Massive Vergeltungsschläge

Mindestens fünf IS-Mitglieder bei US-Angriffen in Syrien getötet

Das US-Militär hatte nach eigenen Angaben in der Nacht mehr als 70 Ziele der IS-Miliz in Syrien angegriffen.
© APA/AFP/US AIR FORCE/-

Mehr als 70 Ziele der IS-Miliz angegriffen. Vergeltungsmaßnahme für Anschlag in Palmyra, bei dem zwei US-Soldaten und ein US-Übersetzer von mutmaßlichem IS-Mitglied getötet worden.

Damaskus – Bei den US-Luftangriffen in Syrien sind nach Angaben von Aktivisten mindestens fünf mutmaßliche Mitglieder der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) getötet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Samstag mit, unter den Toten in der Provinz Deir Essor sei auch der Anführer einer IS-Zelle, die in der Region im Osten Syriens für Drohneneinsätze zuständig gewesen sei.

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Das US-Militär hatte nach eigenen Angaben in der Nacht mehr als 70 Ziele der IS-Miliz in Syrien angegriffen. US-Präsident Donald Trump sprach von „sehr schweren“ Vergeltungsmaßnahmen für einen Anschlag in Palmyra am Samstag vergangener Woche. Dabei waren nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom zwei US-Soldaten und ein US-Übersetzer von einem mutmaßlichen IS-Mitglied getötet worden. Der IS hat sich bisher nicht zu dem Angriff bekannt.

Der Anschlag war der erste Vorfall dieser Art seit dem Sturz des langjährigen syrischen Machthabers Bashar al-Assad durch die islamistische HTS-Miliz und ihre Verbündeten im Dezember vergangenen Jahres. Es war auch der erste Vorfall seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Syrien und den USA.

Hegseth: Nicht Beginn eines Kriegs, sondern „Rache“

Der Einsatz gegen die IS-Ziele in Syrien sei nicht der Beginn eines Kriegs, sondern Ausdruck der „Rache“ der Vereinigten Staaten, schrieb Verteidigungsminister Pete Hegseth auf der Plattform X. „Heute haben wir unsere Feinde gejagt und getötet. Viele von ihnen. Und wir werden damit fortfahren“, schrieb Hegseth, den die US-Regierung als Kriegsminister bezeichnet. Das Militär machte zunächst keine Angaben zu möglichen Verletzten oder Todesopfern bei der jüngsten Angriffswelle.

Luftangriffe des US-Militärs

Das US-Militär nennt den neuen Einsatz gegen den IS „Hawkeye Strike“. Der Name sollte vermutlich die jüngst getöteten US-Soldaten ehren: Sie stammten aus dem Bundesstaat Iowa, dessen Spitzname „Hawkeye State“ ist.

Der Einsatz richtet sich nach US-Angaben gegen Kämpfer der Terrororganisation IS, deren Infrastruktur und Waffenlager. Bei den Angriffen in der Nacht auf Samstag an mehreren Orten seien mehr als 100 Präzisionswaffen eingesetzt worden – darunter versteht das US-Militär zum Beispiel Bomben oder Raketen. „Wir werden Terroristen, die Amerikanern oder unseren Partnern in der Region schaden wollen, weiter schonungslos verfolgen“, erklärte Centcom-Kommandeur Admiral Brad Cooper. Auch jordanische Kampfflugzeuge hätten den Einsatz unterstützt, hieß es.

Die USA führen in Syrien und im benachbarten Irak eine internationale Koalition zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat an. Der Einsatz begann, nachdem der IS 2014 große Gebiete in beiden Ländern überrannt hatte. Der IS gilt als militärisch besiegt, in beiden Ländern sind aber weiterhin IS-Kämpfer aktiv, die auch Anschläge verüben.

Trump: Wer die USA angreift, wird bestraft

US-Präsident Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social von sehr gewichtigen Vergeltungsschlägen gegen den IS in Syrien. Gleichzeitig sprach er eine Warnung aus: „Alle Terroristen, die so bösartig sind, Amerikaner anzugreifen, werden hiermit gewarnt: IHR WERDET HÄRTER ALS JE ZUVOR GETROFFEN WERDEN, WENN IHR IN IRGENDEINER WEISE DIE USA ANGREIFT ODER BEDROHT.“ Syrien habe eine glänzende Zukunft vor sich, wenn der IS ausgerottet werden könne.

Nach dem Angriff in Palmyra hatte Trump bereits betont, dass er den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa nicht verantwortlich macht. Er hatte den Übergangspräsidenten erst im November im Weißen Haus empfangen und erklärt: „Wir wollen, dass Syrien ein sehr erfolgreiches Land wird. Und ich glaube, dieser Anführer kann das schaffen.“

Al-Sharaa sieht Wendepunkt für sein Land

Al-Sharaa sieht nach der vollständigen Aufhebung harter US-Wirtschaftssanktionen gegen sein Land einen Wendepunkt für Syrien. Nach Jahren der Not unter der Herrschaft von Langzeit-Machthaber Bashar al-Assad erlebe Syrien den ersten Tag ohne Sanktionen, sagte er am Freitagabend, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete.

Der sogenannte „Caesar Act“ wurde 2019 mit dem Ziel verhängt, die damalige Assad-Regierung wegen des brutalen Vorgehens im Bürgerkrieg zu schwächen. Es waren vor allem Wirtschaftssanktionen. „Die Ära des Schmerzes“ sei nun vorbei, und „die Ära des Wiederaufbaus“ habe begonnen, sagte al-Sharaa.

Hoffnung auf Investitionen und Wirtschaftsaufschwung

Assad wurde Ende 2024 gestürzt. Interimspräsident al-Sharaa bemüht sich seitdem, Syrien nach Jahren der Isolation wieder an die internationale Staatengemeinschaft anzuschließen. Die EU und die USA haben im vergangenen Jahr bereits zahlreiche Sanktionen gegen das Land aufgehoben. Auch der „Caesar Act“ wurde zum Teil ausgesetzt. Nun folgte die endgültige Aufhebung.

Die dauerhafte Aufhebung der Sanktionen gilt als entscheidend für Syriens wirtschaftliche Erholung. Bisher wurden durch das Sanktionsgesetz internationale Investitionen, Wiederaufbauprojekte und Handelsgeschäfte stark erschwert. Al-Sharaa bemüht sich seit Monaten um die komplette Aufhebung.

Mit dem Wegfall hofft Syrien auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Investitionen ausländischer Firmen und regionaler Staaten in Infrastruktur, Energieversorgung oder Gesundheitswesen könnten auch neue Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit bringen.

Zuspruch aus Australien nach Anschlag am Bondi Beach

Australien begrüßte die jüngsten US-Angriffe in Syrien. Die Terrormiliz sei weltweit für unbeschreibliches Leid verantwortlich, durch ihre eigenen Taten und durch die von ihr verbreitete bösartige Ideologie, erklärte Premierminister Anthony Albanese. Das Land war am vergangenen Wochenende von einem brutalen Terroranschlag mit 15 Toten erschüttert worden. Albanese zufolge war der Anschlag am Strand Bondi Beach in Sydney von der Ideologie des IS inspiriert. (APA/AFP/dpa)