Nach Terroranschlag

Nationale Schweigeminute: Australier gedenken der Opfer vom Bondi Beach

Gäste bei der Trauerfeier am Bondi Beach, eine Woche nach dem Attentat, bei dem 15 Menschen ums Leben kamen. Das jüngste Opfer war ein zehnjähriges Mädchen, das älteste ein 87-jähriger Holocaust-Überlebender.
© SAEED KHAN

Nach den Schüssen auf Teilnehmer einer Chanukka-Feier ist Australiens Premier mit viel Kritik konfrontiert. Er will jetzt härter durchgreifen.

Tausende Menschen haben am Sonntag am Bondi Beach in Sydney der 15 Todesopfer des Terroranschlags auf ein jüdisches Fest vor einer Woche gedacht. Die Abendveranstaltung der jüdischen Gemeinde im Bundesstaat New South Wales begann mit einer Schweigeminute. Als danach neben anderen Gästen auch Premierminister Anthony Albanese begrüßt wurde, mischten sich unter den Beifall auch wütende Buhrufe. Der Premier ordnete inzwischen eine Untersuchung an.

Viel Kritik an Albanese

Es werde geprüft, ob Polizei und Geheimdienste über die nötigen Befugnisse, Strukturen und Vereinbarungen zum Informationsaustausch verfügten, „um die Sicherheit der Australier zu gewährleisten“. „Die vom IS inspirierte Gräueltat vom vergangenen Sonntag zeigt die sich rasch verändernde Sicherheitslage in unserem Land“, sagte der Premier weiter. „Unsere Sicherheitsbehörden müssen in der Lage sein, optimal zu reagieren.“

Australiens Regierungschef war seitens Vertretern der jüdischen Gemeinde sowie der Opposition vorgeworfen worden, im Zuge eines zunehmenden Antisemitismus im Land nicht genug für den Schutz von Juden getan zu haben.

Am Freitag hatte Albanese bereits eine Aktion zum Rückkauf von Waffen angekündigt. Australien werde Waffenbesitzer dafür bezahlen, dass sie „überschüssige, verbotene und illegale Schusswaffen“ abgeben, sagte der Regierungschef. Der Premier kündigte zudem an, die Gesetze zu verschärfen, die es einem der mutmaßlichen Täter erlaubt hatten, sechs Hochleistungsgewehre zu besitzen. Schusswaffenangriffe sind in Australien relativ selten. Automatische und halbautomatische Waffen sind dort verboten, seit ein Bewaffneter 1996 in Port Arthur auf der Insel Tasmanien 35 Menschen erschossen hatte.

Worte der Versöhnung

In Australien gab es landesweit Mahnwachen für die Opfer des Anschlags. Die gesamte Bevölkerung war für 18.47 Uhr Ortszeit – dem Zeitpunkt, als die ersten Schüsse am Bondi Beach gefallen waren – aufgerufen, eine Kerze für die Opfer anzuzünden und für eine Gedenkminute innezuhalten. Die Flaggen in Australien wehten auf halbmast.

Auf einem Banner an einem Wasserflugzeug, das den Bondi Beach überflog, war eine Solidaritätsbekundung für „unsere jüdische Gemeinde“ zu lesen. Bei der Feier in Sydney waren auch jüdische Gesänge zu hören. „Wir sind hier zusammen. Wendet euch an Fremde und umarmt sie“, sagte Roslyn Fishall, ein Mitglied der jüdischen Gemeinde, bei dem Gedenken am Bondi Beach. „Lasst uns gemeinsam Frieden schließen“, fügte sie hinzu. „Es ist immer noch sehr schwer zu verstehen, was passiert ist“, sagte ihrerseits die ebenfalls bei der Gedenkfeier anwesende Leona Pemberton. „Ich denke, irgendwann müssen die Tränen einfach fließen.“

In Israel rief Staatspräsident Yitzhak Herzog zu einem weltweiten Kampf gegen Antisemitismus auf. „Der weltweite Anstieg des Judenhasses ist ein globaler Notstand“, sagte er bei einer Gedenkveranstaltung in Jerusalem für die 15 Todesopfer in Australien. „Ich möchte den Juden Australiens sagen: Das Volk Israel steht an eurer Seite.“ (APA, AFP, dpa, Reuters)

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