Showgirls, Rap-Queens und die ganz großen Gefühle: Unsere musikalischen Highlights 2025
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Grund genug also, zurückzublicken, was wir heuer in unser Herz und unsere Playlisten geschlossen haben. Wir präsentieren unsere persönlichen Lieblinge zwischen Melancholie, feministischem Rock und frivoler Leichtigkeit. Die musikalischen Höhepunkte 2025 als Text und zum Nachhören.
Taylor Swift: The Life of a Showgirl
Fast stiehlt die Federboa die Show
Ein neues Album, Verlobung mit Travis Kelce, ein Film und eine Miniserie: Es war (mal wieder) ein ereignisreiches Jahr für Taylor Swift. Jetzt ist die 36-Jährige, die laufend Rekorde bricht, also in ihrer „Showgirl“-Ära angekommen. So versprechen es zumindest Titel und Aufmachung des zwölften Albums: Es tanzt in Orange, mit Glitzersteinchen, Lidstrich und Federboas daher. Der Sound dazu: poppig, eingängig, überwiegend gut gelaunt.
Besungen werden die Liebe („The Fate of Ophelia“), die Hater („CANCELLED!“), das Leben im Rampenlicht (im titelgebenden Song mit Sabrina Carpenter) oder auch das beste Stück ihres Liebsten („Wood“). Die Zeiten des Liebeskummers sind vorbei. Ein bisschen zusammengewürfelt wirkt das da und dort – und mit weniger Profil als zum Beispiel der Vorgänger „The Tortured Poets Department“. Jede Menge Gesprächsstoff liefert „The Life of a Showgirl“ natürlich trotzdem. Und ein Versprechen zum Ende gleich dazu: „See you next time!“
„The Life of a Showgirl“
Lange erwartet, jetzt ist es endlich da: So klingt das neue Album von Taylor Swift
Sabrina Carpenter: Man's best friend
The Life of a Showgirl
Was war das für eine Kontroverse im Vorfeld, als Sabrina Carpenter das Cover für ihr neues Album Man‘s best Friend veröffentlichte. Carpenter in unmissverständlicher Pose zu Füßen eines Mannes, der sie an den Haaren hält. Ist das noch Feminismus und Eigenermächtigung oder purer „Pick Me Girl“-Sexismus und Verrat an der Sache? Spätestens bei der Veröffentlichung wurde auch hoffentlich den lautesten KritikerInnen bewusst, dass dem Album eine große Schaufel Ironie beigemischt wurde. Carpenter hat 2025 vielleicht am besten klargemacht, dass Popmusik intelligent, provokant, unterhaltsam und einfach „groß“ sein kann.
Die großteils eindeutig zweideutigen Texte drehen sich um das Lieben und das einhergehende Leiden. Entstanden nach der Trennung von Schauspieler Barry Keoghan („Saltburn“), ist es auf dem Papier eigentlich ein Trennungsalbum. Doch Carpenter suhlt sich nicht in Trauer. Stattdessen unterstreichen Tracks wie „Manchild“ oder „Tears“ die Doppelbödigkeit des Albumcovers: Hier wird das starke Geschlecht nicht angehimmelt, eher liebevoll entlarvt. In die textliche und musikalische Zuckerglasur wurde eifrig Rattengift reingemischt.
Musikalisch transportiert einen das Album auf die Clubtanzfläche einer Showroom-Bar. Der Sound erinnert dabei an die pompösen der Produktion aus den späten 70er- und 80er-Jahren. Nicht ohne Grund fallen einem beim Hören Songs wie Baccaras „Yes Sir, I Can Boogie“ ein. Den krönenden Abschluss bildet dabei der Closer „Goodbye“ und der vielleicht schönste ABBA-Song, den ABBA nie geschrieben haben. Carpenter hat uns im heurigen Jahr gezeigt, dass Pop sich nicht zu sehr um sich selbst drehen muss (Wir blicken in deine Richtung, Taylor), sondern auch einfach mal eine Leichtigkeit von sich geben kann. Denn am Ende verbindet das Album und die Liebe eines: Beides ist eine große Show. Und Carpenter ist in beiden davon ein großartiges Showgirl.
Heiterer Herzschmerz
Warum Sabrina Carpenters „Man‘s Best Friend“ die witzigste Pop-Platte des Jahres ist
Die Playlist mit unseren Lieblingssongs
Bon Iver: Sable, Fable
Der Mann im Schatten sieht das Licht
Wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten. Wer, wenn nicht Justin Vernon weiß davon ein Lied zu singen. Beziehungsweise viele. Der US-Amerikaner, der 2008 mit For Emma For Ever Ago seinen Schmerz im Akustikgitarren getränkten Indie-Folk-Pop auf die Welt losließ, wurde zwar mit den darauffolgenden Alben elektronischer, verkopfter und kleinteiliger, doch das Melancholische konnte – oder wollte – er nie ganz abschütteln.