Geschichten zum Advent, Teil 19

Ein Christkind in Rot: Wie 1700 Weihnachtspakete bei hilfsbedürftigen Familien ankommen

Matteo ist Zivildiener beim Jugendrotkreuz Tirol und derzeit für die Weihnachtspaket-Aktion unterwegs.
© Iris Handle

In den Wochen vor Weihnachten gibt es für die Zivildiener des Jugendrotkreuzes Tirol noch mehr zu tun als sonst. Sie sammeln Weihnachtspakete von Tiroler Schulen, Kindergärten und Kindergrippen für hilfsbedürftige Familien in Tirol.

Innsbruck – Mit voll bepackten Paketen in der Hand warten die aufgeregten SchülerInnen am Schulparkplatz vor dem weißen, noch leeren Transporter. Nachdem sie gemeinsam mit ihren Familien oder der Klasse Weihnachtspakete voll mit Lebensmitteln vorbereitet haben, können sie diese endlich auf den Weg zu hilfsbedürftigen Familien schicken.

Die Boten: die beiden Zivildiener des Jugendrotkreuzes Tirol, Matteo und Samuel, und der Zivildiener der Suchtprävention Kontakt+Co Elias. Die stressigste Zeit hat für die drei vor wenigen Wochen begonnen. Sie sind im Unterland und Raum Innsbruck für die Weihnachtspaket-Aktion des Jugendrotkreuzes unterwegs.

Anfangs 80 – heute 1700 Pakete

Dabei können Schulen, Kindergärten oder Kinderkrippen Lebensmittelpakete zusammenstellen und an hilfsbedürftige Menschen in Tirol spenden. Die Zivildiener holen diese dann an den Schulen oder Kindergärten ab, beladen sie ins Auto und bringen sie entweder ins Zwischenlager nach Innsbruck oder direkt zu bedürftigen Familien nach Hause. Zudem werden einige Pakete an verschiedene Tafeln gespendet, welche die Lebensmittel an Betroffene austeilen.

Alexander Sulzenbacher-Schell, Koordinator der Weihnachtspaket-Aktion sagt: „Das Projekt hat vor rund 20 Jahren in Kufstein gestartet und anfangs waren es um die 80 Pakete. Mittlerweile werden zwischen 1500 und 1700 Pakete gespendet.“ Mehr würden sie im Moment auch nicht schaffen, die Hilfsbereitschaft sei so groß, freut sich Sulzenbacher-Schell.

50 Pakete spendeten die SchülerInnen der Mittelschule Niederndorf an hilfsbedürftige Familien.
© Iris Handle

Um 8 Uhr in der Früh geht es für die Zivildiener in Innsbruck los. Matteo startet an diesem Tag in Richtung Bezirk Kufstein. Der zusammengefaltete Zettel mit allen Informationen „wäre gut nicht zu vergessen“. Der 19-Jährige gibt die angegebene Adresse der Schule ins Handy-Navi ein und schon startet die Fahrt ins Unterland. Im Auto erzählt er von seiner Leidenschaft für Soziales. Er besuchte das Gymnasium Zams und derzeit lernt der 19-Jährige auf den MedAT-Aufnahmetest fürs Medizinstudium. Die Arbeit als Zivildiener und der temporäre Job als Christkindl sei deshalb genau das Richtige.

Eine Aufgabe, die erfüllt

Er erzählt, welche schönen Momente er bereits erlebt habe und wie erfüllend die Aufgabe sei. Wenn Schüler den Zivildienern einen „Danke-Zettel“ schreiben und Schoko-Nikoläuse auf sie warten oder ein kleines Mädchen erklärt, dass bei jedem das Christkind kommen muss, sei das „unvergesslich und wunderschön“. Abgefahren von der Autobahn, geht es durch die engen Gassen von Ebbs und Niederndorf. Mittlerweile sei Matteo das Auto gewohnt, mehr als 1000 Kilometer habe er seit Beginn der Aktion schon zurückgelegt.

Auf die richtige Technik beim Stapeln kommts an - bis zu 180 Pakete haben im Transporter Platz.
© Iris Handle

An den Schulen angekommen, freuen sich die Kinder über die Ankunft von Matteo. Bei der Nachfrage, ob nicht jemand helfen möchte, die Pakete ins Auto zu bringen, zögern die Kinder nicht lange und es bildet sich eine regelrechte Schlange vor dem Transporter. Die Pakete haben die Kinder entweder zu Hause gemacht oder gemeinsam im Klassenraum. Matteo erzählt, dass in den meisten Fällen in den Religionsstunden an der Aktion gewerkelt wird. Schön findet er, dass teilweise im Zeichenunterricht die Pakete gestaltet und in den Deutschstunden Briefe verfasst werden. Einige Kinder müssen die schweren Pakete zu zweit tragen, um keines davon fallen zu lassen. Andere wiederum schleppen voller Stolz zwei bis drei auf einmal.

Das ganze Tragen der Pakete geht schon in die Arme – bis zu 25 Kilogramm wiegt eine Schachtel. Bei über 100 Pakete an einem Tag, weiß man am Abend, was man getan hat.
Matteo Plattner, Zivildiener

Trotz den vielen kleinen Helferlein hat Matteo genug zu tragen. Die Pakete müssen immerhin im Transporter sorgfältig gestapelt werden, um alle unterzubringen. Fitnessstudio brauche der 19-Jährige momentan keines: „Das ganze Tragen und Stapeln der Pakete geht schon in die Arme – bis zu 25 Kilogramm, wenn nicht mehr, wiegt eine Box. Bei über 100 Paketen an einem Tag weiß man am Abend, was man getan hat.“, schmunzelt er. Dabei kann es das ein oder andere Mal auch zu Komplikationen kommen, erzählt er: „Es ist schon vorgekommen, dass uns Geschenkpapier gerissen ist, das haben wir dann ganz sachte im Lager wieder zusammengeklebt.“

„Bei allen soll das Christkind kommen“

Trotz dem ein oder anderen Hoppala kann Matteo zufrieden nach Hause gehen. „Das Schönste ist, wenn die Kinder verstehen, dass sie mit ihren Paketen helfen können und sich darüber freuen“, erzählt Matteo. Nicht nur die Freude der helfenden Kinder, auch die Dankbarkeit der hilfsbedürftigen Familien sei berührend. Aufgrund der hohen Hilfsbereitschaft würden einige Familien nicht nur ein, sondern zwei oder mehrere Pakete erhalten.

„Ich finde bei allen soll das Christkindl kommen, jede und jeder hat das verdient. Wir spielen das jetzt eben für einige Wochen, das ist anstrengend, es gibt einem aber sehr viel“, sagt Matteo. Nach den vergangenen Wochen voll mit unzähligen Fahrten, strahlenden Kinderaugen und der Dank vieler Familien freuen sich die Zivildiener umso mehr auf ein ruhiges und besinnliches Weihnachten – und wenn bei Ihnen dann das Christkind kommt.

Die Schülerinnen und Schüler der Volksschule Niederndorf unterstützen tatkräftig beim Tragen.
© Iris Handle

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