Spanische Weihnachtslotterie „El Gordo“ bescherte Segen von 2,77 Milliarden Euro
Spaniens jährliche Weihnachtslotterie ist nicht nur ein Glücksspiel, sondern ein nationales Ritual. Dieses Jahr gab es eine Rekordsumme.
Wenn in ganz Spanien die Sektkorken knallen und sich wildfremde Menschen in die Arme fallen, dann findet die Verlosung der weltberühmten Weihnachtslotterie statt. Jedes Jahr findet im Teatro Real zwei Tage vor dem Heiligen Abend die Ziehung statt – und die schüttete dieses Jahr Gewinne in Rekordhöhe aus.
Insgesamt wurden mehr als 2,77 Milliarden Euro verteilt, rund 70 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Allein der Hauptgewinn, genannt „El Gordo“, „der Dicke“ betrug vier Millionen Euro für ein ganzes Los.
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Mehrere Notleidende gewannen
„Er ist da, der Dicke ist da!“, hieß es eineinhalb Stunden nach Beginn der Ziehung, um 10.44 Uhr. Die große Glücksnummer war dieses Jahr die „79432“. In der Regel teilen sich mehrere Menschen die Preise, weil Lose mehrfach und anteilig gekauft werden können.
Der große Geldsegen ging lokalen Medienberichten zufolge unter anderem an eine Reihe LoskäuferInnen in Madrid, aber auch an mehrere eher ärmere Dörfer der Region León, die dieses Jahr schwer von Waldbränden getroffen wurden. Im 10.000-Einwohner-Ort La Bañeza jubelten vier junge Mädchen, deren Familien mehrere Lose des Hauptgewinns erworben hatten: „Wir haben hier eine wirklich harte Zeit hinter uns. Aber jetzt wird gefeiert!“
Der zweite Preis über 1,25 Millionen wurde schon nach 15 Minuten gezogen und ging an die Nummer „70048“. Prompt versammelten sich jubelnde Menschen mit Sektflaschen vor der Verkaufsstelle im Madrider Stadtviertel Chueca, die alle 198 Auflagen des Glücksloses verkauft hatte. „Das ist der Hammer, die Käufer sind mehrheitlich ganz normale Leute aus der Nachbarschaft“, sagte der Verkaufsstellenbetreiber vor den RTVE-Kameras.
Für die soziale Umverteilung
Das ist auch ganz im Sinne von Jesús Huerta, dem Leiter der spanischen Lotteriegesellschaft Loterias y Apuestas del Estado. Man betreibe Umverteilung und gleiche soziale Ungleichheit etwas aus, da alle Jahre wieder sehr viele notleidende Menschen unter den Gewinnern seien, sagte er.
In der Tat: In Madrid freute sich der arbeitslose Sachbearbeiter Juan Manuel über 20.000 Euro für ein Zehntellos des 4. Preises. „Ich werde damit Schulden abbezahlen und vielleicht den ersten Urlaub mit meiner Frau nach fünf Jahren machen“, sagte der 44-Jährige.
Einige setzten ihre Gewinne für das Gemeinwohl ein. Legendär sind mehrere Fälle. Bernardo Cerezo finanzierte zum Beispiel 1928 nach seinem Gewinn im andalusischen Carmona den Bau eines Theaters, Ángel Oliván errichtete 1932 in Calahorra in der Region La Rioja ein Krankenhaus und eine Schule.
Weihnachtslotterie ist Ritual
Die Weihnachtslotterie ist in Spanien nicht nur Glücksspiel, sondern ein Ritual, das für die Spanier fest zur Vorweihnachtszeit gehört. Viele der rund 400 Glücklichen, die eine Eintrittskarte für das Teatro Real ergattern konnten, verfolgten verkleidet die Ziehung. Einige waren als Weihnachtsmann zu sehen, andere trugen bunte Perücken oder auch ein Weihnachtsbäumchen als Kopfbedeckung, andere die Tracht katholischer Geistlicher.
Die meisten fieberten allerdings vor den Fernsehgeräten mit. Millionen verfolgten die Zeremonie zu Hause oder aber mit Freunden in Bars und Cafés. Auch in zahlreichen Büros ließ man die Arbeit am Vormittag einfach ruhen. Rund um das Teatro Real, aber auch anderswo auf den Straßen herrschte ausgelassene Partystimmung – auch unter denen, die diesmal leer ausgingen.
So funktioniert die Lotterie
Die vor mehr als 200 Jahren gegründete Lotterie gilt als die älteste der Welt. Die Gewinnwahrscheinlichkeit soll deutlich höher sein als bei anderen Lotterien. Ausgeschüttete Gewinne entsprechen 70 Prozent der Verkaufseinnahmen. Diese sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und liegen inzwischen bei knapp vier Milliarden Euro.
Jedes Los trägt eine Nummer zwischen 00000 und 99999 und kann aufgrund der jährlich zunehmenden Nachfrage immer häufiger erworben werden. Man kann ein ganzes Los für 200 Euro erwerben, oder sich mit einem oder zwei Zehntellosen für jeweils 20 Euro begnügen.
Viele Menschen können demnach die gleiche Losnummer, aber verschiedene Teile davon, haben. Oft tun sich Freunde, Familien, Arbeits- oder Vereinskollegen und auch ganze Dörfer zusammen, um gemeinsam mit einem ganzen Los teilzunehmen. Statistisch gesehen gab jeder Spanier in diesem Jahr 76,08 Euro aus, 2,20 Euro mehr als im Vorjahr.
Schülerinnen und Schüler verkünden Gewinne
Das Prozedere ist immer gleich: Es gibt zwei Lostrommeln. In der ersten, größeren befinden sich 100.000 Holzkugeln mit den Losnummern, in der zweiten gut 1.800 Holzkugeln mit den Gewinnsummen. Bei der Ziehung fallen immer gleichzeitig zwei Kugeln aus den beiden Trommeln in eine Glasschale.
Schülerinnen und Schüler des Madrider Internats San Ildefonso singen der Tradition folgend und in wechselnder Besetzung zu zweit alle Jahre wieder die gezogene Lottozahl und die Höhe des Preises vor. Die beiden, die den Hauptgewinn verkünden dürfen, fühlen sich auch als Sieger und werden kleine Berühmtheiten. Dieses Mal waren es die beiden Mädchen Alba Yadira und Italy Andrea, die den Hauptgewinn mehrfach und sichtlich bewegt vorsangen.
Menschen aus anderen Ländern können nach spanischem Recht mitspielen. Sie müssen aber entweder dort ihren Wohnsitz haben oder während des Kaufs im Land sein. Und wer gewinnt, muss auch ein Bankkonto in Spanien eröffnen, um den Gewinn erhalten zu können. Von Österreich aus etwa über das Internet teilzunehmen, ist nach österreichischem Recht illegal und kann erhebliche Strafen nach sich ziehen. (dpa, TT)