Hintergrund

Damit die Schwünge auf der Piste klappen

Ratracfahrer Christoph Wechner mit seinem Arbeitsgerät – einer sogenannten Winden-Maschine.
© Elisabeth Zangerl

Sie sind die stillen Helden der Nacht: Ratracfahrer wie der 39-jährige Christoph Wechner von den Bergbahnen See im Paznaun, die nachts im Einsatz sind und dafür sorgen, dass die Pisten perfekt präpariert sind.

Text: Elisabeth Zangerl · Bilder: privat

Wenn man morgens die ersten Schwünge auf den Pisten zieht, denkt man oft nicht daran, wie viel Aufwand hinter diesem Vergnügen steckt. Die meisten Wintersportler assoziieren mit den Morgenstunden auf der Piste die allseits bekannten Rillen. Aber woher kommen diese und welchen Sinn haben sie? „Die Rillen entstehen beim Präparieren der Piste mit der Fräse – diese lockert den Schnee auf und zerkleinert ihn wieder. Hinten an der Fräse sind die Finish-Platten, die dann die Rillen in den Schnee drücken“, erklärt Christoph Wechner, der als Ratracfahrer für die Bergbahnen See tätig ist. „Diese Rillen sorgen für mehr Halt, gleichmäßige Verdichtung und eine bessere Fahrbarkeit.“ Christoph Wechner ist einer dieser stillen Helden der Nacht – dabei hat er einst den Beruf des Sportartikelverkäufers erlernt: „Mein Teti (Pate, Anm.) war 40 Jahre lang als Ratracfahrer in Ischgl im Einsatz und da kam in mir schon als Kind der Wunsch auf, das eines Tages auch zu machen“, erinnert er sich zurück. „Gleich nachdem ich die Lehre abgeschlossen habe, habe ich 2005 als Beschneier bei der Silvretta Seilbahn AG begonnen und bereits da erste Erfahrungen als Ratracfahrer gesammelt.“

Seither hat er viel Berufserfahrung erlangt: 15 Jahre als Ratracfahrer und fünf als Beschneier. Wechner kennt die Pisten im halben Tiroler Oberland wie seine Westentasche: 2011 wechselte er als Ratracfahrer nach Fiss, 2018 nach Stuben am Arlberg und 2024 wechselte er gemeinsam mit seinem Freund Julian Schmid dann nach See. Dieser Schritt war auch familiär bedingt, erzählt Christoph Wechner: „Einer der Gründe war die Geburt unserer zweiten Tochter und die Tatsache, dass ich in fünf Minuten bei der Arbeit bin. Das ist fein.“

Das Skigebiet See in der Paznauner Ortschaft hat sich vor zwei Jahren mit jenem der Nachbargemeinde zur Skischaukel Kappl und See zusammengeschlossen, frei nach dem Motto „Doppeltes Angebot, doppeltes Vergnügen“. Die beiden Gebiete punkten nun mit 85 Pistenkilometern – zwischen den Gebieten verkehrt zudem regelmäßig ein Shuttlebus. Was den Kartenverbund Kappl und See auch besonders macht: Wenn man den Skitag in Kappl beginnt und in See beendet, kann man von 8.30 Uhr morgens bis 16 Uhr abends die Sonne genießen.

Ein klassischer Arbeitstag

Auch wenn Christoph Wechner schon viel gesehen und in vielen Skigebieten gearbeitet hat, ist er felsenfest überzeugt: „Die besten Pisten gibt’s in See.“ Und das ist viel Arbeit: „Ein klassischer Arbeitstag startet bei uns um 15.30 Uhr an der Talstation – hier treffen wir uns alle und fahren gemeinsam in die Werkstatt hoch.“ In weiterer Folge werden die Maschinen kontrolliert, etwa die Öl-Flüssigkeiten. Die Fahrzeugpflege, wie es Christoph Wechner zusammenfasst, darf auch nicht fehlen. „Um 16.30 Uhr kommt dann unser Pistenchef Christian und erteilt uns Arbeitsaufträge, etwa ‚Schnee schieben‘, und er informiert uns, was bei jeweiligen Pisten zu machen ist.“ Los geht’s dann nach Pistenschluss um 17 Uhr. Bedeutet: Jeder der Ratracfahrer präpariert seinen ihm zugeteilten Pistenabschnitt. „Wie viele Pistenkilometer ich genau präpariere, kann ich daher nicht ganz genau sagen“, erklärt der Ratracfahrer aus See im Paznaun.

Nächtliche Einsätze bei Neuschnee

Ein Arbeitstag endet zwischen 22.30 und 24 Uhr, je nach Wetterbedingungen. Durch Faktoren wie Schneefall & Co. kann dies natürlich stark variieren. „Zum Schluss tanken wir noch die Maschinen und fahren zusammen wieder ins Tal“, erzählt Christoph.

Neuschnee ist immer eine besondere Herausforderung: „Wir fahren dann um 3.30 in der Früh los, sodass wir vor den ersten Skifahrern wieder in der Garage sind“, erzählt Christoph und geht ein wenig weiter ins Detail: „Die Pisten sehen nach unserer Arbeit zwar perfekt aus, aber es entstehen im Laufe des Vormittags schon die ersten Hügel. Die Skifahrer:innen nehmen daher oft an, dass wir die Pisten nicht präpariert hätten.“ Das stimmt natürlich nicht, ist aber bei anhaltendem Schneefall nicht anders möglich.

Was taugt dem verheirateten Vater zweier Töchter – seine Mädchen heißen Celine und Sophia – an seinem Job am meisten? „Besonders gefällt mir, dass ich quasi mein eigener Chef bin und den ganzen Abend alleine meine Arbeit machen kann. Zudem sehe ich das Ergebnis meiner Arbeit sofort. Hinzu kommen die unvergesslichen Sonnenuntergänge und die Ruhe in den Bergen.“ Diese genießt Christoph Wechner gerne auch privat.

Präparierungen mit dem Pistenwindenseil

Das Ratracteam in See besteht aus sechs Fahrern. Dem Team stehen eine Maschine für die Präparierung der Rodelbahn sowie zwei Solo-Maschinen und vier Winden-Maschinen zur Verfügung. „Eine dieser neuen Winden-Maschinen fahre ich“, erzählt Christoph Wechner stolz. Zur Sicherung des Pistenfahrzeugs in Steilhängen hängt es an einem Pistenwindenseil. Zum Einsatz kommen solche Seile auch in See. „Unser Skigebiet verfügt auch über steile Pisten, beispielsweise die Talabfahrt oder den sogenannten Geigerhang, den wir dann mit den Winden-Maschinen präparieren müssen“, erklärt der Ratracfahrer. Dabei kann es immer wieder zu brenzligen Situationen kommen. „Das ist in unserem Beruf öfter der Fall, wenn man sich zum Beispiel in einer sehr steilen Piste befindet und plötzlich geht wegen eines Litzenbruchs am Seil gar nichts mehr. Dann muss man sich schon Gedanken machen, wie man wieder sicher von der Piste runterkommt.“ Gefährlich sei es auch im Frühjahr, erzählt Wechner: „Bei sehr weichem Schnee, kann’s schon einmal sehr schnell werden beim Bergabfahren.“

Alle sechs Pistenfahrzeuge sind mit Schneehöhen-Messgeräten ausgerüstet. „Wenn wir im Herbst anfangen, den Schnee zu verteilen, haben wir ein Geländemodell am Display, das mit der Drohne im Sommer aufgenommen wurde. Wir wissen daher genau, wo Wege, Pisten und Schächte der Beschneiungsanlage verlaufen“, sagt Christoph Wechner. Anhand des Geländemodells kann er genau erkennen, wie viel Schnee auf der Piste liegt. So kann man effizient Schnee erzeugen und an den richtigen Stellen verteilen. „Bei schlechter Sicht ist das Gerät auch eine Hilfe für uns, da wir immer sehen, ob wir uns noch auf der Piste oder einem Skiweg befinden“, schildert Christoph.

Besonders im Winter gibt’s Witterungsbedingungen, bei denen man keinen Hund vor die Türe jagen würde. Nicht gefragt werden hingegen die Ratracfahrer, die auch bei Wind und Wetter raus müssen, um ihren Job zu machen. Das ist freilich nicht immer ein Spaß, wie auch Christoph anmerkt: „Eine große Herausforderung in diesem Beruf ist sicher die Nachtarbeit bei schlechten Verhältnissen, etwa wenn’s stürmt und schneit und man einfach nichts mehr sieht – außer einer weißen Front – und man trotzdem die Orientierung nicht verlieren sollte.“

Einen kleinen Appell richtet er an die Skitourengeher:innen: „Wir würden uns freuen, wenn diese teils mehr Wertschätzung und Einsicht gegenüber unserer Arbeit aufbringen würden – wir geben jede Nacht unser Bestes, um perfekt präparierte Pisten für unsere Gäste und einheimischen Skifahrer zu schaffen, aber wenn Tourengeher kommen und wieder abfahren, war die ganze Arbeit umsonst“, bedauert er und: „Nicht zu vergessen ist, dass es nachts sehr gefährlich werden kann, da wir mit den Winden-Maschinen im Einsatz sind und ich als Fahrer das Seil, das sich teilweise 500 Meter weiter oben befindet, nicht sehen kann, wenn ich unten umdrehe. Das Seil verschwindet dann im Schnee und der Tourengeher sieht es im Dunkeln einfach nicht mehr.“

Trotz der Herausforderungen liebt Christoph Wechner seinen Job und würde ihn gegen keinen anderen eintauschen.

Christoph Wechner im Cockpit seiner Pistenraupe.
Auch die Technik hilft den Fahrern bei ihrer Arbeit.
Ratrakfahrer in See | tschfr |
Ein Blick durch die Windschutzscheibe der Winden-Maschine.
© Elisabeth Zangerl