Zwei Gemeinden im Bezirk Reutte greifen nach den Sternen
Mit Elektromobilität, E-Carsharing und sicheren Schulwegen fördern Tirols Gemeinden klimataugliche Verkehrssysteme. Das Programm „Tiroler Mobilitätssterne“ honoriert ihre innovativen Ansätze für eine nachhaltige Zukunft.
Reutte, Breitenwang – Ob sichere Radwege, durchdachte Siedlungsstrukturen oder attraktive Haltestellen – Tirols Gemeinden gestalten die Mobilität von morgen. Mit dem Landesprogramm Tiroler Mobilitätssterne erhalten sie ein Werkzeug, um ihre dahingehende Arbeit sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln.
59 Tiroler Gemeinden wurden dieser Tage wieder mit Mobilitätssternen ausgezeichnet. Die Sterne stehen dabei nicht nur für Qualität, sondern auch für Orientierung: Ähnlich wie in der Gastronomie werden Gemeinden für ihre Leistungen gewürdigt und motiviert, weitere Schritte in Richtung klimafreundliche Mobilität zu setzen.
Unter den ausgezeichneten Gemeinden finden sich auch zwei aus dem Bezirk Reutte. Die Stadtgemeinde Reutte (****) wurde für ihre Fortschritte und Maßnahmen erstmals mit vier Sternen ausgezeichnet: unter anderem für die neu verordnete Fahrradstraße am Lärchenweg oder den im Talkessel installierten Bedarfsverkehr mittels VVT-RegioFlink.
Die Gemeinde Breitenwang (**) überzeugte durch ihren Einsatz von E-Fahrzeugen im Gemeindefuhrpark und die Einbindung ehrenamtlicher FahrerInnen im eigenen Dorftaxi-Angebot.
„Nachhaltige Mobilität beginnt in den Gemeinden – dort, wo Menschen leben, arbeiten und sich begegnen“, so Landeshauptmann Anton Mattle. Der Verkehr sei einer der größten Hebel im Klimaschutz und Gemeinden hätten hier zahlreiche Möglichkeiten, aktiv zu werden, meint dazu Landesrat René Zumtobel: „Vom Ausbau des öffentlichen Verkehrs über sichere Schulwege bis hin zur Gestaltung lebendiger Ortszentren: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, entscheiden sich die Menschen für umweltfreundliche Alternativen. Das reduziert Emissionen und schafft gleichzeitig mehr Lebensqualität und Begegnungen im Ort.“
Hebel zur Energiewende
„Um ‚Tirol 2050 energieautonom‘ zu erreichen, muss der motorisierte Individualverkehr emissionsfrei werden. Der Anteil am Endenergiebedarf Tirols liegt aktuell bei 33 Prozent. Durch eine weitgehende Elektrifizierung kann der Energiebedarf der Mobilität bis 2050 um 62 Prozent sinken“, betont Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Energieagentur Tirol. Besonders positiv bewertet er die Entwicklung hin zu gemeinschaftlich genutzter Mobilität: „Erfreulich ist vor allem die zunehmende Zahl an E-Carsharing-Angeboten in Tirol.“
Sanfte Mobilität
Neben der Elektromobilität und E-Carsharing stellt die Verlagerung von Alltagswegen auf sanfte Mobilitätsformen – also öffentlicher Verkehr, Radfahren, Zufußgehen – den zentralen Hebel auf dem Weg zu einem klimatauglichen Mobilitätssystem dar. Gemeinden können dies fördern, indem sie diese Verkehrsarten bei ihren verkehrspolitischen Überlegungen ins Zentrum stellen. Durchgängige Radrouten mit entsprechender Infrastruktur, direkte Fußwegverbindungen ohne Umwege oder verkehrsberuhigte Ortszentren mit Funktionen des täglichen Bedarfs sind hier der Schlüssel zum Erfolg und werden auch im Rahmen der Mobilitätssterne entsprechend honoriert.
Dass hier noch Potenzial vorhanden ist, geht aus der vom Land Tirol durchgeführten Mobilitätserhebung 2022 hervor. Knapp die Hälfte der ausgewerteten Alltagswege in der Erhebung sind kürzer als drei Kilometer. Diese Wege wären vielfach für den Umstieg vom Auto auf aktive Mobilität wie Gehen oder Radfahren geeignet. Immerhin 48 Prozent der Wege werden laut Studienergebnis bereits mit sanften Mobilitätsformen zurückgelegt – eine erfreuliche Steigerung um 5 Prozentpunkte seit der letzten Erhebung.