Wintersport

Faszination Skitour

Grandioser Ausblick in der Axamer Lizum.
© Christof Strasser

Der Boom kommt nicht von ungefähr: Für viele ist Skitourengehen der schönste Wintersport. Doch vor der Tour kommt immer die Planung.

Text: Martin Lugger · Bilder: Christof Strasser

Traumhafte Bedingungen mit Pulverhängen im Winter und Schmierfirn im Frühling, wolkenloser Himmel, fantastische Aussicht und ein einzigartiges Bergerlebnis mit Freunden – so beschreibt Skitouren-Experte Christof „Flex“ Strasser eine perfekte Tour. „Das ist ein unglaublich lässiger Tag, der einem noch lange in Erinnerung bleibt.“ Der Tiroler Blogger ergänzt: „Zur perfekten Tour gehört natürlich auch, sicher und gesund wieder nach Hause zu kommen. Das ist das Wichtigste überhaupt.“ Es gebe aber ganz viele Dinge – etwa den sportlichen Aspekt –, die eine gelungene Skitour ausmachen. Touren, bei denen wirklich alles passt, erlebt „Flex“ vielleicht drei bis vier Mal pro Saison. „Wenn man den Bildern auf Social Media glaubt, herrschen ja immer perfekte Bedingungen“, lacht Strasser.

© Christof Strasser

In den vergangenen Jahren hat sich Skitourengehen von einer Nischensportart zu einem Massenphänomen gewandelt – laut Strasser gar zu einem Lifestyle-Produkt. „Die Zahl der Tourengeher ist massiv gestiegen. Sowohl was Pistentouren betrifft als auch bei Touren im Gelände.“ Ihn freut es, dass gerade die Jüngeren ein gesteigertes Interesse für die körperliche Betätigung in der Natur entwickelt haben. Die Zunahme an Tourengehern hat natürlich aber auch Kehrseiten.

Der Kampf ums erste Foto

Zum einen werden die „geheimen“, einsamen Plätze immer weniger. Zum anderen wagen sich Skitourengeher – oft inspiriert durch selbst ernannte „Social-Media-Experten“ – immer früher ins Gelände – jeder möchte der Erste sein. Und das kann unter Umständen auch gefährlich sein.

„Gerade im Frühwinter, wenn es noch keine gesessene Schneedecke gibt, ist die Gefahr von sogenannten Sharks nicht zu unterschätzen“, betont Strasser. Dabei handelt es sich um nur leicht eingeschneite Steine bzw. Felsen, die bei der Abfahrt kaum oder zu spät sichtbar sind – und schnell zum Verhängnis werden können. Neben Lawinenabgängen stellen „Sharks“ ein weiteres Risiko für Tourengeher dar. „Wenn der erste Schnee gefallen ist, werden oftmals auf Biegen und Brechen Touren gespurt, die dafür noch nicht geeignet sind“, schüttelt Strasser den Kopf. „Grundloser Schnee, versteckte Steine und falsch eingeschätzte Lawinengefahr – Geduld wird immer mehr zum Fremdwort.“

© Christof Strasser
Dem Content in den sozialen Medien sollte man bei der Tourenplanung auf keinen Fall blind vertrauen.“
Christof „Flex“ Strasser, Skitouren-Blogger

Planung als Um und Auf

Laut Strasser geht nichts über eine gewissenhafte Tourenplanung. Influencer und Insta-Stars seien hier nicht die richtige Quelle. „Es geht zu allererst um Grundsatzfragen wie: Wer geht mit? Wie schwer ist die Route, wie viele Höhenmeter sind zu überwinden, bin ich konditionell und von meiner Erfahrung und vom Können her dazu in der Lage, die Strecke zu bewältigen – und in welcher Zeit.“ Informationen über die Bedingungen können mit Hilfsmitteln wie Webcams, Wetterdiensten und natürlich dem Lawinenwarndienst eingeholt werden. „Da gibt es keine Ausreden, an Informationsangeboten mangelt es nicht“, sagt Strasser.

Am Vorabend der Tour sollte die Planung abgeschlossen sein. „Ein Plan B ist immer gut. Und während der Tour auch die Bereitschaft, umzukehren, wenn es die Verhältnisse erfordern.“

Respektvolles Tourengehen

Gerade bei Einsteigern sind Pisten-Touren sehr beliebt. Auch bei dieser vermeintlich sichereren Variante gibt es einiges zu beachten. So müssen auf jeden Fall die ausgeschilderten Tourenrouten benützt werden. „Die jeweiligen Regelungen in den Skigebieten sind unbedingt zu respektieren“, mahnt Strasser. „Nur gemeinsam kann es funktionieren. Sonst wird es das Pisten-Tourengehen irgendwann nicht mehr geben.“ Seilwinden für die Pistenpräparierung können besonders im Dunkeln leicht übersehen werden. „Deshalb gibt es spezielle Tourenabende.“ Diese finden je nach Skigebiet an bestimmten Wochentagen statt.

© Christof Strasser

Die richtige Ausrüstung für die Skitour

LVS-Gerät, Schaufel, Sonde sind unerlässlich. Ein Erste-Hilfe-Set, eine Rettungsdecke und ein Telefon müssen ebenfalls in den Rucksack, auch Wechselwäsche, eine warme Jacke und ggfs. ein Biwaksack. Verpflegung, ein Helm, eine Brille, Sonnenschutz und eine Offline-Karte sind Standard. Auf Gletschern ist eine komplette Gletscherausrüstung inkl. Steigeisen Pflicht.

Kauftipps: Nicht bei den Fellen sparen. Die besten Ski nützen wenig, wenn minderwertige Felle verwendet werden. Breite Ski machen zwar im Pulverschnee Spaß, sind bei eisigen Bedingungen aber schwer zu handeln. Besser auf gutes Mittelmaß (84–88 mm) als Ganzjahresmodell setzen.