer, in dem rund 1,5 Millionen Christen – der Großteil davon papsttreue Maroniten –, Sunniten, Schiiten und Drusen zusammenleben, ist nach einem Proporzsystem aufgeteilt. Insbesondere vor diesem Hintergrund wird im Libanon die Reise des Papstes als Zeichen der Hoffnung auf Frieden und Stabilität gesehen.

Leos erste Auslandsreise ist gewissermaßen ein Vermächtnis seines im April gestorbenen Vorgängers Franziskus. Dieser hatte zu Lebzeiten den Wunsch geäußert, die Länder zu bereisen. Leo – seit Mai im Amt – holt dies nun nach. (TT, dpa)