Missbrauch in Kinderheimen: Heikler Bericht erhöht Druck auf Orbán
Wenige Monate vor der Wahl steht Ungarns Regierung unter Vertuschungsverdacht.
In Ungarn hat ein bereits vier Jahre alter Regierungsbericht weit verbreiteten Missbrauch in Kinderheimen festgestellt. In dem von der oppositionellen Tisza-Partei am Freitag veröffentlichten Bericht aus dem Jahr 2021 ist die Rede von rund 3000 mutmaßlichen Missbrauchsfällen in ungarischen Kinderheimen. Dies entspricht mehr als einem Fünftel aller Minderjährigen in staatlicher Obhut.
Der Bericht dürfte den Druck auf den nationalkonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orbán erhöhen. Vor der für das Frühjahr erwarteten Parlamentswahl liegt Tisza-Chef Péter Magyar in Umfragen vorne. „Die Orbán-Regierung ist definitiv gescheitert“, so Magyar auf Facebook.
Orbán regiert Ungarn seit 15 Jahren, nach seiner ersten vierjährigen Amtszeit bis 2002. Seit seiner Rückkehr an die Macht hat er nach eigenen Angaben dem Kinderschutz höchste Priorität eingeräumt. Seine Regierung wurde jedoch von mehreren Missbrauchsskandalen erschüttert.
Der jetzt erst veröffentlichte Bericht beruht auf einer 2021 durchgeführten Umfrage unter Betreuungspersonen. Er wurde 2022 an die zuständigen Behörden weitergeleitet, „um deren Arbeit zu unterstützen“, wie das Innenministerium jetzt erklärte. Dass die Öffentlichkeit nichts davon erfuhr, wirft die Frage auf, ob die Regierung etwas vertuschen wollte. (TT, APA)