Doppelt brennt besser
80.000 Liter Schnaps reifen in der Destillerie Rochelt. Wie kaum eine andere Spirituose versteht es das Tiroler Kulturgut, Aromen aus Früchten einzufangen und in liquide Genüsse zu verwandeln.
Mythen rund um visionäre Ideen, die in kleinen Garagen entstanden, kennt man normalerweise aus dem Silicon Valley. Doch auch in Tirol - in Fritzens, um genau zu sein - keimte die Wurzel zu einem großen Projekt eingepfercht zwischen Autos und Maschinen.
In der Garage seines Cousins machte Günter Rochelt in den 70er-Jahren erste, improvisierte Versuche, ein besonderes Tiroler Kulturgut herzustellen: Schnaps.
Die widerspenstige Erdbeere
Er tüftelte mit verschiedenen Techniken, Flaschen und Reifezeiten - doch rasch wurde dem Koch klar, dass 80 Prozent der Qualität seines Selbstgebrannten von den Früchten abhängen. Noch heute, 50 Jahre Brennererfahrung später, tasten sich seine Destillerie-Erben stets an neues Obst heran.
„Für einen Liter Schnaps werden 50 Kilogramm Himbeeren im Wald gesammelt“, erzählt Geschäftsführer und Rochelts Schwiegersohn Alexander Rainer. Deren wild-süßes Aroma schmeckt man im Schnaps. Was läge da näher, als auch Erdbeeren zu verarbeiten?
Nach Versuchen mit vollreifen Früchten roch das gesamte Gebäude verführerisch nach deren Süße: „Der Schnaps der ,Mieze-Schindler‘-Erdbeeren war jedoch so geschmacksneutral, dass Vorkoster kaum errieten, welches Obst wir verarbeitet hatten.“ Gilt beim Brennen doch, dass Aromen, die in die Luft steigen, im Geschmack verloren sind.
Mit Raritäten wie Schlehe, Orange oder Quitte waren die Versuche des Familienunternehmens umso erfolgreicher: „Viele davon punkten neben dem Geschmack mit ihrem Gesundheitseffekt. Schwarzer Holunder wirkt sich etwa positiv auf Herz und Kreislauf aus.“
20 Jahre gereifter Genuss
Um Früchte in liquide Genüsse zu verwandeln, werden sie zu Maische verarbeitet: „Die destillieren wir zweimal.“
90 Prozent des verwendeten Obstes gedeihen in Österreich. Doch ab und an ist Rainer von Neugier getrieben, wenn er weltweit auf die Suche nach Früchten geht: „Unsere Vogelbeeren stammen aus der skandinavischen Wildnis, die Wildpflaumen aus dem Piemont.“
Vor dem Verkauf verweilt der daraus entstandene Schnaps in Glasballons. Dieser Reifungsprozess zieht sich manchmal über mehr als 20 Jahre – was erklärt, dass die Sammlung edler Tropfen in Fritzens bereits 80.000 Liter umfasst.