99 Jahre Hauswirtschaft in Rotholz: Einblick in eine wachsende Tradition
Die Fachschule für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement in Rotholz feierte ihr 99-jährigen Bestehen. Besucher erhielten Einblicke in die Entwicklung der Hauswirtschaft und ihre heutige Relevanz.
Die Historie der hauswirtschaftlichen Ausbildung in Rotholz reicht weit zurück. Im Jahr 1921 entstand in Imst die erste landwirtschaftliche Hauswirtschaftsschule für Tirol. Das wachsende Interesse führte 1924 zum Bau einer weiteren Schule in Rotholz, die 1926 ihre Pforten öffnete. Der erste Winterkurs für Mädchen startete im Oktober desselben Jahres. Die Chronik verzeichnete bereits 1928 Verbesserungen bei den Waschgelegenheiten für Schülerinnen.
Über die Jahrzehnte hinweg erfuhr die Schule zahlreiche Veränderungen und Erweiterungen. Nach einer Nutzung als Lazarett im Jahr 1945 folgten ab 1963 umfangreiche Baumaßnahmen. Es entstanden ein Gymnastikraum und neue Schlafzimmer. In den Neunzigerjahren gab es weitere Zubauten, darunter Internats- und Unterrichtsräume. Die Ausbildung entwickelte sich von einer einjährigen Haushaltungsschule zur heutigen dreijährigen Fachschule. Seit 1999 wird der Abschluss als Facharbeiter angeboten.
Heute ist die Fachschule für ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement (FSBHM) eine moderne Bildungseinrichtung. Sie ist als Umweltzeichenschule, Ökologschule und Gesunde Schule zertifiziert. Die Ausbildung vermittelt Basiskompetenzen für den Alltag. Zudem bietet sie vertiefende Inhalte im Betriebs- und Haushaltsmanagement. Schülerinnen können zudem Schwerpunkte in der Pflegeausbildung wählen. Eine Kooperation mit dem Bildungszentrum für Pflegeberufe in Schwaz ermöglicht hierbei Anrechnungen. Auch eine Ausbildung zur Assistenzkraft in Kinderbetreuungseinrichtungen ist möglich. Die Feierlichkeiten zum 99-jährigen Jubiläum wurden als "Green Event Tirol" durchgeführt.
Hauswirtschaft umfasse mehr als Kochen und Putzen. Sie sei heute mehr denn je eine essenzielle Lebenskompetenz, betont Abteilungsvorständin Maria Gschwentner. Das hänge mit Wertschätzung zusammen. „Zeit haben für den Einkauf regionaler Produkte, vielleicht sogar mit Zeit aufwenden für den Anbau im eigenen Garten, Zeit finden zum Brotbacken, Zeit haben für gemeinsames Essen und Reden mit dem Partner, den Kindern, den Freunden. Zeit haben zum Atmosphäre schaffen für eine Lebenswelt, in der man sich wohlfühlt und Kinder ermutigt, ihre Wege zu finden. Diesen Weg möchten wir fortsetzen“, meint Gschwentner.
Die Schule in Rotholz möchte auf die Bedeutung dieser vielseitigen Ausbildung aufmerksam machen und zum Nachdenken über den Wert der Hauswirtschaft anregen.