Kunst und Autismus

„Mutig und fesselnd“: Nnena Kalu gewinnt den Turner-Preis

Nnena Kalus bunte, zum Teil aus Verpackungsmaterialien gemachte Skulpturen sind derzeit in der Cartwright Hall in Bradford zu sehen.
© OLI SCARFF

Die mit rund 28.000 Euro dotierte Auszeichnung zählt zu den renommiertesten der Kunstwelt: Heuer geht sie an die Schottin Nnena Kalu.

Die in Glasgow geborene Künstlerin Nnena Kalu hat am Dienstagabend den renommierten Turner-Preis gewonnen. Die Jury lobte ihre hängenden, farbenfrohen Skulpturen, die sie aus Verpackungsmaterialien verschiedener Art wie Schnur und Karton herstellt und die kokonartige Formen bilden, sowie ihre großformatigen Zeichnungen. Die Jury lobte Kalus „mutige und fesselnde Arbeit“ und hob ihre „ausgeprägte Praxis und Finesse in Bezug auf Maßstab, Komposition und Farbe“ hervor.

Die 59-jährige Kalu ist eine autistische Künstlerin mit Lernbehinderung und eingeschränkter verbaler Kommunikationsfähigkeit.

„Damit wurde eine Glasdecke durchbrochen“

Charlotte Hollinshead, die seit 25 Jahren mit ihr zusammenarbeitet, sagte laut BBC auf der Bühne bei der Preisverleihung in einer Schule in der nordenglischen Stadt Bradford, der diesjährigen Kulturhauptstadt Großbritanniens: „Dies ist ein sehr, sehr wichtiger Moment für viele Menschen. Es ist ein Meilenstein. Damit wurde eine sehr hartnäckige Glasdecke durchbrochen.“

Der Preis ist mit 25.000 Pfund (28.620,49 Euro) dotiert. Der nach dem britischen Maler J.M.W. Turner benannte Preis wurde 1984 ins Leben gerufen und wird an einen Künstler vergeben, der im Vereinigten Königreich geboren oder ansässig ist und in den letzten 12 Monaten eine herausragende Ausstellung oder Präsentation seiner Werke gezeigt hat. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die Künstlerin Jasleen Kaur, die ebenfalls in der schottischen Stadt Glasgow geboren wurde. (APA, dpa)

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