Raumfahrt mit Vorsprung

Europa stärkt seine Unabhängigkeit durch erfolgreichen Ariane-Start

Erstmals seit 2018 brachte wieder eine europäische Ariane-Rakete Galileo-Satelliten ins All.
© AFP/Lietar

Zwei neue Satelliten bauen das weltweit genaueste Navigationssystem weiter aus. Die europäischen Trabanten umkreisen seit Mittwoch die Erde.

Kourou – Das Navigationssystem Galileo hat Verstärkung erhalten. Zwei neue Satelliten haben vor zwei Tagen ihre Erdumlaufbahn in rund 23.000 Kilometern Höhe erreicht. Erstmals wurden derartige Flugkörper mit der neuen Ariane-6-Rakete vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana gestartet. Europa kann damit nach längerer Pause sein Positionierungssystem wieder selbstständig ausbauen.

„Das war ein schwieriger Start – der schwierigste, den wir bisher mit Ariane 6 gemacht haben“, erklärte Toni Tolker-Nielsen von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Denn die beiden neuen Satelliten mussten zeitlich exakt in den Orbit gebracht werden, wo sie in den kommenden Jahren altersbedingt aus der Konstellation ausscheidende Satelliten ersetzen werden.

„Start zeigt Europas Stärke“

ESA-Chef Josef Aschbacher sprach von einem „großen Erfolg“. Man sei nun nur noch zwei Starts entfernt vom Abschluss der ersten Galileo-Generation, die zweite Tranche werde hier „nahtlos anschließen“. Der heutige Start zeige „Europas technologische Stärke und Kooperationsfähigkeit“, sagte der Tiroler Aschbacher.

Zuletzt hatte im Jahr 2018 eine Ariane-5-Rakete – die nicht mehr gebaut wird – Satelliten dieser Baureihe ins All gebracht. In den vergangenen Jahren war die ESA auf russische Sojus-Raketen und Falcon-9-Trägerraketen der US-Firma SpaceX angewiesen. Mit dem Start der Galileo-Satelliten Nummer 33 und 34 durch den Raketenbetreiber Arianespace mache Europa einen wichtigen Schritt in Richtung „garantierten Zugang zum All“, ohne dabei auf externe Partner angewiesen zu sein, heißt es bei der ESA.

Etliche österreichische Unternehmen liefern wesentliche Bauteile sowohl für die Satelliten als auch die Trägerrakete. So wird etwa die zweite Satelliten-Generation mit Xenon-Tanks des oberösterreichischen Unternehmens „Peak Technology“ ausgestattet.

Das europäische Navigationssystem wird regelmäßig von weltweit rund 4,5 Milliarden Nutzern genutzt. Es ist seit dem Jahr 2016 verfügbar. Es handle sich um das erfolgreichste Weltraumprodukt Europas und sei dementsprechend „strategisch und wirtschaftlich wichtig“, heißt es seitens der EU-Kommission, die Galileo finanziert. „Es ist das weltweit genaueste globale Navigationssatellitensystem – und heute haben wir seine Zuverlässigkeit und Robustheit noch weiter erhöht“, sagte Aschbacher. (TT, APA)