Gesprengte Bankomaten in Österreich: Weitere sieben Verdächtige festgenommen
Der heimischen Exekutive ist ein weiterer Schlag gegen international agierende Bankomatsprenger gelungen: Zuletzt wurden weitere sieben Verdächtige in den Niederlanden und auf Malta festgenommen, die in Österreich aktiv waren.
Wien – Ob genau jene sieben Verdächtigen, die nun festgenommen wurden, für Bankomat-Sprengungen in Tirol verantwortlich waren, könne man nicht eindeutig zuordnen, erklärt Heinz Holub-Friedreich, Sprecher des Bundeskriminalamts gegenüber der TT. „Das sind mehrere Gruppen, die aus bis zu 1000 Einzelpersonen bestehen. Insofern ist es sehr schwierig, konkrete Taten bestimmten Personen zuzuordnen.“ Fest stehe aber, dass all diese Gruppen nach dem gleichen System arbeiten und von den Niederlanden ausgehend operieren. „Diese Gruppen sind europaweit aktiv, nicht nur in Österreich“, erklärt Holub-Friedreich weiter.
Wie gehen die Täter vor? Seit Ende 2024 sind international agierende Gruppierungen in Österreich aktiv gewesen und für eine Serie von Bankomatsprengungen verantwortlich. Die Täter reisen extra an, gehen hochprofessionell und arbeitsteilig vor – mit einem erheblichen Gefährdungspotenzial für Unbeteiligte. Der Schaden geht in die Millionen, vor allem durch die verheerenden Detonationen, so Heinz Holub-Friedreich.
Stolz ist man im Bundeskriminalamt darauf, dass die „Arbeitsgruppe zu den Bankomaten-Sprengungen im März die Arbeit aufgenommen hat und bis jetzt 29 internationale Festnahmen gelungen sind.“ So konnte die große Mehrheit der im Jahr 2025 verübten Taten niederländischen Tätergruppierungen zugeordnet werden. Damit ist die Arbeit noch nicht getan, „wir werden genauso weiter machen wie bisher, bis wir alle Beteiligten haben“, so Holub-Friedreich zum weiteren Vorgehen.
Zugriff in zwei Phasen
Der aktuelle Zugriff erfolgte in zwei direkt aufeinander abgestimmten Phasen: Am 12. November wurde versucht, zwei Festnahmeanordnungen und zwei Durchsuchungsanordnungen in den Niederlanden zu vollziehen. Dabei wurde ein 36-jähriger Niederländer festgenommen, ein zweiter Beschuldigter nicht angetroffen und zur Fahndung ausgeschrieben. 6800 Euro Bargeld, Goldbarren im Wert von etwa 22.000 Euro, Mobiltelefone und Speichermedien sowie geringe Mengen Suchtgift wurden sichergestellt.
Die zweite Phase am 2. Dezember umfasste ein länderübergreifendes, simultanes Einschreiten. In den Niederlanden wurden an mehreren Orten in drei Provinzen sieben Festnahme- und sieben Durchsuchungsanordnungen vollzogen. Dabei wurden fünf Niederländer im Alter zwischen 19 und 29 geschnappt. Zwei Verdächtige konnten nicht angetroffen werden und zur Fahndung ausgeschrieben. Unter anderem wurden elektronische Geräte sowie Unterlagen mit direktem Österreich-Bezug sichergestellt, ebenso pyrotechnische Gegenstände wie Blitzknallkörper.
Festnahme auf Malta
Parallel dazu wurde durch Ermittlungen der AG Bankomat der Aufenthalt eines 29-jährigen nordmazedonischen Staatsbürgers auf Malta festgestellt. Über das europäische Netzwerk ENFAST konnten eine Festnahmeanordnung und eine Durchsuchungsanordnung der Staatsanwaltschaft Wien vollzogen werden, der Beschuldigte geschnappt. Die Auslieferung der Verdächtigen ist bereits beantragt worden, sagte Holub.
„Wir werden diese Form der Kriminalität mit voller Entschlossenheit weiter bekämpfen“, versprach der Direktor des Bundeskriminalamts, Andreas Holzer. Die Erfolge würden auf der engen Zusammenarbeit zwischen dem Bundeskriminalamt, den Landeskriminalämtern und den Staatsanwaltschaften beruhen. Gelobt wurden auch die niederländischen Sicherheitsbehörden sowie das europäische Zielfahndungsnetzwerk ENFAST. „Das ist ein wichtiger und harter Schlag gegen die organisierte Kriminalität“, betonte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ): „Die AG Bankomat ist ein Musterbeispiel erfolgreicher Strafverfolgung.“ (TT, APA)
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