NGO-Sektor betroffen

Affäre ramponiert das Ansehen: SOS-Kinderdorf am Vertrauensindex abgestürzt

SOS Kinderdorf kämpft mit den Folgen des Missbrauchsskandals und reißt andere Hilfs-, Menschenrechts- und Umweltorganisationen mit.
© APA/Gindl

Die Organisation erreicht nur mehr minus 30 statt vor einem Jahr noch plus 65 Prozent. Die Missbrauchsaffäre reißt aber auch andere NGOs mit. Das „Bündnis für Gemeinnützigkeit“ verteidigt die Arbeit seiner Mitglieder.

Hilfs-, Menschenrechts- und Umweltorganisationen (NGO) haben seit dem Vorjahr Vertrauen in der österreichischen Bevölkerung verloren. Das zeigt der aktuelle APA/OGM-Vertrauensindex. Dort müssen fast alle abgefragten Organisationen ein punktemäßiges Minus hinnehmen. Richtigggehend abgestürzt ist nach dem Missbrauchsskandal um Gründer Hermann Gmeiner SOS-Kinderdorf. Im Vorjahr lag die Organisation mit 65 Punkten noch weit im positiven Bereich, jetzt sind es minus 30 Punkte. OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer geht davon aus, dass SOS-Kinderdorf auch die anderen Organisationen mitgerissen hat.

Insgesamt sind die Werte für die meisten NGOs jedoch noch immer vergleichsweise hoch. An der Spitze der Vertrauenspyramide steht das Rote Kreuz mit einem Vertrauenswert von plus 79, gefolgt von der Krebshilfe (76), den Rote Nasen Clowndoctors (73) und Ärzte ohne Grenzen (65) mit nur geringen Vertrauensverlusten.

Das Hilfswerk, die Volkshilfe, die Aids-Hilfe und das Haus der Barmherzigkeit müssen ebenso nur wenig Vertrauensverluste hinnehmen. Andere Organisationen aus dem Jugendbereich – Pro Juventute mit 24 Punkten Verlust und UNICEF mit minus 15 Punkten werden offenbar von SOS-Kinderdorf mitgerissen. Auch SOS Mitmensch verlor 18 Punkte, möglicherweise wegen der Namensähnlichkeit mit SOS-Kinderdorf.

Bündnis für Gemeinnützigkeit: Vertrauen „weiterhin hoch“

„Das Vertrauen in Vereine und gemeinnützige Organisationen ist weiterhin extrem hoch“, zieht Stefan Wallner, Geschäftsführer des Bündnis für Gemeinnützigkeit, dennoch eine positive Gesamtbilanz – „trotz kleinerer Rückgänge und der Sondersituation von SOS-Kinderdorf.“ Das Vertrauen der Bevölkerung beruhe „auf der täglichen Erfahrung der Menschen in Österreich im Bereich der Pflege, der Arbeit mit Menschen mit Behinderung, dem Sport und der Kultur, der Blasmusik und dem Rettungswesen oder der humanitären Hilfe“.

Wallner unterstrich die wichtige Rolle der gemeinnützigen Organisationen hin: Sie dürften keine Gewinne machen und erbringen auch „mit den Millionen freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Leistungen für die Allgemeinheit und den Staat, die nicht finanzierbar wären“. (APA/TT)