Mehrere Tote nach Angriff auf jüdisches Lichterfest am Bondi Beach in Sydney
Sydney – Nach dem Terroranschlag auf ein jüdisches Fest in der australischen Metropole Sydney gibt die Polizei die Zahl der Toten nun mit 16 an. 40 Menschen seien weiterhin im Krankenhaus, teilte die Polizei von New South Wales auf der Plattform X mit. Der Regierungschef des australischen Teilstaates New South Wales, Chris Minns, sagte, es handle sich um einen Terrorakt, der sich gegen die jüdische Gemeinde gerichtet habe. Einer der zwei Attentäter sei getötet worden.
Australiens Premier Anthony Albanese, der den Nationalen Sicherheitsrat einberief, sprach von einem „schockierenden und beunruhigenden“ Vorfall: Rettungskräfte seien vor Ort und „kämpfen darum, Leben zu retten“. Unter den Verletzten sollen zwei Polizeikräfte sowie einer der zwei mutmaßlichen Angreifer sein. Letzterer befinde sich in kritischem Zustand, hatte es geheißen, bevor Minns sich äußerte. Der zweite mutmaßliche Attentäter dürfte also seinen Verletzungen erlegen sein.
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Zudem meldete die Polizei, dass eine Reihe verdächtiger Gegenstände in der Umgebung des Tatorts von Spezialkräften untersucht werde, eine Sperrzone sei eingerichtet worden. Die Polizei warnte die Bevölkerung dringend davor, sich in der Nähe aufzuhalten und sprach von einem laufenden Polizeieinsatz.
Alex Ryvchin, einer der Leiter des Exekutivrats der australischen Juden, sagte dem Sender Sky News: „Wenn wir auf diese Weise gezielt angegriffen wurden, dann hat das ein Ausmaß, das sich keiner von uns je hätte vorstellen können.“ Sein Medienberater sei bei dem Angriff verletzt worden. Ein Augenzeuge wurde von der Zeitung Sydney Morning Herald mit den Worten zitiert: „Ich habe mindestens zehn Menschen am Boden und überall Blut gesehen.“
Israel: „Niederträchtige Terroristen“
Der israelische Staatspräsident Isaac Herzog sprach von einem Anschlag „niederträchtiger Terroristen“ auf die jüdische Gemeinde. „Das Herz der gesamten Nation Israel setzt in diesem Augenblick einen Schlag aus, während wir für die Genesung der Verletzten beten, für sie beten und für jene beten, die ihr Leben verloren haben.“
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu machte der australischen Regierung indes schwere Vorwürfe. Er habe seinen Amtskollegen gewarnt, dass die Politik des Landes den Antisemitismus schüre, sagte Netanyahu am Sonntag. Antisemitismus verbreite sich, „wenn führende Politiker schweigen“, betonte Netanyahu. „Sie müssen Schwäche durch Handeln ersetzen.“
Tirolerin in Sydney: „Damit rechnet man einfach nicht“
Die Tiroler Tageszeitung hat mit Magdalena Lerch (30) telefoniert, die dem Terroranschlag nur durch großes Glück entgangen ist. Die Pharmazeutin aus Innsbruck wollte eigentlich mit Freunden zu einem Barbecue gehen, das am Bondi Beach genau neben jenem Platz hätte stattfinden sollen, an dem die Schüsse fielen. „Weil dort aber einiges an Security war, wurde das Barbecue verlegt. Wir sind dann von dort zur neuen Location gegangen und 10 bis 15 Minuten später ging es los“, berichtete die Tirolerin.
Sie habe bei den Gewehrschüssen zuerst an ein Feuerwerk gedacht. „Aber dann haben wir – aus schon sicherer Entfernung – gesehen, wie Panik ausbricht und Menschen weglaufen. Da war uns klar, dass das ein Angriff sein muss“, sagte Lerch. Ihrem Empfinden nach habe es relativ lang gedauert, bis mehr Polizei vor Ort war. Es sei erschreckend gewesen, wie die Leute am Strand um ihr Leben rannten, „manche sind ins Meer geflüchtet, mit oder ohne Surfbretter“.
Irgendwann kam dann die Durchsage aus einem Polizei-Hubschrauber, man solle die Gegend verlassen. Lerch ist sich bewusst, „wie viel Glück wir gehabt haben. Und dass es an keinem Ort Gewissheit gibt, dass man sicher ist“. Der Sonntag sei „ein Bilderbuchtag am Strand gewesen – und dann passiert sowas. Damit rechnet man einfach nicht“.
Erhöhte Bedrohung aber keine konkrete Gefahr in Österreich
Der Angriff ereignete sich fast auf den Tag genau elf Jahre nach der Geiselnahme in einem Lindt-Café in Sydney. Damals hatte ein einzelner Bewaffneter 18 Menschen als Geiseln genommen. Zwei der Geiseln starben, der Täter wurde getötet.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen schrieb auf der Plattform Bluesky: „Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Sydney wurden Opfer eines grausamen Terroranschlags. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, den Verletzten und ihren Angehörigen. Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wir solidarisieren uns mit allen, die sich heute und jeden Tag gegen Hass und Gewalt stellen.“
Das Innenministerium in Wien erinnerte daran: „Bereits seit dem 7. Oktober 2023 – dem Terrorangriff der Hamas auf den Staat Israel – besteht in vielen europäischen Staaten und somit auch für Österreich eine erhöhte Bedrohungslage (aber keine konkrete Gefährdung).“ Wenige Tage später sei auch in Österreich die Terrorwarnstufe erhöht worden – „aktuell auf die Stufe 4 von 5 möglichen Stufen“. Damit einher gingen unterschiedliche wahrnehmbare, aber auch verdeckte Maßnahmen. Das Ministerium verwies zudem auf den Fokus auf den Schutz jüdischer Einrichtungen im Absprache mit den Israelitischen Kultusgemeinden und den diesbezüglichen Assistenzeinsatz des Bundesheeres.
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) zeigte sich „entsetzt“. „In diesen dunklen Stunden stehen wir vereint mit unserem strategischen Partner Australien und stehen Gewalt, Hass und jedweder Form von Antisemitismus fest entgegen.“ (APA, Reuters, dpa, TT.com)