Goldenes Herz trotz Israel-Debatte: So soll der Song Contest 2026 in Wien werden
Am Dienstag hat der ORF die opulente Bühne für den Eurovision Song Contest 2026 in Wien vorgestellt. Unter dem Motto „Goldenes Wiener Herz“ wird das Event stattfinden, allerdings mit nur 35 Nationen – der niedrigsten Teilnehmerzahl seit Jahren.
Die Bühne in der Wiener Stadthalle soll im Mai 2026 rund 170 Millionen Fernsehzuschauer in eine Welt aus Gold und floraler Ornamentik entführen. Star-Designer Florian Wieder, ein Routinier im ESC-Zirkus, ließ sich für sein Konzept von zwei Wiener Wahrzeichen inspirieren: dem Goldglanz der Secessionskuppel und der Eleganz der Wiener Oper.
„Wir haben nicht eine Bühne, sondern wir wollen, dass die Show in der gesamten Halle stattfindet“, erklärte Wieder. Ein zentrales Element ist das „Goldene Wiener Herz“, das sich als Symbol durch die gesamte Gestaltung zieht. Ergänzt wird die Szenerie durch ein an einen Violinschlüssel erinnerndes Designelement. Auch musikalisch schlägt man eine Brücke zwischen Tradition und Moderne. Das Konzept von Dorothee Freiberger und Martin Gellner basiert auf Mozarts „Zauberflöte“ – so wird etwa der berühmte Papageno-Pfiff in den Einspielungen zu hören sein.
Ein Fest mit Lücken
Die Freude über das prunkvolle Konzept wird jedoch von der niedrigsten Teilnehmerzahl seit vielen Jahren getrübt. Nur 35 Länder werden 2026 in Wien antreten, nachdem Spanien, Irland, die Niederlande, Slowenien und Island ihre Teilnahme aus Protest gegen die Beteiligung Israels zurückgezogen hatten.
Eurovision Song Contest 2026
Mit 35 teilnehmenden Ländern erreicht der ESC 2026 die niedrigste Teilnehmerzahl seit Einführung der Halbfinals 2004.
Austragungsort: Wiener Stadthalle
Datum: 12., 14. und 16. Mai 2026
Teilnehmerländer: Albanien, Armenien, Australien, Österreich, Aserbaidschan, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Tschechien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Moldau, Montenegro, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, San Marino, Schweden, Schweiz, Serbien, Ukraine, Vereinigtes Königreich.
Direkt für das Finale qualifiziert: Österreich (Gastgeber), Frankreich, Deutschland, Italien, Vereinigtes Königreich
Rückkehrer: Bulgarien, Moldau, Rumänien
Absagen: Island, Irland, Niederlande, Slowenien, Spanien
ORF-Generaldirektor Weißmann streckte den boykottierenden Sendern symbolisch die Hand aus: „35 ist eine tolle Zahl – und vielleicht überlegt es sich der eine oder andere noch.“ Er betonte den respektvollen Umgang innerhalb der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und mahnte zur Mäßigung: „Kommen wir ein bisschen auf den Boden zurück. Es sind öffentlich-rechtliche Sender, die Künstler entsenden – nicht ein Land oder eine Regierung.“
Man solle ein friedliches Fest feiern und andere Meinungen akzeptieren. Dazu gehöre auch, dass man andere Meinungen und Standpunkte anhöre, und „dass wir akzeptieren, dass jemand seinen Siegespokal zurückgibt. Das ist okay.“
Finanziell, so Weißmann, sei dank vorsichtiger Budgetierung „alles im grünen Bereich“.
Rufe nach einem Boykott des ESC in Wien gibt es auch in Italien. Drei der sieben Aufsichtsratsmitglieder von Italiens öffentlich-rechtlicher TV-Anstalt RAI kritisieren die Teilnahme Italiens an der Großveranstaltung und fordern, das Thema Palästina in die Veranstaltung einzubeziehen. „Wir halten die Entscheidung zu Italiens Teilnahme für falsch, weil sie die dramatische Lage in Gaza und im Westjordanland nicht berücksichtigt“, heißt es in der Stellungnahme.
Die Verwaltungsräte Alessandro di Majo, Davide Di Pietro und Roberto Natale erklärten in der Mitteilung, die Entscheidung der RAI zur ESC-Teilnahme sei trotz ihrer Bitte um einen Boykott und der Solidaritätswelle mit der palästinensischen Bevölkerung getroffen worden.
Forderung aus Italien: „Keine Verdrängung des Themas Palästina“
Zugleich appellierten die RAI-Aufsichtsratsmitglieder an die EBU, dem Thema Palästina bei der Veranstaltung in Wien Raum zu geben. „Jede Verdrängung dieses Themas würde auch das Urteil von Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern belasten, viele davon jung, die Musik mit Werten wie Frieden, Inklusion und Respekt verbinden“, betonten sie. „Es gibt noch Zeit, um zu verhindern, dass der Eurovision Song Contest zu einer Veranstaltung wird, die zwischen proklamierten Werten und ignorierten Tragödien widersprüchlich ist“, heißt es abschließend.
Kein künstlicher Applaus und Ticket-Ansturm
Sollte es während der Shows zu Protesten kommen, will der ORF journalistischer Pflicht nachkommen, aber die Verhältnismäßigkeit wahren. „Wenn es große Proteste gibt, dann werden wir das nicht verschweigen“, so Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz. Künstlich eingespielter Applaus sei ausgeschlossen.
Für alle, die live dabei sein wollen, wird die Zeit knapp: Die notwendige Vorregistrierung für den Ticketkauf läuft nur noch bis zum 18. Dezember kurz vor Mitternacht. Laut Executive Producer Michael Krön sind bereits über 200.000 Registrierungen eingegangen, was die Zahlen von Basel im Vorjahr bereits übertrifft. (TT, APA, dpa, Reuters)
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