Wem gehört der „Florentiner“? Babler will einem Jahr Klarheit über Habsburger-Juwelen
Die von Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) eingesetzte Kommission zur Prüfung der Eigentumsverhältnisse tagte zum ersten Mal. Vorsitzender ist Wolfgang Peschorn, Präsident der Finanzprokuratur.
Wem gehören die Habsburger-Juwelen, deren Aufbewahrungsort nach mehr als 100 Jahren wieder bekannt wurde? Und wenn sie der Republik Österreich gehören: Hat diese überhaupt eine Chance, diesen Anspruch durchzusetzen. Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) will diese Fragen von einer Expertenkommission klären lassen. Am Donnerstag tagte die Gruppe zum ersten Mal. Mit Ergebnissen ist im kommenden Herbst zu rechnen.
Die Juwelen, unter ihnen der mehr als 137 Karat schwere „gelbe Florentiner“, galten als verschollen. Im November 1918 hatte der letzte österreichische Kaiser Karl sie aus der Schatzkammer in der Wiener Hofburg abholen und in die Schweiz bringen lassen. Danach verlor sich in der Öffentlichkeit ihre Spur.
Auf der Flucht nach Kanada verbracht
Vor einem Monat dann der Knalleffekt. Karl Habsburg-Lothringen, Enkel von Kaiser Karl und jetziges Oberhaupt der früheren Kaiserfamilie, legte offen, dass die wertvollen Stücke in einem Schließfach in Kanada verwahrt werden. Seine Großmutter Zita habe sie nach ihrer Flucht vor den Nazis in den 1940er-Jahren dort deponieren lassen. Nur zwei ihrer Söhne hätten davon gewusst. Sie habe zudem verfügt, dass das Geheimnis erst 100 Jahre nach dem Tod Karls - er starb 1922 - gelüftet werden soll.
Karls Habsburg will selber erst nach Ablauf dieser Frist von dem Schmuck erfahren haben. Einige Teile wie die Diademkrone von Kaiserin Sisi fehlen. Die Familie dürfte sie verkauft haben, um ihren Lebensunterhalt zu decken.
Juwelier prüfte Echtheit
Bei den vorhandenen Stücken hat Habsburg vom Wiener Juwelier Christoph Köchert die Echtheit prüfen lassen. Sie sollen vorerst in Kanada ausgestellt werden. Offizieller Eigentümer der Juwelen ist ein Trust.
Habsburg geht davon aus, dass es sich bei dem Schmuck um Eigentum seiner Familie handelt. Manche Historiker und Rechtsexperten bezweifeln dies aber und vermuten, dass die Stücke eigentlich der Republik gehören.
Babler hofft auf Klärung
Babler hofft auf Klärung offener Fragen durch die von Peschorn geführte Kommission. „Ob von Seiten der Republik Österreich etwaige Ansprüche geltend gemacht werden, hängt von den Ergebnissen der Kommission ab. Ich bin überzeugt, dass die nunmehr in dieser Kommission versammelte einschlägige Expertise diese Klärung bringen wird“, sagt der Vizekanzler.
Schatz der Habsburger
Seit 100 Jahren verschollene Habsburg-Juwelen in Kanada aufgetaucht
Florentiner & Co